Meinungen

«Mein Senf»: Dauerthema Integration

Für Ramiz (29) sind Sprache und Alltag der Schlüssel zur Integration und für ein friedliches Zusammenleben. Warum das deutschsprachige Fernsehen der Sparringpartner des kleinen Ramiz war und wie er über «Müslüm Television» denkt – darüber schreibt er hier.

«Integration – Als Bürger werde ich permanent mit diesem Thema konfrontiert, sei es über die mediale Abdeckung oder im Wahlkampf. Als Integrationsschlüssel werden oft die Sprache und der Alltag genannt. Meiner Einsicht nach, ist gelungene Integration die Verschmelzung der Kulturen unter einem gemeinsamen Leitgedanken, welcher als Grundpfeiler Demokratie, Aufklärung und Freiheit besitzt. Diskriminiert werden soll weder die Minderheit, noch die Mehrheit. Besonders Letzteres erlebe ich oft, wenn unter dem Deckmantel der Selbstbestimmung, Intoleranz akzeptiert und Menschenrechte unterdrückt werden. Dies verursacht nicht nur Leid bei den Betroffenen, sondern untergräbt auch kontinuierlich unsere Freiheit.

Sprache und Alltag als Schlüssel

Ich glaube an eine kulturelle Assimilation, ohne dass die Migranten ihre Wurzeln vergessen und verleugnen müssen, wie oft von Kritikern behauptet. Statt seinen Ursprung wie einen verborgenen Schatz zu hüten, sollte man sein Umfeld daran teilhaben lassen. Nichts verbindet mehr, als eine ausländisch anmutende Speise, welche mit Freunden geteilt werden kann. Die Schlüssel für ein friedliches Leben miteinander sind Sprache und der Alltag. Als ehemaliges Fernsehkind, beinhaltete TV beides für mich.

Als ich mit knapp sieben Jahren in die Schweiz kam, war mein erster deutschsprachiger Sparringpartner das tägliche Fernsehprogramm. Das dieser zum Alltagsfüller wurde, lag unter anderem an meinem fehlenden Bewegungsdrang. Auf dem Land aufgewachsen, empfing ich entsprechend nur die öffentlichen Programme der Schweiz. Durch ‹Fascht e Familie› konnte ich erste Einblicke in einen, durchaus überzeichneten, Schweizer Familienalltag gewinnen. Auch Trickfilme und die ‹Tagesschau› waren in meinem Programm, obwohl ich anfänglich kein Wort verstand.

Samthandschuhe ausziehen!

Für mich hatte SRF damals seinen Migrationsauftrag erfüllt. Ich denke, dass die oben genannten Formate, mit Ergänzungen von ‹Club› und ‹Reporter›, dies heutzutage auch tun. Auf der anderen Seite gefallen mir Sendungen wie ‹Müslüm Television› und ‹Arena› nicht, da sie sich, in meinen Augen, zur besten Sendezeit Menschen widmen, die völlig überrissen und unrealistisch (Müslüm Television – und ja, ich weiss, dass dies auch beabsichtigt ist) oder pseudo-repräsentativ und populistisch (Arena) sind.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die SRG beim Thema Integration ihre Samthandschuhe teilweise auszieht. Nur mit einer objektiveren Perspektive und Berichterstattung lassen sich Fremdenfeindlichkeit und Kulturrelativismus verhindern. Damit wäre, davon bin ich überzeugt, auch den Migranten besser geholfen.»

Ramiz Ibrahimovic (29) arbeitet in der Finanzwelt und ist heute nicht mehr bewegungsfaul. Er vertreibt sich seine Freizeit mit Triathlon und Snowboarden.


In der Rubrik «Mein Senf» lassen wir jeden Monat jemand Junges zum aktuellen Themenschwerpunkt zu Wort kommen. Alle bisher publizierten «Senf»-Texte findest du unter: #meinsenf


Porträt Ramiz Ibrahimovic: zVg.
Illustration: Stephan Lütolf

Tags: integration meinsenf migration muesluem

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