«Öpis mit Medie»: Nah, näher, Videojournalist

Wie werde ich Videojournalist/in? Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? Und am wichtigsten: Wie schaffe ich den Einstieg in diesen Beruf? Zwei SRF-Profis gewährten im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Öpis mit Medie» einen Einblick und verrieten Tipps und Tricks.

Wie sieht das Stellenprofil eines Videojournalisten aus? Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen? Wie schaffe ich den Einstieg? Und wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? SRG Insider ermöglichte Studierenden im Fernsehstudio Leutschenbach einen Einblick hinter die Kulissen. Die beiden SRF-Profis Mitja Rietbrock, Videojournalist sowie VJ-Coach bei SRF, und Ilona Stämpfli, Videojournalistin bei «Zambo», gaben Auskunft über ihren Berufsalltag und verrieten Tipps und Tricks.

«Shampoo und Pflegespülung in einem»

Gleich zu Beginn stellte VJ und Coach Mitja Rietbrock klar: Die Zeiten, in denen Videojournalisten noch einen besonderen Status hatten, als unerschrockene Helden galten und jeder Wackler, Rüttler und Tonfehler verziehen wurde, sind definitiv vorbei. Die Erwartungshaltung sei heutzutage extrem hoch. Keine einfache Ausgangslage. Insbesondere, weil ein VJ die meiste Zeit unter hohem Stress arbeitet. Er muss schnell entscheiden, schnell reagieren und viele Dinge gleichzeitig erledigen. «Ein VJ ist sozusagen Shampoo und Pflegespülung in einem», brachte es Rietbrock auf den Punkt. Das heisst: Ein VJ ist gleichzeitig Redaktor, Kameramann, Tontechniker, Regisseur, Organisator, Psychologe, Verkäufer, manchmal sogar Hofnarr ‒ und nicht zuletzt natürlich: Journalist.

Dazu kommt: Ein VJ muss körperlich fit sein. Schliesslich trägt er oder sie die Kamera oft stundenlang, manchmal über Tage oder Wochen hinweg – und oftmals in unmöglichen Positionen. Das geht auf Dauer in Beine und Rücken.

Ein einsamer Job?

Was bei Rietbrocks Ausführungen ebenfalls deutlich wurde: VJ ist ein Job für Einzelkämpfer. Sowohl Rietbrock wie auch Stämpfli sehen dies aber nicht als Nachteil – ganz im Gegenteil. Sie beide schätzen, unabhängig und selbständig zu arbeiten. Auch den Ausdruck 'einsam' möchten die beiden nicht unterschreiben. «In meinem Beruf zählen schliesslich immer auch die Menschen, die ich filmisch begleite», so Rietbrock und Stämpfli doppelt nach «so nah am Menschen ist sonst keiner».

Allen Widrigkeiten, allen Herausforderungen und allem Stress zum Trotz. Die Leidenschaft, mit der Rietbrock und Stämpfli ihren Job ausüben, war vor Ort hautnah zu spüren. «Ich würde den Job auch umsonst machen», gestand Rietbrock ein. «Für mich ist er schlichtweg ein Privileg».

Wie schafft man den Einstieg?

«Für mich steht fest, dass ich diesen Beruf ergreifen möchte», ist sich Nina, Studentin in Multimedia Production, sicher. Für den Anlass ist sie extra aus Chur angereist, und zeigte sich beeindruckt von den Ausführungen der Profis. Die entscheidende Frage lautet für sie nur noch: Wie schaffe ich den Einstieg in dieses Metier?

Auch auf diese Frage lieferte Rietbrock eine hilfreiche Antwort: «Gesucht werden keine Lebensläufe, sondern gute Ideen». Dass dies so ist, weiss er aus eigener Erfahrung am besten. Rund zehn Mal hat er sich bei Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) beworben – zehn Mal hat er eine Absage kassiert. Bis er schliesslich durch eine kleine List – Details sollen den Teilnehmenden vorbehalten bleiben – die Redaktionsleiterin der «Rundschau» zu einem gemeinsamen Kaffee locken konnte und sie mit seinen Ideen auf Anhieb überzeugte.

VJ als «One-Woman-Job»

Nebst Mitja Rietbrock gewährte auch Ilona Stämpfli, Videojournalistin bei «Zambo», einen praktischen Einblick in ihren Arbeitsalltag. Im Gegensatz zu Rietbrock, der überwiegend im Auftrag von SRF dreht und deshalb die Themen manchmal vorgeschrieben bekommt, kann Stämpfli ‚ihre‘ Sendung von A bis Z völlig frei gestalten und umsetzen. «Eine absolute Ausnahme», wie Stämpfli betonte. Die Teilnehmenden zeigten sich denn auch von ihrem «One-Woman-Job» beeindruckt. «Eine solche Ausnahme wären wir alle gern», sinnierte MMP-Student Mario stellvertretend für viele andere.

Bis es soweit ist, braucht es eine solide journalistische Grundausbildung, erste Erfahrungen im Videojournalismus, gute Ideen und wie so oft eine grosse Portion Glück. Dieses Wissen – gespickt mit den Insider-Tipps und der ansteckenden Leidenschaft der beiden VJ-Profis – konnten alle Teilnehmenden mit nach Hause nehmen.

Für alle, die am Anlass nicht dabei sein konnten, gibts die wichtigsten Facts und Tipps in einem Video.

zum Video

Hier findest du zudem eine ausführliche Reportage über den Berufsalltag von Videojournalistin Ilona Stämpfli sowie ein Interview mit ihr.

Mit «Öpis mit Medie» hat SRG Insider 2013 eine Veranstaltungsreihe lanciert, bei welcher in regelmässigen Abständen die vielseitigen Berufe von SRF vorgestellt werden. Die Veranstaltungen richten sich sowohl an junge Leute, die in den vorgestellten Berufen Fuss fassen möchten, aber auch an diejenigen, die grundsätzlich medieninteressiert sind. Die vergangenen Veranstaltungen hatten die Berufe Musikredaktor/in, Videojournalist/in, Fernsehregisseur/in, Sportkommentator/in, Multimediajournalist/in, Bundeshausredaktor/in, Interaction Designer, Radiomoderator/in, Inlandkorrespondent/in und Gameredaktor/in zum Thema. Die nächste Veranstaltung ist im Sommer 2016 geplant. Infos dazu findest du zu gegebener Zeit auf srginsider.ch.

Text: SRG Insider/Jasmin Rippstein
Bilder: Thomas Züger

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