Meinungen

«Constructive Journalism»: «good news» sind im Trend

«Warum seid ihr so negativ?» Mit dieser Frage sehen sich Medienschaffende immer häufiger konfrontiert, da «bad news» oftmals das Medienangebot dominieren. Es geht aber auch anders. Die Alternative zur negativen Berichterstattung lautet Constructive Journalism, oder zu Deutsch: konstruktiver Journalismus. Die Dänen gelten als Vorreiter des neuen Trends zu positiven Nachrichten.

Wenn heute eine Zeitung aufgeschlagen wird, fällt vor allem eins auf: Mord, Totschlag, Kriege, Sexualdelikte und Naturkatastrophen dominieren die Printmedien – der Leser oder die Leserin könnte fast meinen, die Apokalypse stehe unmittelbar bevor. Auch viele Fernseh- und Radiosendungen sowie Online-Medien fokussieren getreu dem Leitspruch «only bad news is good news» auf negative Geschichten. Doch dieser Negativismus in den Berichterstattungen und Reportagen findet immer mehr Kritiker. Die Medienkonsumenten sollen nicht nur vermittelt bekommen, wie schlecht die Welt ist, lautet die Anklage. Eine Alternative zu «bad news» ist der konstruktive Journalismus, der sich den positiven Aspekte einer Geschichte zuwendet. Doch was macht eine positive Nachricht aus?

Mit «good news» Lösungswege aufzeigen

«Good news» ist nicht mit oberflächlichem und unkritischem Journalismus gleichzusetzen. Positive Beiträge im Sinne des konstruktiven Journalismus sind vielmehr lösungsorientiert und haben einen Nutzwert für den Rezipienten. Julian Schmidli, Reporter bei SRF Data, erklärt: «Eine positive Nachricht muss nicht zwingend über Gutes berichten». Konstruktive Berichterstattung beinhalte auch Beiträge über verbesserte Missstände oder Pläne, die trotz Widerständen erfolgreich umgesetzt wurden.

Laut Schmidli ist es wichtig, dass bei positiven Beiträgen ein redaktioneller Analyseprozess dahinter stecke, damit sie sich in ihrer journalistischen Leistung von Werbung und PR unterscheiden. Zudem funktioniere eine positive Nachricht oftmals mit einer negativen zusammen. «Dann nämlich, wenn Lösungswege aufgezeigt werden, also eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem berichteten Problem stattfindet», so der Reporter. Deshalb sei es für einen qualitativen Journalismus essentiell, dass auch «good news» enthalten seien. Nur so könne die Realität angemessen abgebildet werden.

Eine gute Nachricht pro Sendung

In Dänemark wird konstruktiver Journalismus in News-Sendungen seit längerem erfolgreich umgesetzt. So hatte Ulrik Haagerup, Infochef des dänischen Rundfunks, beschlossen, dass in jeder Hauptnachrichtensendung mindestens ein positiver Beitrag gebracht wird und dies nicht etwa am Ende der Sendung, sondern im sogenannten «Hardnews»-Bereich. Damit will Haagerup dem dänischen Publikum ein gutes Gefühl während des Medienkonsums vermitteln.

Auch für Schweizer Radio und Fernsehen ist «konstruktiver Journalismus» längst zum Thema geworden. Gegenüber dem LINK-Magazin erklärte Tristan Brenn, Chefredaktor TV von SRF, dass man darauf achte, nicht nur «bad news» zu verbreiten, sondern auch lösungsorientiert zu berichten. Konkret heisst das, dass auch bei News-Sendungen von SRF mindestens eine Geschichte dem «konstruktiver Journalismus»- Grundsatz zu folgen hat.

Doch egal ob gute oder schlechte Nachrichten: Es gibt Geschichten, um die ein Medienschaffender nicht herum kommt. Was aber letztendlich zählt, ist eine ausgewogene, aktuelle und glaubwürdige Berichterstattung, die den Anforderungen des Qualitätsjournalismus entspricht.

Weitere Infos zum Thema «bad news» erfährst du im Interview mit Vinzenz Wyss:

Zum Interview

Text: Elena Tzvetanova
Bilder: Porträt Julian Schmidli (zVg.); Porträt Tristan Brenn (SRF / Oscar Alessio); Collage (Colourbox.de)

Tags: constructivejournalism srfnews

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