Behind the Scenes

Der lange Weg einer Serie auf den Bildschirm

Zuerst ist da ein leeres Blatt. Doch irgendwo und irgendwann kommt eine zündende Idee auf und das Blatt
füllt sich mit Inhalt. Und der Entstehungsprozess einer neuen Serie nimmt seinen Lauf.

Autor und Regisseur David Constantin erinnert sich noch genau, wie das Konzept zur neuen Krimiserie «Tschugger» vor einigen Jahren zustande gekommen ist.

Die erste Seite auf Papier entstand nach einer durchzechten Nacht am Sonntag in meinem Bett. Allein.

David Constantin, Autor, Regisseur und Hauptdarsteller bei «Tschugger»

Bekanntermassen folgten noch viele weiteren Seiten – aber noch bevor der Schreibprozess so richtig Fahrt aufnehmen konnte, musste die Geschichte möglichen Partnerinnen vorgestellt werden. Und so ist David Constantin unter anderen auf SRF zugegangen und hat die Serienredaktion mit seinem Pitch überzeugt.

Dadurch konnte er sich für das Projekt nicht nur finanzielle Förderung sichern, sondern erhielt auch Support bei der ganzen Entwicklungsarbeit. Ohne diesen Support wäre es in der kleinen Schweiz ziemlich schwierig, eine solche Grossproduktion überhaupt zu stemmen. Die SRG ist neben dem Bundesamt für Kultur nämlich die wichtigste Förderin des hiesigen Filmschaffens und produziert landesweit sieben bis acht Serien pro Jahr.

Internationale Zusammenarbeit

Eines dieser Projekte, bei dem die Serienredaktion von SRF aktuell stark in den Entwicklungsprozess involviert ist, ist das Spionagedrama mit dem Arbeitstitel «Davos», das kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs spielt. Mit an Bord sind neben SRF auch internationale Partner. Um diese von der Geschichte überzeugen zu können, haben die Produzenten Ivan Madeo und Stefan Eichenberger von Contrast Film zusammen mit dem Autorenteam zahlreiche Serienmärkte besucht und das Projekt vorgestellt. Aufgrund der vielschichtigen Geschichte konnte das History-Drama aus der grossen Anzahl an präsentierten Serien hervorstechen.

Ein finaler Titel für die Spionageserie ist aber noch nicht gefunden.

Adrian Ilien sitzt auf der Bühne des SRF Writer's Day und liest aus einem Drehbuch.

Im Moment beschäftigt uns der Titel am wenigsten von allem.

Adrian Illien, Drehbuchautor «Davos» (AT)

Im Fokus stehen derzeit nämlich die Besetzung der Rollen, die detaillierte Ausarbeitung des Drehbuchs und die Suche nach passenden Schauplätzen.

Besondere Schauplätze können manchmal auch am Anfang der Ideenfindung für ein Serienprojekt stehen. Simone Schmid, die Headwriterin einer neuen Detektivserie, bei der ebenfalls noch am Titel gefeilt wird.

In Höngg gibt es eine Detektivschule, an der ich früher fast jeden Tag vorbeigefahren bin.

Simone Schmid, Headwriterin einer neuen Detektivserie

Headwriterin Simone Schmid diskutiert am «SRF Writer's Day» mit anderen Drehbuchautor:innen auf der Bühne
Headwriterin Simone Schmid diskutiert am «SRF Writer's Day» mit anderen Drehbuchautor:innen auf der Bühne

In Höngg gibt es eine Detektivschule, an der ich früher fast jeden Tag vorbeigefahren bin.

Simone Schmid, Headwriterin einer neuen Detektivserie

Aus der Neugierde, was sich in einer solchen Schule zutragen könnte, ist dann die Idee für den zentralen Handlungsort der Serie aufgekommen – die nun aber nicht in Höngg, sondern in Basel spielt.

Tüfteln im «Writers Room»

Simone Schmid verfasste gemeinsam mit Co-Autor und Lebenspartner Francesco Rizzi auf Basis dieser Idee ein Konzept. Dieses konnte sich im Rahmen einer Ausschreibung von SRF gegen zahlreiche andere Stoffe durchsetzen. Entwickelt wurde das Drehbuch für die Serie dann in einem sogenannten Writers Room. Ein Modell, das bei SRF für sämtliche neue Serienproduktionen wie zum Beispiel auch «Neumatt» oder «Tschugger» angewandt wird. Der Begriff Writers Room steht für die kollektive Zusammenarbeit mehrerer Drehbuchautorinnen und -autoren in einem längeren Prozess. Für eine Serie werden Figuren, Handlungsstränge und Storylines für einzelne Episoden sowie eine ganze «Serienwelt» ausgearbeitet und schlussendlich die Drehbücher mit den Dialogen für alle Episoden geschrieben.

Noch während der Drehbuchphase wird auch das Casting, das heisst der Auswahlprozess der Darstellenden, in die Wege geleitet. Das laufe meistens so ab, dass zunächst gemeinsam mit Regie und Produktion die Vorschläge für die zu besetzenden Rollen besprochen werden, erklärt Corinna Glaus, die für das Casting von «Neumatt» verantwortlich war. Verschiedene Darstellerinnen und Darsteller senden dem Castingbüro dann Videos ein, in denen sie bestimmte Szenen nachspielen. Die Favoritinnen und Favoriten werden schliesslich für einen Recall vor Ort eingeladen. Erst danach geht es ans Casting der Nebenrollen. Diese werden immer in Bezug auf die Hauptrollen ausgewählt, damit alle Darstellenden zueinanderpassen.

Die Szene wird real

Zusätzlich zu den Darstellenden wird das Team für die Dreharbeiten auch mit Personal hinter der Kamera erweitert. So sind neben den Produzenten, Aufnahmeleiterinnen, Kameraleuten, Tontechnikerinnen und Beleuchtern beispielsweise auch Szenenbildner, Requisiteurinnen, Kostümbildner oder Maskenbildnerinnen im Einsatz.

Sie sorgen dafür, dass die Locations und die Darstellenden optisch so daherkommen, wie es mit den Headwritern und der Regie im Vorfeld besprochen wurde. «Es war so ein krasser Moment. All die Jahre, die du auf das Projekt hinarbeitest, und plötzlich stehst du da, und um dich herum werden all die Ideen und Geschichten auf einmal real», lässt David Constantin die Situation Revue passieren, als er sich das erste Mal auf dem fertig ausgestatteten Set von «Tschugger» befand.

Man sagt, dass ein Film drei Mal entsteht: das erste Mal im Schreibprozess, dann beim Dreh und ein drittes Mal in der Postproduktion. Dies gilt in noch höherem Ausmass auch für Serien. In einem anspruchsvollen, kreativen Prozess fügen die Editorinnen und Editoren das aufgenommene Bild- und Tonmaterial im Schnitt zusammen. Aus zahlreichen Einstellungen werden die passendsten ausgewählt und die Szenen werden dramaturgisch so komponiert, dass die Geschichte die grösstmögliche Wirkung erzielen kann.

Feinschliff im Studio

Nachdem die Folgen geschnitten sind, gehen diese ins Color Grading. Dafür haben sich die Kameraleute und die Regie schon im Vorfeld überlegt, wie das Bild später in der Serie aussehen sollen. Mithilfe von Farbtönen wird dann versucht, das Gefühl einer jeweiligen Szene widerzugeben. Im selben Schritt wird auch der Tonspur der letzte Schliff verliehen. Nicht alle am Set gemachten Tonaufnahmen schaffen es in die fertige Serie. Meistens sind nur Dialoge und Hintergrundgeräusche aus der Originalaufnahme zu hören.

Wenn die Serien noch für andere Sprachregionen aufbereitet werden, müssen die Dialoge alle nochmals nachgesprochen werden. Auch Geräusche werden eigens für die entsprechenden Szenen kreiert. Zusätzliche Dynamik bringt zudem die Musik, die meistens speziell für die Serie komponiert wird. Ein Sounddesigner oder eine Sounddesignerin stimmt alle Tonebenen schliesslich aufeinander ab.

Teamwork makes the dream work

Der gesamte Entstehungsprozess wird von der Serienredaktion von SRF eng begleitet. Immer öfter wird dabei das Publikum auch einbezogen, zum Beispiel bei Testscreenings vor der Fertigstellung. Vor allem aber ist das Schaffen von Serien eine Teamarbeit. In enger Zusammenarbeit arbeitet eine Vielzahl von Profis über Jahre darauf hin, die Vision der Autorinnen und Autoren zu realisieren.


Text: Dennis Frick
Titelbild: SRF/Dominic Steinmann
Bilder: SRF/Sava Hlavacek, SRF/Dominic Steinmann, SRF/Oscar Alessio

Bild Autor*in AutorIn Dennis Frick
Dennis (27) hat seit diesem Sommer seinen Bachelor in Kommunikation in der Tasche und bringt seine Skills nun bei uns im Praktikum zur Anwendung. Während seinem Studium an der ZHAW hat er in der Sport-Berichterstattung bereits erste Erfahrungen im Journalismus gesammelt.
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Dennis Frick
Tags: behindthescenes making of pactedelaudiovisuel serien

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