Service public

«Nachgefragt»: SRG – wer bist du?

Die meisten Menschen kennen SRF, aber die wenigsten kennen die SRG. Wer ist sie, warum braucht es sie und womit hat sie zu kämpfen? Selina Berner hat sich mit dem Präsidenten der SRG Deutschschweiz getroffen und für uns nachgefragt.

Stellt euch folgendes Szenario vor: Ab morgen gäbe es keine Tagesschau mehr, keine Übertragungen von Schweizer Sportanlässen, keinen Schawinski, der fragt «Wer sind Sie?», keine DOK-Filme und viele andere Schweizer Produktionen auch nicht. Was würde wohl passieren? «Wir würden unser Gesicht verlieren», sagt Viktor Baumeler, Präsident der SRG Deutschschweiz (SRG. D). «Wir wären viel weniger wahrnehmbar von aussen. Die Schweiz ist umgeben von grossen Ländern und dass wir uns behaupten können, ist dem SRG-Angebot zu verdanken.» Doch das sei bei Weitem nicht alles. Auch gegen innen nehme die SRG eine wichtige Funktion in unserem Land wahr, erklärt Baumeler weiter: «Weil wir vier unterschiedliche Sprachregionen und Kulturen haben, ist die SRG ein wichtiger Garant für den nationalen Zusammenhalt. Niemand sonst würde diese Aufgabe im Medienbereich übernehmen.»

Was ist die SRG?

Baumeler gesteht: «Ich habe unser Land einfach gern und finde, dass die SRG einen ganz wichtigen Beitrag für die Stärkung der Schweiz leistet. Deshalb bin ich seit 1991 in dem Verein SRG SSR.» Dem Verein ist das Unternehmen unterstellt, zu dem die verschiedenen Fernseh- und Radiosender (SRF, RTS, RSI und RTR) gehören. Oberste Mission ist gemäss Vereinsstrategie, die SRG in der Gesellschaft zu verankern und den Service public zu garantieren. Ausserdem wird die Unabhängigkeit des Angebots gegenüber Staat, Wirtschaft, Politik sowie Gesellschaft sichergestellt. Jeder erwachsene Mensch, der in der Schweiz wohnt, kann Mitglied des Vereins werden. «Wenn ich Mitglied bin, unterstütze ich in erster Linie die Idee der SRG und zeige: Mir liegt etwas am audiovisuellen Service public», erläutert Baumeler. Ausserdem habe man als Mitglied die Möglichkeit, einen gewissen Einfluss auf Sender und Programme der SRG zu nehmen.

Trend zur Entsolidarisierung

Seit 2008 ist Baumeler Präsident der SRG. D und gerade das laufende Amtsjahr wird prägend sein. Im Juni kommt die Abstimmung über das Radio- und Fernsehgesetz, bei der es um eine neue, zeitgemässe Gebührenordnung geht. Die SRG begrüsst diese Änderung. Bedrohlich ist hingegen die «No Billag»-Initiative, die die SRG fundamental in Frage stellt. «Ich scheue diese Diskussion nicht», sagt der 67-Jährige und fügt hinzu: «Aber ich bin nicht einverstanden, wenn Leute sagen: Ich zahle nur das, was ich auch nutze und will nicht solidarisch mit den anderen sein. Die Qualitäten unseres Landes basieren ja auf dieser Grundsolidarität.» Ohne Gebühren ginge es nicht. So viele Angebote zu Verfügung zu haben und das noch mehrsprachig, das kostet Geld. Doch der gesellschaftliche Trend geht für den SRG-Präsidenten in Richtung Entsolidarisierung: «Man geht nicht mehr in Vereine wie früher. Deshalb ist es unsere Aufgabe den Leuten klar zu machen, wie wichtig die SRG ist. Wir gehen immer auch auf die anderen Kulturen ein, erklären einander gegenseitig die Schweiz. Das schaffen Facebook, Google und Co. nicht.» Früher habe man das in der SRG «Leuchtturmfunktion» genannt, wobei Baumeler diesen Begriff heute nicht mehr treffend findet. «Doch im Grundsatz geht es noch um das Gleiche: Orientierung schaffen, Meinungen einholen. Das ist die Aufgabe aller Medien, ganz besonders aber die der SRG.»


Text: Selina Berner
Titelbild: Matthew Hutchinson via flickr.com
Porträt Viktor Baumeler: Selina Berner

Bild Autor*in Autorin Selina Berner
Selina Berner (24) hat Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW studiert und arbeitet nun als Radio- sowie Zeitungs-Redaktorin. Für SRG Insider geht sie regelmässig Themen nach, welche die jüngere Generation beschäftigen.
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Selina Berner
Tags: nachgefragt srg traegerschaft verein

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