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«Medientalk»: Die Krise der Jugendmedien

Online-Newsformate für Junge haben gerade bizzli einen schweren Stand: «Bento», das junge Magazin vom «SPIEGEL» wird beispielsweise eingestellt, «Ze.tt» wird wieder in «Zeit.de» integriert und «Buzzfeed Deutschland» steht zum Verkauf. Und alle sagen dasselbe: Schuld sei die Pandemie und der eingebrochene Werbemarkt. Doch ist das wirklich die ganze Wahrheit? Unsere Gspändli vom «Medientalk» haben bei Expertinnen und Experten nachgefragt.

Eine Jugendliche konsumiert News auf ihrem Handy

Wie und wo spricht man die Jungen eigentlich erfolgreich an? Was sind ihre Bedürfnisse beim Newskonsum? Und welches Angebot mit welchen Inhalten kommt am besten an? Der Newskonsum von jungen Erwachsenen ist auch heute noch für viele Medienunternehmen eine echte Herausforderung.

Jugendliche und die «Millennial-Medien»

Viele Jugendmedien stecken momentan in einer Krise. Grosse Verlage haben Mühe damit, junge Userinnen und User gewinnbringend an sich zu binden. Und auch wenn die Corona-Krise und die damit verbundenen Einbussen bei den Werbeeinnahmen beim «Scheitern» vieler Online-Newsformate für Junge sicherlich eine Rolle spielen, stellt sich die Frage: Ist das der einzige Grund dafür?

Auf der einen Seite ist die Frage, welche Themen greift man auf, aber auch, auf welchen Kanälen.

Prof. Dr. Daniel Süss, Leitung Psychologisches Institut ZHAW

Was wollen die jungen Menschen denn ganz genau und wie konsumieren sie News? Genau diese Fragen sollen in der «JAMES-Studie» beantwortet werden, die alle zwei Jahre von der ZHAW in der Schweiz publiziert wird.

«Medientalk»-Moderator Salvador Atasoy hat mit Expertinnen und Experten der ZHAW gesprochen und wir haben dir mal einige Insights aus der Sendung zusammengefasst:


Wofür interessieren sich Jugendliche?

Junge Menschen haben – ganz anders als vielfach behauptet wird – ein sehr starkes Interesse an dem, was aktuell in der Welt passiert. Gerade die jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der «JAMES-Studie» finden es laut Nadine Klopfenstein, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ZHAW, wichtig, dass sie sich mit anderen darüber austauschen können, was bei ihnen in der Region gerade abgeht. Und damit ist nicht nur der Pausenhof-Klatsch gemeint.

Doch eines ist klar: Jugendliche sind keine homogene Masse, sondern viel mehr eine heterogene. Mit unterschiedlichen Interessen und schnell wandelnden Faszinationen. Das wirkt sich logischerweise auch auf ihren Medienkonsum aus.

Was ist wichtig für die Jugendlichen?

Die Forscherinnen und Forscher der «JAMES-Studie» haben zudem herausgefunden, dass sich die Jugendlichen einerseits für alles in ihrer unmittelbaren Nähe interessieren, aber auch für das, was irgendwie an ihre persönliche Lebenswelt anknüpft. Aleksandra Gnach, Professorin für Medienlinguistik mit Schwerpunkt Social Media an der ZHAW ist der Meinung, dass es heute durchaus Angebote gibt, die sich nach den Interessen der Jugendlichen richten. Oftmals werde aber der Punkt verpasst, wo den jungen Menschen der Anschluss an diese Angebote und Formate gegeben wird, welcher ihnen zeigt, warum diese Informationen für sie relevant sind.

Nadine Klopfenstein sagt zudem, dass Jugendliche sozusagen eine «Leitung» brauchen mit derer Hilfe sie Medien konsumieren und durch die sie merken, welche News an ihre Lebenswelt anschliessen und somit für sie sowohl wichtig als auch interessant sind.

Welche Ansprüche haben die Jugendlichen?

Laut Wibke Weber, Professorin für Medienlinguistik an der ZHAW, ist es eben auch so, dass halt alle Generationen ein anderes Interesse im Bereich News mitbringen. Was bedeutet, dass das, was die Älteren anspricht eben nicht das sein muss, was die Jüngeren mögen und umgekehrt. Diese unterschiedlichen Interessen dürfen aber nicht als Desinteresse der anderen Generation gewertet werden.

Die meisten jungen Menschen konsumieren zuerst die Medien, die sie von Zuhause aus kennen. Jedoch entsprechen die nicht immer ihren individuellen Ansprüchen. Welche Medienangebote sich die Jugendlichen dann schlussendlich selbständig aussuchen, hängt von ganz vielen auch äusseren Faktoren ab: beispielsweise davon, wo sich ihre Freundinnen und Freunde aufhalten oder auch ob sie pendeln und daher Pendlerzeitungen lesen.

Instagram oder SRF News App?

Heute gibt es gefühlt unendlich viele Angebote, über die wir News konsumieren können. Von der haptischen Zeitung, über die Flimmerkiste, bis hin zu Instagram und diversen Apps von Medienhäusern.

Es sei aber unheimlich schwer zu sagen, über welche Plattform Jugendliche generell News konsumieren, meint Nadine Klopfenstein. Dies sei sehr individuell und es gebe praktisch alles. Es lässt sich aber sagen, dass viele der Jugendlichen gerne und häufig auf die Apps der grossen Medienhäuser zurückgreifen.


Du willst noch mehr erfahren? Dann hör dir jetzt den ganzen «Medientalk» an:


Text: SRG Insider (Quelle: «Medientalk» vom 25. Juli 2020)
Bild: Colourbox.de

Tags: fuerjunge jugendmedien medien medientalk programmtipp

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