Behind the Scenes

So wird eine TV-Serie synchronisiert

Die Serien, welche du im SRF-Programm zu sehen bekommst, kauft SRF meistens bereits mit deutscher Synchronisation ein. Anders war dies bei der dänischen Serie «Follow the Money» (FTM). Hier war noch keine deutsche Synchronisation verfügbar, da sie zuvor im deutschsprachigen Raum noch gar nicht ausgestrahlt wurde. Christina von Ledebur, Redaktorin bei SRF im Bereich Einkauf Fiktion, war für die Synchronisation von FTM zuständig. Wir wollten von ihr wissen, wie eine solche Synchronisation abläuft.

Visual zur 2. Staffel von «Follow the Money»

Schritt 1: Partner suchen

Die Redaktion sucht ein geeignetes Synchronisationsstudio. Sobald eines gefunden wurde, schliesst man einen Vertrag mit ihnen ab.

Schritt 2: Inhaltlich übersetzen

Der erste Arbeitsschritt für das Studio ist die Rohübersetzung. Das macht ein/e Übersetzer/in. Der übersetzte Text ist nun noch überhaupt nicht synchron – er ist also noch nicht so getextet, dass er «gut aussieht». Wichtig ist hier vielmehr, dass inhaltlich alles stimmt.

Schritt 3: Texten

Für’s Texten braucht es eine/n erfahrene/n Synchronautoren/in, die/der im allerbesten Fall lippensynchron textet. Die Schwierigkeit hier ist, dass perfektes, lippensynchrones Texten oftmals nicht besonders schön klingt. Deshalb sind sich die meisten Regisseure und Synchron-Autoren einig: Wichtiger ist, dass es gut klingt, denn wenn es gut klingt, schaut man weniger auf die Lippen. Auch Tonfall und Slang müssen zur Figur, die synchronisiert wird, passen.

Schritt 4: Finetuning

Wenn der/die Autor/in fertig ist, kommt der Text zu Redaktorin Christina. Sie liest alles nochmals durch. Ihr Feedback sendet sie zurück ans Studio und bespricht es mit dem/der Autor/in.

An der Besprechung zu FTM haben sie etwa zwei Stunden diskutiert, wie die Dänischen Namen, sowie die Namen von Strassen und Städten ausgesprochen werden. Namen wie «Cristina» oder «Matthias», die auf Dänisch ganz anders ausgesprochen werden, wurden eingedeutscht. Sie mussten auch bei allen Figuren besprechen, ob sie sich duzen oder siezen, denn im Dänischen duzen sich alle, was im Deutschen befremdlich wäre.

Schritt 5: Casting

Weil SRF der Auftraggeber ist, hat Christina ein Mitspracherecht bei den Hauptsprechern. Für FTM war es kein einfaches Casting. Vor allem für die eine Hauptfigur, die Juristin «Claudia», die im Original eine sehr tiefe und raue Stimme hat. Im besten Fall werden die Sprecher/innen mittels Casting gesucht, in welchem sie Dialoge aus der Serie vorsprechen müssen. Hin und wieder muss man sich aber basierend auf irgendwelchen Stimmproben aus anderen Rollen oder sogar nur aus Werbespots entscheiden, das erschwerte die Auswahl brutal.

Schritt 6: Aufnehmen

Die Aufnahmen muss man sich etwa so vorstellen: Der erste Sprecher/die erste Sprecherin spricht sich von Episode zu Episode. Das passiert nicht chronologisch, weil die anderen Sprecher nicht dabei sind. Oft ist es sogar so, dass die Sprecher/innen die Geschichten gar nicht kennen – ihnen wird erst beim Eintreffen erklärt, welchen Charakter sie/er synchronisiert.

So eine Charakterbeschreibung hört sich in etwa so an:

Die Sprecher/innen sind meistens auch Schauspieler/innen und wissen, wie man aus wenigen Informationen eine Person verkörpert. Aufgenommen wird Take für Take – manchmal also auch nur ein Satz und dann die nächste Szene. Am Ende wird alles zusammengeschnitten und man würde nie merken, dass es sich dabei um viele einzelne Aufnahmen handelt. Worauf es wirklich ankommt, ist der Rhythmus. Gleichzeitig mit der Person auf dem Bild mit dem Satz fertig zu sein – das ist die Kunst.

Und so klingen Synchronisations-Anweisungen:

Bei den Aufnahmen zu FTM waren die folgenden Personen anwesend:

  • Die Regisseurin: Sie sitzt am Regiepult und hat ein Auge auf alles.
  • Der Sprecher/die Sprecherin: Steht hinter einer Scheibe (im Studio) an einem Pult, wo sein/ihr Textbuch liegt.
  • Der Tonmeister: Sitzt mit der Regisseurin zusammen und achtet darauf, ob alles verständlich ist. Er stellt die richtigen Videostellen für die Sprecher zur Verfügung.
  • Die Redaktorin (in diesem Fall Christina): Zusammen mit der Regisseurin «überwacht» sie das Ganze.
  • Der Cutter: Er sitzt neben dem Sprecher und schaut, ob die Aufnahmen für den Schnitt genutzt werden können. Wenn beispielsweise ein Satz zu schnell gesagt wird, muss er intervenieren.

Schritt 7: Schneiden

Wenn alle Aufnahmen abgeschlossen sind, geht’s in den Schnitt. Der Cutter, der während den Aufnahmen neben dem Sprecher sass, macht nun den Schnitt. Er schneidet also den Ton genau passend auf das Bild.

Schritt 8: Abmischen

Nach dem Schnitt geht es in die Mischung. Der Ton ist zu diesem Zeitpunkt noch clean, weil er im Tonstudio aufgenommen wurde. Dieser Ton muss nun zurück in die Atmosphäre gebracht werden. Man muss also hören, ob der Dialog draussen, drinnen, im Bad oder zum Beispiel in einer Tiefgarage stattfindet und passt die Synchronisation entsprechend an.

Und so sieht das Endergebnis dann aus:


Schaut Synchronsprecher Matthias Klie sich die Filme/Serien eigentlich an, in denen er spricht?

FYI: Matthias Klie ist in FTM die Synchronstimme von «Mads Justesen» (gespielt von Thomas Bo Larsen). Die einen oder anderen könnten ihn aber von woanders wiedererkennen: Matthias ist die deutsche Stimme von den Schauspielern Mads und Lars Mikkelsen.


Ausstrahlung: Ab Montag, 21. Mai 2018, 20:10 Uhr, SRF zwei

Ab Montag, 14. Mai 2018 Staffel 1 und 2 online auf Play SRF.


Text/Interview: lp
Bild: Visual Follow the Money, SRF/dr

Bild Autor*in Autor Luca Passerini
Luca (23) studiert Organisationskommunikation an der ZHAW in Winterthur. Momentan macht er während seinem Praktikum bei SRG Insider die Studios im Leutschenbach unsicher. Sonst rettet er am liebsten Schildkröten.
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Luca Passerini
Tags: serien synchronisation

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