Öpis mit Medie

«Es freut mich, dass viele junge Produktionsfirmen mitgemacht haben»

Die Verantwortlichen für den Web-Only-Contest rechneten mit 40 bis 50 Eingaben, als sie Mitte Juni auf Initiative von Roger de Weck die Suche nach den besten Ideen für Web-Serien lancierten. Doch dann die Überraschung: Weniger als einen Monat später lagen bei der SRG-Generaldirektion in Bern 185 Projekte zur Beurteilung bereit. Sechs davon haben die Jury überzeugt. Sie werden bald den Weg auf die Internetseiten von SRF, RTS, RSI und RTR finden. Projektleiterin und Jury-Mitglied Jessica Morley (Bild) erklärt, wodurch sich Web-Serien von gängigen TV-Formaten unterscheiden. Und sie verrät, warum auch gute Geschichten vor der Jury letztlich scheitern können.

Die Resonanz auf den Web-Only-Contest war überaus gross. Worauf führst du das zurück?
Jessica Morley: Die Resonanz war gross, weil sich die SRG damit in einem Bereich engagiert, in dem in den letzten Jahren zwar sehr viel Kreativität und Experimentierfreude entstanden ist, bisher aber noch nicht viel Förderung betrieben wurde. Insgesamt wurden 185 Projekte eingereicht und zwar aus allen Sprachregionen: 28 aus der Svizzera italiana, 49 aus der Suisse romande, 6 aus der Svizra rumantscha und 102 aus der Deutschschweiz. Was uns besonders freut ist, dass sich zahlreiche junge Produktionsfirmen aus der audiovisuellen Branche am Wettbewerb beteiligten. Aber auch etablierte Firmen sowie SRG-Mitarbeitende und Laien reichten Dossiers ein. Dies zeigt: Ein Teil der audiovisuellen Branche in der Schweiz befindet sich in einer regelrechten Aufbruchsstimmung in Richtung Web.

Welche Qualität hatten die eingereichten Beiträge?
Die Qualität der Eingaben war sehr unterschiedlich. Man muss aber auch bedenken, dass der Wettbewerb nur gerade einen Monat dauerte. Es gab einige Dossiers, die von der Idee über das Gesamtkonzept bis hin zur Umsetzung sehr durchdacht waren. Bei anderen überzeugte zwar die Grundidee, doch waren beispielsweise die Dialoge hölzern. Oder es wurde nicht daran gedacht, wie die Geschichte als Serie funktionieren soll.

Wie ist die Jury bei der Auswahl vorgegangen?
Die Jury hat sich alle Dossiers zuerst einmal angesehen. Die Autoren der 25 überzeugendsten Dossiers wurden dann eingeladen, ihr Projekt vor der Jury zu präsentieren. Für die Jury war ausschlaggebend: Wie originell ist das Thema? Eignet es sich für das Web und als Serie? Und wie gut lässt sich damit ein junges Publikum erreichen? Im Web ist die Länge respektive die Kürze einer Episode enorm wichtig. Am Fernseher bleiben die Zuschauer problemlos dabei, wenn die Episode einer guten Serie 45 Minuten dauert. Im Web müssen die Episoden kürzer sein. Zudem muss man Rhythmus und Dramaturgie so takten, dass der Zuschauer sofort gepackt wird.

Welche weiteren Erkenntnisse hat die SRG aus dem ersten nationalen Web-Only-Contest gewonnen?
Dank des Web-Only-Contests wissen wir jetzt, dass das Interesse und die Freude an dieser speziellen Art von audiovisuellen Inhalten gross ist – sowohl innerhalb als auch ausserhalb der SRG. Da es sich bei Web-Serien in der Schweiz aber um einen relativ jungen Produktionsbereich handelt, fehlt naturgemäss die Erfahrung, und es herrscht noch viel Unsicherheit. Wir stellten allerdings fest, dass die Suisse romande den anderen Regionen in punkto Know-how und Vertrautheit mit dem neuen Format um eine Nasenläge voraus ist. Vor allem aber kamen wir mit vielen jungen, noch unbekannten Autoren und Produktionsfirmen in Kontakt. Die Zusammenarbeit mit der audiovisuellen Branche ist für die SRG ausgesprochen wichtig. Und wir freuen uns, dass unsere Partner von morgen bereits heute so viel Engagement und Kreativität an den Tag legen.

Wie geht es jetzt weiter?
Die Siegerprojekte werden in den kommenden Wochen und Monaten umgesetzt. Dabei begleiten die Unternehmenseinheiten die jeweiligen Produktionsfirmen, Autorinnen und Autoren fachlich und redaktionell. Die SRG finanziert das Vorhaben mit bis zu 100 000 Franken pro Serie. Jede Serie besteht aus rund zehn Episoden – die einzelnen Episoden sind drei bis zehn Minuten lang. Bereits im Herbst dieses Jahres will die SRG ihrem Internetpublikum die ersten Serien zeigen; die anderen folgen Anfang 2014.

Interview: Cornelia Brüesch, Unternehmenskommunikation SRG
Bild: SRG SSR/Klaus Ehret


Die Siegerprojekte im Überblick:

Break-ups. Eine komödiantische Serie über die Trennung von Ehe- und Liebespaaren. Autoren/Regie: Ted Tremper und Marina Rollman (Jump Cut Production). Genre: Fiktion. Ausstrahlung: Webplattformen von RTS und SRF (die Serie wird für beide Unternehmenseinheiten adaptiert).

Brouillon de culture. Eine Parodie von bekannten kulturellen Werken. Autoren/Regie: Malika Pellicioli, Marina Rollman und Arthur Touchais (Close Up Films). Genre: Fiktion. Ausstrahlung: Webplattform von RTS.

Fakebook. Fünf wahre und fünf falsche Facebook-Profile: für Spannung ist gesorgt. Autoren/Regie: Chris Guidotti, Alessandro Maccagni (RSI-intern). Genre: Doku-Fiction. Ausstrahlung: Webplattform von RSI.

Güsel. Die Müll-Detektive. Eine humoristische Sitcom-Serie über drei Mülldetektive in einem Ostschweizer Werkhof. Autoren/Regie: Gabriel Vetter, Roger Staub und Jan Sulzer (extern). Genre: Fiktion. Ausstrahlung: Webplattform von SRF.

Nez Rouge, Nuit Noire. Was passiert alles auf Nez-Rouge-Fahrten? Eine von viel schwarzem Humor geprägte Serie. Autoren/Regie: Marco Pagani, Fabio Pellegrinelli und Andrea Fazioli (RSI-intern). Genre: Fiktion. Ausstrahlung: Webplattform von RSI.

Telefon-invista. Welche Geschichten lassen sich aus dem Fundus unserer Smartphones erzählen? Autoren/Regie: Carin Camathias und Ilona Stämpfli (Ludix Film). Genre: Dokumentation. Ausstrahlung: Webplattform von RTR.

Zum Web-only-Contest

Tags: online serien srg webcontest webonly

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