Behind the Scenes

«Was macht eigentlich»: SRF bei Breaking News?

Früher Morgen. Zürcher Hauptbahnhof. Anschlag mit Toten und Verletzten: Wie schnell Fernsehen SRF dann im Stand ist, auf Sendung zu gehen, wurde in einer Alarmübung getestet. Das Fazit dazu gibt es von Gregor Meier, Nachrichtenchef und Stv. Chefredaktor TV.

Was bisher geschah:

8.15 Uhr: Die Tagesschau-Redaktion, ebenso SRF News und Radio SRF werden darüber informiert, dass sich beim Zürcher Hauptbahnhof ein Anschlag ereignet hat
8.30 Uhr: Zweite Meldung – noch ein Anschlag vor dem Bundeshaus in Bern
9.10 Uhr: Schweiz-Aktuell-Moderator Michael Weinmann geht auf Sendung, live aus Zürich, mit Schaltungen an den Ort des Geschehens in Bern und Zürich (Sendezeit: 1h)
Parallel dazu bereitet eine zweite Crew ein Tagesschau Spezial aus dem Studio der Tagesschau vor.
10 Uhr: Tagesschau-Moderatorin Maureen Bailo übernimmt von Michael Weinmann.
Wichtige Anmerkung zu dieser Alarmübung: Niemand hatte zuvor von der Übung Kenntnis – niemand war darauf vorbereitet. Der Erstalarm wurde via SMS ausgelöst.

Das Fazit:

SRG Insider: Was sind für dich die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Alarmübung?
Gregor Meier: Wir funktionieren auch unter solch aussergewöhnlichen Umständen und bringen innert kürzester Zeit ein gutes und informatives Programm auf den Sender. Eine solche Situation – also ein grosses Breaking-News-Ereignis hier in der Schweiz – ist eine riesen Herausforderung: Im Alltag arbeitet jede Redaktion mehrheitlich autonom und sendet zu fixen Zeiten. In diesem Fall mussten wir alle verfügbaren Kräfte der Sendungsredaktionen zusammenlegen und sofort auf Sendung gehen.

Was ist deine konkrete Rolle als Koordinator in Krisensituationen?
Zusammen mit dem Chefredaktor und der Programmleitung entscheide ich, wie wir publizistisch auf so ein Ereignis reagieren: Also wann produzieren wir mit welchen Mitteln eine Sondersendung? Nachher geht es darum den Überblick zu behalten und sicherzustellen, dass alles klappt. Ich bin deshalb auch in Kontakt mit dem Produzenten der Sondersendung um ihn zu unterstützen oder allenfalls zu intervenieren. Bei Breaking News im Ausland halte ich zudem auch ein Auge auf die Berichterstattung ausländischer Nachrichtensender.

Das Tempo der Nachrichtenverbreitung hat mit den sozialen Medien etc. deutlich zugenommen und die Informationshoheit liegt nicht mehr «nur» bei SRF. Was bedeutet das für euch?
Durch diese Umstände ist es enorm wichtig, dass unsere Berichterstattung richtig ist – dass unsere Informationen stimmen. Wir müssen dem Publikum in dieser Flut von Meldungen, Tweets, Gerüchten und Mutmassungen sagen können, was Sache ist. Was man bis jetzt weiss und was nicht. Wir haben nicht mehr die alleinige Informationshoheit, das stimmt. Aber wir müssen gerade in diesen Situationen die Nr. 1 in Sachen Glaubwürdigkeit sein.

Zum Montag, 19. Dezember 2016 (u.a. Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin) – was waren da die ersten Schritte?
Als die Dimension des Anschlags klar wurde, also etwa um 21:15, hatte ich telefonischen Kontakt mit der Tagesschau-Redaktion (Redaktionsleiter und Produzent Tagesschau Nacht) und wir haben beschlossen, mit einem Crawl auf dem Sender die Zuschauer über den Anschlag zu informieren. In einem zweiten Schritt entschlossen wir uns dazu, zwischen 10vor10 und Tagesschau Nacht noch eine zusätzliche Tagesschau Spezial zu senden um dem Publikum ein News-Update zu geben. Immerhin war der Täter noch auf der Flucht. Von Anfang an spannten alle verfügbaren Kräfte von Tagesschau und 10vor10 zusammen um die drei Sendungen (10vor10, Tagesschau Spezial und Tagesschau Nacht) zusammen produzieren zu können.

Interview: Matthias Wipf/lv
Bild: SRF

Tags: krisenundkatastrophen srfnews tagesschau

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