Meinungen

«Mein Senf»: Unabhängige News – zu teuer oder unentbehrlich?

In der Rubrik «Mein Senf» lassen wir jeden Monat jemand Junges zu Wort kommen. Dieses Mal widmet sich Journalismus-Volontär Michel Burtscher (24) der Frage: Warum braucht es gebührenfinanzierte News?

«Man will der SRG – und damit auch SRF – an den Kragen: Gleich zwei Volksinitiativen fordern die Abschaffung der Billag-Gebühren, mit denen die Radio- und Fernsehprogramme der SRG finanziert werden. Während die eine Initiative will, dass sich die SRG wie andere Anbieter auf dem freien Markt finanzieren muss, geht die zweite Initiative sogar noch weiter und will die SRG gleich ganz abschaffen. Kritik an SRF beziehungsweise an den Billag-Gebühren hört man immer öfters auch am Stammtisch oder in Internetforen.

Das ist eine gefährliche Entwicklung, denn es braucht in der Schweiz mit ihrem kleinen Markt ein gutes gebührenfinanziertes Radio- und TV-Angebot. Sicher: Man kann und sollte darüber diskutieren, ob gebührenfinanzierte Radio- und Fernsehsender wirklich Quizsendungen wie ‹1 gegen 100›, eigene Serien wie ‹Der Bestatter› oder einwöchige Spendenaktionen wie ‹Jeder Rappen zählt› produzieren müssen. Doch sind dies auch nicht die Sendungen, die SRF abhebt, denen man nachtrauern müsste, falls es SRF nicht mehr gäbe.

«Was SRF auszeichnet, sind die News»

Nein, was SRF auszeichnet, sind die News: Sendungen wie die ‹Tagesschau›, ‹10vor10› oder ‹Echo der Zeit› informieren die Zuschauer darüber, was in der Welt und in der Schweiz passiert und gerade wichtig ist. Sie machen das gut und umfassend, mit einem relativ dichten Netz von Korrespondenten im In- und Ausland. Ergänzt werden die News-Sendungen von Programmen wie der ‹Rundschau›, ‹ECO›, ‹DOK› oder der ‹Arena›, die mehr Hintergrund zu den News bieten.

Das alles ist wichtig. Vor allem in einer Zeit, in der die Welt immer unübersichtlicher wird und in der immer mehr Stimmen um Aufmerksamkeit buhlen. Da ist es gut, wenn man eine zuverlässige Informationsquelle wie SRF hat. Und sicher: Nachrichten gibt es auch im Internet oder – ganz altmodisch – in Zeitungen. Doch auch diese Anbieter sind finanziell unter Druck und müssen teilweise Stellen streichen. Das wirkt sich auch auf die Qualität aus. Im privaten Fernsehen wie auch im privaten Radio gibt es in der Schweiz sowieso keinen Anbieter, der SRF im News-Bereich das Wasser reichen könnte. Niemand produziert tagtäglich Nachrichten in vergleichbarem Umfang und vergleichbarer Qualität. Das wäre wohl auch schlicht zu teuer beziehungsweise liesse es sich nicht auf dem freien Markt finanzieren. Das mag manchen egal sein. Doch genau das macht es unersetzlich.»

Michel Burtscher (24) hat an der ZHAW Journalismus und Organisationskommunikation studiert und ist zurzeit Volontär beim St. Galler Tagblatt.


In der Rubrik «Mein Senf» lassen wir jeden Monat jemand Junges zum aktuellen Themenschwerpunkt zu Wort kommen. Alle bisher publizierten «Senf»-Texte findest du unter: #meinsenf

Alle Beiträge zum Dezember-Schwerpunkt «News bei SRF» findest du hier: #srfnews


Portrait Michel: zVg.
Illustration: Stephan Lütolf

Tags: meinsenf srfnews

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