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«Jedes Hilfsprojekt wird von unabhängigen Experten geprüft»

Was geschieht mit den Spendengeldern der Glückskette? Wie wird deren Nachhaltigkeit sichergestellt? Ein kurzes Gespräch mit Priska Spörri, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit und Partnerbeziehungen der Glückskette.

SRG Insider: Was sind die Voraussetzungen, dass die Glückskette für eine Katastrophe ein Konto eröffnet oder sogar einen nationalen Sammeltag durchführt?

Priska Spörri: Wenn an irgendeinem Ort auf der Welt eine Katastrophe stattfindet, muss das betroffene Land überhaupt um internationale Hilfe anfragen, die Regierung also damit einverstanden sein, dass unsere Partnerhilfswerke dort arbeiten können. Dann müssen wir von unseren Partnerhilfswerken wissen, ob sie vor Ort aktiv werden können. Wir sammeln nicht, wenn wir das Geld gar nicht einsetzen können.

Wie hilft die Glückkette eigentlich genau?

Wenn wir uns entscheiden, ein Spendenkonto zu eröffnen oder einen Nationalen Sammeltag zu machen, planen wir mit unseren Partnern zusammen die Unterstützung ihrer Hilfsarbeiten. Die erste Aufgabe ist immer Nothilfe: Wasser-, Lebensmittelverteilung und medizinische Versorgung. Nothilfe wird meistens rückfinanziert, nachdem uns die Hilfsprojekte danach zur Prüfung vorgelegt wurden. Das heisst, das Geld, das wir sammeln, ist bereits vor Ort, wenn unsere Partner aktiv werden. In der nächsten Phase geht es um den Wiederaufbau. Dafür schlagen unsere Partner konkrete Hilfsprojekte vor, die wir unter anderem von unabhängigen Experten prüfen lassen und dann Geld dafür sprechen. Zu diesen Experten gehören unter anderem eine Architektin, ein Arzt oder eine Ökonomin, die je nach Projekt hinzugezogen werden.

Wie stellt ihr sicher, dass eure Hilfe auch ankommt?

Auch während die Hilfe läuft, sind uns unsere Partner immer wieder Rechenschaft darüber schuldig, dass das Geld wie vereinbart eingesetzt wird. Jede Auszahlung wird an einen Projektfortschritt gebunden. Bei längeren Projekten wie zum Beispiel dem Wiederaufbau in Haiti, reisen unabhängige Expertenteams wiederholt ins Katastrophengebiet, um die Arbeiten zu begutachten. Dies trägt auch dazu bei, dass wir aus allfälligen Fehlern lernen und es beim nächsten Mal besser machen können. Auch zehn Jahre später wird – wie zum Beispiel bei der Tsunami-Hilfe – noch eine Evaluation der mitfinanzierten Hilfsprojekte vorgenommen. Nur so können wir die Nachhaltigkeit unserer Hilfe sicherstellen.

Wegen der sehr mächtigen Partnerschaft zwischen der SRG und der Glückskette wird ihr oft vorgeworfen, anderen karitativen Organisationen Spenden «wegzunehmen». Ist diese Kritik deiner Meinung nach berechtigt?

Ich kann verstehen, dass es für kleine Hilfswerke, die nicht Partner der Glückskette sind, schwierig ist, ihre Spender zu erreichen. Aber ich glaube nicht, dass es für sie durch die Glückskette zusätzlich schwieriger wird. Ich bin der Meinung, dass die Glückskette, die vor allem für die humanitäre Hilfe sammelt, den Spendenkuchen nicht verkleinert, sondern ihn vergrössert. Auch dann, wenn wir zum Beispiel mit «Jeder Rappen zählt» vermehrt junge Leute für die Themen «Solidarität» und «vergessene Katastrophen» sensibilisieren. Insgesamt wird in der Schweiz sehr viel gespendet. Das ist etwas, was man über die Schweizerinnen und Schweizer gar nicht so weiss: sie sind sehr grosszügig, was Spenden anbelangt. Dass man solidarisch ist mit Leuten, denen es schlechter geht als einem selbst, ist in der Schweizer Kultur tief verwurzelt.

Was muss man beachten, wenn man selber spenden möchte?

Es ist wichtig, einer Organisation zu spenden, deren Themenbereich (z.B. Kinder, Umwelt, Tiere) einem sympathisch ist und von der man einen seriösen Eindruck hat, und zwar am besten immer derselben. Wer jedes Jahr woanders spendet, erhöht die Fundraising-Kosten der Hilfswerke.

Wie kann man über die Aktionen der Glückskette auf dem Laufenden bleiben?

Auf unserer Website sind alle Informationen zu laufenden und vergangenen Projekten und Sammlungen zu finden. Dort kann man sich auch unseren Newsletter abonnieren oder den Jahresbericht bestellen. Man kann uns aber auch auf Facebook oder Twitter folgen. So ist man am schnellsten informiert, was genau läuft und erfährt laufend, was mit den Spendengeldern genau geschieht.

Die Glückskette ist eng mit der SRG verbunden – sie war sogar lange Teil davon. Wie kommt es, dass ein Medienunternehmen eine humanitäre Stiftung unterstützt? SRG Insider geht den Wurzeln der Stiftung auf den Grund.

Zur Person: Priska Spörri ist Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit und Partnerbeziehungen der Glückskette: «Für mich kommt hier beruflich alles zusammen: Ich hatte als ehemalige SRF- Journalistin unter anderem bei der Tagesschau schon mit der SRG zu tun, war bereits im humanitären Umfeld für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) tätig und habe auch schon in der Unternehmenskommunikation gearbeitet. Somit ist meine Stelle bei der Glückskette eine Art Traumjob für mich».

Interview: Viviane Aubert
Bilder: Priska Spörri (zVg.)

Tags: glueckskette krisenundkatastrophen

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