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«Nachgefragt»: Warum gibt es so wenige Sportkommentatorinnen?

Stundenlanges Schwatzen ohne Punkt und Komma – das können Frauen bekanntlich am besten. Genau dieses Talent ist auch für den Beruf Sportkommentator/in eine wesentliche Voraussetzung. Trotzdem dominieren männliche Sprecher die SRF-Sportsendungen. Woran liegt das?

Beni Thurnheer, Dani Wyler, Patrick Schmid, Dani Kern und Sascha Ruefer – sie alle gehörten an der Fussball-WM zum SRF-Kommentatorenteam und berichteten über die spannenden Spiele in Brasilien. Aufmerksamen Zuhörern mag es aufgefallen sein: im Fussball-Sommer 2014 kamen keine weiblichen Stimmen zu Wort. Auch an der Leichtathletik-EM in Zürich kommentierten ausschliesslich männliche Sprecher das sportliche Geschehen. An sich nicht verwunderlich, denn Sportjournalismus gilt als Männer-Domäne. Doch woran liegt das? Interessieren sich zu wenige Frauen für Sport? Oder werden Männer als kompetenter eingeschätzt?

Gleiche Ausgangslage für Männer und Frauen

Bei SRF gelten für beide Geschlechter die gleichen Anforderungsprofile. Wer gut ist, ist gut – egal ob Mann oder Frau. «Wir machen bei den aufwändigen Auswahl-Verfahren keinen Geschlechterunterschied. Wer Potenzial hat, den oder die nehmen wir», versichert Nök Ledergerber, stellvertretender Abteilungsleiter von SRF Sport. Gewisse Sportarten sind sogar für weibliche Stimmen eher geeignet als für männliche, beispielsweise das Eiskunstlaufen oder Tanzen. Aber auch da spielt für SRF das Geschlecht keine Rolle: «Wer kompetent und wortgewandt ist, kommt für jede Sportdisziplin in Frage», so Ledergerber. Zurzeit sind immerhin drei Kommentatorinnen für SRF Sport im Einsatz.

Privatleben und Job sind schwer vereinbar

Eine davon ist Michèle Schönbächler. Auch sie ist überzeugt, dass Frauen und Männer die gleiche Ausgangslage haben. «Essentiell sind Fachkenntnisse, eine gute Stimme und Emotionen, nicht das Geschlecht», bestätigt Schönbächler. Die Tatsache, dass es weniger weibliche als männliche Sprecher gibt, liegt laut Michèle Schönbächler nicht an mangelnder Kompetenz, sondern ist anderswo anzusiedeln. «Für Frauen ist der Job oftmals nicht ganz einfach mit dem Privatleben zu organisieren», erklärt die Sportkommentatorin. «Mit Kind zu Hause braucht es ein intaktes Umfeld. Längere Auslandeinsätze, welche der Job als Sportkommentatorin mit sich bringt, wären sonst nicht realisierbar».
Auch wenn in den letzten Jahren nur wenige weibliche Kommentatorinnen für SRF Sport tätig waren, ist Nök Ledergerber überzeugt, dass sich das Geschlechter-Verhältnis in Zukunft verbessern wird. Und auch wenn es noch ein weiter Weg bis zur nächsten Fussball-WM in Russland ist – vielleicht hat dann auch eine weibliche Stimme was zu sagen.

Weitere Beiträge zum Beruf Sportkommentator findest du hier: #sportkommentator


Text: Elena Tzvetanova
Bild: Imagopress / Patrick Lüthy
Porträtbilder: Notker Ledergerber; Michèle Schönbächler (SRF/Oscar Alessio)

Tags: nachgefragt sport sportkommentator srfsport

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