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«Das Bedürfnis nach gutem Journalismus wieder neu wecken»

Am Montag, 27. März 2017, fand im Zürcher Mascotte die Podiumsdiskussion «publi.kum+» zum Thema «Schweizer Medien: Kooperation vs. Konkurrenz» statt. Auch wir waren vor Ort und nahmen dir einige Impressionen mit.

Auf dem Podium, welches vom Fachverein Publizistik durchgeführt wurde, debattierten Alexander Duphorn (CEO Goldbach Media Switzerland AG), Prof. Dr. Mark Eisenegger (Präsident fög), Pietro Supino (Präsident VSM, Verwaltungsratspräsident Tamedia) und Roger de Weck (Generaldirektor SRG) über die Schweizer Medienlandschaft. Moderiert wurde die Diskussion von Christof Moser (Project R).

Kooperation vs. Konkurrenz

Facebook, Google, Amazon & Co. – wo bleiben da die Schweizer Medienhäuser? Wie gehen sie mit diesem Kampf zwischen Gross und «Klein» um? Sollen sie mehr zusammenarbeiten oder ist gar mehr Konkurrenz gefragt? Wir haben dir die prägnantesten Aussagen der vier Gäste zusammengefasst:

Roger de Weck

«Eine Herausforderung für Schweizer Medien sehe ich in der Gratismentalität. Wollen wir diese Probleme lösen, braucht es Kooperationen wie beispielsweise Admeira*

Pietro Supino

«Der Konflikt beginnt dort, wo die SRG auf Kommerzialisierung setzt, was nicht ihre Aufgabe ist.»

Alexander Duphorn

«Der Transfer der Werbegelder zu Google und Facebook aber auch zum Fernsehen ist grundsätzlich positiv zu werten, da dieser zu mehr Medienvielfalt führt.»

Prof. Dr. Mark Eisenegger

«Die These, die SRG würde die Privaten im Internet wegdrängen, ist empirisch nicht haltbar. Wir sollten uns von dieser Debatte lösen und uns der zentralen Herausforderung, dass dem Informationsjournalismus die Finanzierungsbasis wegbricht, widmen.»

Coopetition

Das Wort des Abends war für uns eindeutig Roger de Wecks Antwort auf die Frage «Kooperation oder Konkurrenz?» – nämlich beides. Das Wortspiel zwischen Cooperation und Competition verdeutlicht, dass es in der Schweizer Medienlandschaft beides braucht. Auch Supino ist nicht per se gegen eine starke SRG.

Gefährliche Gratismentalität

Eisenegger ist zudem der Meinung, man müsse von der Debatte um eine «böse» SRG wegkommen und sich einem viel wichtigeren Problem widmen. Nämlich: Das «Bedürfnis der Bürger nach gutem Journalismus wieder neu wecken.» Die Nutzer sind immer weniger bereit, für Informationen zu zahlen. Auch de Weck sieht in dieser Gratismentalität eine Herausforderung. «Wenn etwas gratis ist, bist du das Produkt», hören PuK-Studenten ihren ehemaligen Dozenten sagen. Apropos Gratismedium: Supino hat mit seiner Aussage, «20 Minuten» sei kein Boulevardmedium, für ein paar Lacher gesorgt.

Das Publikum bei «publi.kum+»

Heiter war die Stimmung im Publikum aber eigentlich den ganzen Abend lang. Gespannt haben die Publizistikstudenten, Assistenten und sonstige Interessierte die Podiumsdiskussion verfolgt und aktiv auf Twitter mitdiskutiert. Unter den Hashtags #publi17 und #pukevent wurden viele Fragen und Anregungen getweetet, welche auch während der Diskussion an die Gäste weitergeleitet wurden. Das nennen wir Interaktion (passend zu unserem aktuellen Themenmonat, nice)!

Abgerundet wurde der Event durch eine offene Fragerunde. Wer danach noch fit war, konnte bei einem Bier und Snacks weiterdiskutieren und sogar bis früh in den Morgen im Mascotte weiterfeiern. Wir waren natürlich brav und haben um 11 Uhr das Feld geräumt – hach der Bürojob. Manchmal vermissen wir sie schon, die Studizeit.


*Admeira ist die grösste Vermarktungsfirma der Schweiz und verfügt über ein multimediales Portfolio mit Werbemöglichkeiten in rund 80 starken Medienmarken. Entstanden ist das Unternehmen im Jahr 2016 aus einer unternehmerischen Initiative von Ringier, SRG Swisscom.


Text: persoenlich.com/Tim Frei/Nina Meroni
Bild: Nina Meroni

Tags: austausch interaktion medien servicepublic

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