Meinungen

«Ich vermisse die multikulturelle Lebensrealität»

Jasmina Causevic sitzt als Vertreterin der ausländischen Bevölkerung im Publikumsrat der SRG Deutschschweiz. Ein Kurzgespräch zur Berichterstattung über Migrantinnen und Migranten in Schweizer Medien.

SRG Insider: 2014 hast du in einem Bericht im Mitgliedermagazin LINK gesagt, dass «die Berichterstattung über Migranten in Schweizer Medien ungenügend sei.» Hat sich an dieser Meinung seither etwas geändert?
Jasmina Causevic: Grundsätzlich halte ich an meiner Kritik weiterhin fest. Diese beruht ja nicht nur auf einem diffusen Gefühl, sondern es gibt zahlreiche wissenschaftliche Studien dazu. Es ist nach wie vor eher Ausnahme als Regel, dass Migrantinnen und Migranten in Schweizer Medien als selbstbestimmte Akteure und «normale» Mitglieder dieser Gesellschaft gezeigt werden.

Ich stelle aber auch fest, dass das Thema in der letzten Zeit an Aktualität gewonnen hat, zumindest bei SRF. Interne Diskussionen und Experimente mit neuen Sendeformaten wie «Cervalat trifft Baklava» sind erste und wichtige Schritte in diese Richtung. Das freut mich natürlich, auch wenn es noch viel zu tun gibt.

Was sind in deinen Augen gelungene Formate im In- und Ausland?
In Österreich gibt es das Online-Magazin «Das Biber» das aus einer multiethnischen Perspektive über das (junge) Leben in Österreich berichtet. Dieses wird manchmal äusserst witzig beschrieben und die Geschichten sind sehr nahe an der multikulturellen Lebens-Realität dran, die ich bei SRF oft schmerzlich vermisse.

Was mir auch immer wieder besonders auffällt, ist die Selbstverständlichkeit mit der Menschen verschiedenster Herkünfte und Hautfarben in allen möglichen Sendungen der britischen BBC auftreten. Selbst in der Werbung ist es vollkommen normal, dass Protagonisten anderer Hautfarben als Akteure vorkommen. Das zeigt mir, dass es sehr wohl möglich ist, ein entsprechendes Programm zu gestalten, obwohl es natürlich auch dort immer wieder Anlass zur Kritik gibt.

Du appellierst auch an die Trägerschaft, «sich in all ihren Bereichen intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen» ...
Ich halte es für sehr wichtig, dass Migrantinnen und Migranten auf möglichst vielen Ebenen einbezogen werden. Sei es als Redaktionsmitglieder, als Sendungsteilnehmer oder eben in den verschiedenen Gremien der SRG und der Trägerschaft. Nur so ist es zu erreichen, dass Migrantinnen und Migranten zu Akteuren werden und nicht passive Objekte der Berichterstattung bleiben.


Jasmina Causevic wohnt in Bern und studierte Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Zeitgeschichte und Menschenrechte an der Universität Freiburg. Seit 2012 sitzt sie im Publikumsrat der SRG Deutschschweiz. Jasmina ist in Kroatien geboren und kam 1990 in die Schweiz. Seit 2003 besitzt sie neben der kroatischen auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.


Interview: Laura Verbeke
Porträt Jasmina Causevic: Thomas Züger
Titelbild: Still aus «Cervelat trifft Baklava»

Tags: integration migration publikumsrat

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