Meinungen

«Mein Senf»: Wenn die Work-Situation einer LAN-Party gleicht

Homeoffice – voll easy, hat sich unsere Redaktionsleiterin Vera gedacht. Hat sich einen neuen Bildschirm zugelegt. Ihre alte Tastatur und Maus aus Studienzeiten hervorgekramt. Und yay, fertig eingerichtet war ihr improvisierter Arbeitsplatz, irgendwo zwischen Küche und Wohnzimmer. Aber jetzt, nach knapp drei Wochen, findet es Vera irgendwie gar nicht mal mehr so cool von daheim aus zu arbeiten.

Vera hat sich ihren Arbeitsplatz zuhause am Esstisch eingerichtet

Lockdown, aber kein «cool down»!

Völlig abgeschottet von der Aussenwelt – oder besser gesagt von meinen lieben Arbeitsgspändli – sitze ich nun die Tage auf dem etwas unbequemen Esszimmerstuhl ab. Naja, von Absitzen kann nicht wirklich die Rede sein, denn bei uns im Team gibt’s trotz Lockdown, oder gerade wegen der Quarantäne-Situation, ziemlich was zu tun. Neue SRF-Formate und Angebote spriessen im Moment wie Pilze aus dem Boden (eine Corona-Analogie wäre an dieser Stelle wohl bizzli daneben, oder?) und die gilt es natürlich alle mal auszuchecken. So können wir dich nämlich auch während der Isolation mit ganz vielen tollen Programmtipps versorgen. Ganz ehrlich: Ich finde es mega faszinierend, wie schnell sich SRF auf diesen etwas anderen Sendebetrieb eingestellt hat. Aber besonders spannend finde ich, dass ich beispielsweise auf Social Media auf einmal in die Stuben meiner Arbeitsgspändli bei SRF schauen kann – da schlägt mein Spionageherz heimlich höher.

Byebye Privacy!

Auf Instagram zum Beispiel, erblicke ich plötzlich ein pragmatisch eingerichtetes Aufnahmestudio, wo eine Radio-Redaktorin bei sich zuhause gegen eine an der Wand angelehnte Matratze spricht. Ich sehe, welche Bücher ein namhafter TV-Moderator in seinem Zuhause im Regal stehen hat. Oder ich entdecke bei einer Journalistin im Hintergrund die angebrauchte Pastapackung und kann gleich erahnen, was es bei ihr zum Zmittag gab. Ja, das mit dem Mittagessen ist auch so eine Sache. Auch wenn ich nicht ungern koche (aber noch lieber esse ich halt), muss ich mir meinen Lunch plötzlich jeden Tag selbst zubereiten. Und trotzdem sieht der Food, den Pablo jeweils in seiner Home-Küche zaubert, irgendwie geiler aus. Aber Peanuts, dafür stehe ich wahrscheinlich weniger lange am Herd. Apropos Peanuts: Erdnussflips gehören gerade zu meinen Cravings. Da steht immer ein Schäleli griffbereit nebenan. So muss ich nicht immer aufstehen und die fünf Schritte für andere Snacks zum Kühlschrank laufen. Äh ja...

Communication, stay with me!

Es ist jetzt viel Improvisation angesagt. Auch ich habe diese Woche bizzli improvisiert und meinen Traubensaft in ein Weinglas gefüllt, weil gerade alle Wassergläser in der Geschirrspülmaschine waren. Den Traubensaft habe ich mir dann während der Arbeit genüsslich hinter die Binde gekippt. Während einem Videocall. Mit eingeschalteter Kamera. «Was, du trinkst um diese Zeit Alkohol?», wurde das Gespräch ganz entsetzt unterbrochen. Und es war imfall würkli Traubensaft. Alkoholfrei. Der Tetrapack als Beweismittel hat es leider nicht mit ins Framing geschafft. So eine Kommunikation auf Distanz kann also ziemlich schnell zu Missverständnissen führen. Und auch die internen Skype-Messages sind bei mir kommunikationstechnisch nicht gerade auf Höchstniveau. (Die Emojis im Messenger finde ich sowieso mega creepy.) Bei diesen Skype-Unterhaltungen mit meinen Teamgspändli fühle ich mich glatt in die Teenagerjahre zurückversetzt. MSN, kennsch na?

It’s me, Sofakartoffel!

Meine Work-Situation gleicht einer LAN-Party. Auf dem Esstisch tummeln sich Laptops, Kopfhörer, Notizzettel, diverse Festplatten, jenste Kabel und weiteres Computerzubehör. Und mittendrin: Mein derzeitiger Co-Worker und ich. Trotz dieser Gesellschaft vermisse ich im Homeoffice den Austausch mit meinen Teamgspändli am Mittagstisch. Beispielsweise über Serien und Co. Meine Chefin hat mir zwar auch schon einen Podcast-Tipp per Skype geschickt, aber es ist halt nicht dasselbe. Auch am Abend fällt es mir nicht ganz so leicht, Abstand zu meinem Homeoffice-Platz zu bekommen, wenn dieser doch den gesamten Esstisch einnimmt. Um den ganzen Kram jedes Mal wegzuräumen, bin ich ein bizzli ... ääääh ... nennen wir es beim Namen: zu faul. So wird halt auf dem Sofa vor dem TV diniert. Ja, ich gebs zu: ich bin zur Couchpotato geworden.


Hier drei ziemlich sentimentale Couchpotato-Tipps von mir für dich:

«Nr. 47»

Diese fiktive Webserie von SRF Virus habe ich zwar schon lange vor dem Lockdown gebingt, aber ich würde es jederzeit wieder tun! Es geht dabei um vier Freunde, die alle im selben Wohnblock leben. Übrigens wurde bei der ganzen Serie auf den Schweizer Nachwuchs gesetzt – von den Schauspieler/innen bis zur Musik. I like!

Keyvisual «Nr. 47»

«PodKnast»

Wie es der Name bereits andeutet, handelt es sich um einen Podcast. Und der löst bei mir ganz grosses Kopfkino aus. Denn die Protagonistinnen und Protagonisten, welche die Macherin Sabrina vors Mikrofon geholt hat, leben und arbeiten alle im Knast. Im «PodKnast» erfährst du also, wie es wirklich ist, eingesperrt zu sein – Lockdown hin oder her.

Keyvisual «PodKnast»

«Süchtig»

In diesem Doku-Format werden drei Menschen begleitet, die mit unterschiedlichen Suchtproblemen zu kämpfen haben. Vor allem die Geschichte vom drogensüchtigen Reto hat mich ziemlich aufgewühlt. In den drei Folgen kriegst du ehrliche Einblicke in das Leben von suchtkranken Menschen, bei denen die Bilder für sich sprechen.

Keyvisual «Süchtig»

In der Rubrik «Mein Senf» lassen wir in unregelmässigen Abständen jemand Junges zum aktuellen Themenschwerpunkt zu Wort kommen. Alle bisher publizierten «Senf»-Artikel findest du unter: #meinsenf


Text: Vera Gächter
Bild: Vera Gächter

Tags: homeoffice lockdown meinsenf meinungen smartwork

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