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«Nachgefragt»: Steht die «Tagesschau» vor dem Aus?

Angesichts des rasanten Medienwandels hat der neue Chefredaktor TV von SRF, Tristan Brenn, grosse Herausforderungen zu bewältigen. Was bedeutet das für die «Tagesschau»? Und wie will Brenn die News-Sendungen weiterentwickeln?

Seit bald zehn Monaten ist Tristan Brenn neuer Chefredaktor TV bei Schweizer Radio und Fernsehen. Ein anspruchsvoller Job, denn: «Die Medienlandschaft wird kräftig durchgeschüttelt und das wirkt sich auch auf unser Haus aus», betonte Brenn anlässlich seines Jobantritts anfangs März im Interview mit dem Mitgliedermagazin LINK 3/14. «Das Medienangebot ist vor allem wegen des Internets explodiert, zudem sind die Mediennutzer anspruchsvoller geworden und sie verhalten sich anders. Darauf müssen wir in unserem Onlineangebot Antworten finden», so Brenn. Ausserdem hätten nicht nur SRF, sondern auch andere Fernsehstationen mit sinkenden Marktanteilen bei den bewährten News-Sendungen zu kämpfen.

Mehr Hintergründe, Schwerpunkte und neue Ansätze

Was aber heisst das für die «Tagesschau»? Wie will Brenn diesen Herausforderungen begegnen? «Wir können nicht mehr wie früher in den abendlichen News-Sendungen einfach abbilden, was tagsüber wichtig war. Wir müssen einordnen, Hintergründe aufzeigen, Schwerpunkte setzen». Um das noch besser leisten zu können, komme man vom lange gepflegten Generalistentum etwas weg und setze mehr auf Fachkompetenz.

Zudem ist sich Brenn bewusst, dass immer mehr Menschen Mühe damit haben, wie News heute gestrickt sind. Es dominieren Skandale, Unglücksfälle, vieles ist negativ besetzt. Ausserdem werden News oft nur noch in Kurzform und in Häppchen serviert. «Tatsächlich müssen wir darauf achten, nicht einfach nur News, oft halt ‹bad news›, zu verbreiten. Einen Ansatz sehe ich darin, dass wir uns bemühen, vermehrt lösungsorientiert zu berichten.» So wolle man etwa den «constructive journalism» stärker pflegen – beispielsweise, in dem mindestens eine Story pro News-Sendung diesem Grundsatz folge. In dieser Story stehe dann nicht das Problem im Vordergrund, sondern es gelte, eine Lösung aufzuzeigen.

TV und Online sollen Hand in Hand gehen

Dass die «Tagesschau» angesichts des rasanten Medienwandels vor dem Aus stehe, weist Brenn entschieden von sich. «Die ‹Tagesschau› wird auch in zehn Jahren noch gesendet», ist er sich sicher. Sie werde aber möglicherweise auf weniger Themen fokussieren und diese prägnanter darstellen. «Möglicherweise werden die einzelnen Beiträge bereits tagsüber online gehen, dann nämlich, wenn sie fertig sind. Und am Abend folgt dann der Überblick», so Brenn.

Das Interview mit Tristan Brenn ist erstmals im Mitgliedermagazin LINK (Ausgabe 3/2014) erschienen und kann hier in voller Länge nachgelesen werden:

Zum Interview

Quelle: LINK 3/2014; jr
Bild: SRF/Oscar Alessio

Tags: nachgefragt srfnews tagesschau

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