Service public

Humor und Service public?

Comedy ­unterhält, informiert und sie gewinnt als «Königsdisziplin der Unter­haltung» bei SRF je länger je mehr an ­Stellenwert. Doch warum ist Humor so wichtig und vor allem: Warum gehört eben auch Humor zum Service public der SRG? Wir haben nachgefragt.

«Humor ist längst nicht mehr nur das Witzchen am Stammtisch, das einen schnellen und kurzen Aufschrei erzwingt. Humor ist auch nicht nur dafür da. Humor regt zum Denken an, zeigt neue Blinkwinkel und vertritt Meinungen, die man so vielleicht noch nie gehört hat. Humor ist eine Erleichterung für schwere Momente. Humor lässt Sorgen vergessen oder ordnet sie neu ein. Allem voran ist aber Humor eines der wichtigsten Güter, das wir in unserem privilegierten Land haben. Und da Humor sehr subjektiv ist, braucht es viel Humor und noch mehr unterschiedlichen Humor – besonders im Service public. Denn ihr alle solltet euch vertreten und unterhalten fühlen. Oder hast du schon einmal gesagt ‹nein, ich lache grundsätzlich nicht gerne?›»

Joël von Mutzenbecher, Stand-Up Comedian


«Manchmal fällt Lachen schwer. Die Gründe dafür können für jeden Einzelnen unterschiedlich sein. Allen gemeinsam ist dann aber der Moment, in dem das verloren gegangene Lachen wiedergefunden wird: Einfach wunderbar. Nicht in wenigen Fällen hat hier Humor geholfen. Er vermittelt seit jeher ein Gemeinschaftsgefühl, denn zusammen lachen verbindet. Genauso wie der Service public. Und weil das so ist, sollte auch hier der Humor nicht zu kurz kommen. Ein Lächeln steht sowieso jedem gut

Anna-Lena Burkard, Studentin


«‹Service public›» klingt so vernünftig. Nach Grundversorgung und Infrastruktur, nach Tagesschau und Autobahn. Passt Humor da rein? Wie lebensnotwendig ist ein Witz? Was bringt mir eine Pointe oder ein lustiges Filmchen denn jetzt konkret? Persönlich konsumiere ich Comedy und Satire in rauen Mengen. Ohne meine tägliche Dosis ‹Seich› (egal ob fremderzeugt oder selbstgemacht) verliere ich meinen Verstand. Humor hilft mir, die Welt zu verstehen und zu verdauen. Nur dank dem Humor und den Menschen, die ihm frönen weiss ich – ich bin nicht allein. Darum gehört Humor für mich zum Service public.»

Patrick Karpiczenko, Drehbuchautor/Regisseur für TV, Werbung und Theater. Humorist


«Ein bisschen Spass muss sein, dann ist die Welt voll Sonnenschein», singt Roberto Blanco in seinem berühmten Schlagerlied. Ja und genau das ist der Grund, wieso auch im Service public mehr Spass, Humor und Comedy Einzug halten sollte (nicht wegen Roberto Blanco natürlich – mehr wegen dem Satz nach dem Komma). Neben all den schrecklichen Nachrichten, die uns täglich erreichen, kann es doch nicht schaden, ab und zu auch ein bisschen zu lachen. Ist es also die Aufgabe des Service public, uns zu informieren und unsere Meinungsbildung zu unterstützen, so ist es genau so die Aufgabe des Service public uns mit qualitativ hochwertiger Unterhaltung ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und somit eine hervorragende Kultur zu fördern.»

Eva Gaudenz, Studentin


«Gut verpackter Humor schadet keinesfalls, sondern verankert das Gesehene und Gehörte bei uns Menschen besser. Humor spricht uns direkt auf der Gefühlsebene an und sorgt dafür, dass uns Informationen nicht einfach links rein und rechts wieder rausgehen (oder umgekehrt). Humor wirkt wie ein Digestif und lässt trockene und schwere Nachrichten besser verdauen. Humor gehört unbedingt zum Service public, da er den Service public NOCH besser werden lässt. Darum: Türen auf für den Humor!»

Fabian Unteregger, Comedian


«‹Rire c'est bon pour la santé.› Humor ist gesund, er macht uns heiter und gelassen. Aber Humor kann noch mehr: Als politische oder gesellschaftskritische Satire provoziert er, übt den zivilen Ungehorsam und geht bisweilen hart an die Schmerzgrenze. Satire ist eine künstlerische Dienstleistung für ein Publikum, das willens ist, seine Meinungen geistreich hinterfragen zu lassen. Satire gehört zum Service public, weil sie die demokratische Diskussionskultur befeuert. Und Humor gehört zum Service public, weil er uns im Gefecht der Meinungen eine lachende Atempause verschafft.»

Anina Barandun, Redaktionsleiterin Hörspiel und Satire Radio SRF


Bilder: Joël von Mutzenbecher: SRF/Lukas Mäder, Ana-Lena Burkard: zVg., Patrick Karpiczenko: zVg., Eva Gaudenz: zVg., Fabian Unteregger: Michael Sieber, Anina Barandun: SRF/Oscar Alessio, Kachelbild: Pixabay/mstevencox

Tags: humor

Kommentare

Lade Kommentare...
Noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinzufügen

Leider konnte dein Kommentar nicht verarbeitet werden. Bitte versuche es später nochmals.

Danke für deinen Kommentar. Dein Kommentar wird moderiert und erscheint hier, sobald er freigeben wird.
Bei Freischaltung erhälst du ein Email auf {author_email}.