Meinungen

Die andere Sicht: RSI soll kein Gast, sondern Hauptdarsteller sein

Inwiefern trägt der mediale Service public zur Schweizer Identität und zum nationalen Zusammenhalt bei? Und welche Rolle kommt dabei dem Tessiner Fernseh- und Radiosender RSI zu? Mit diesen Fragen beschäftigt sich RSI-Direktor Maurizio Canetta.

Der Tessiner Fernseh- und Radiosender RSI soll sich durch seine Inhaltsprogrammierung mehr und mehr dem Rest der Schweiz zuwenden. Dies fordert RSI-Direktor Maurizio Canetta in einem Artikel im CORSI-Magazin «Per.CORSI». Sein Ziel sei es, dass RSI im Schweizer Kontext in Zukunft als Hauptdarsteller und nicht nur als tolerierter Gast dastehe und dass sich die Programme vermehrt durch Diversität, Komplexität und Vielfältigkeit auszeichnen.

«Keine sonderlich leichte Aufgabe», gibt Canetta zu, «vielmehr eine anregende Herausforderung, wenn man bedenkt, dass die italienische Schweiz unser Hauptgebiet bleibt». Es bestehe aber die Gefahr, sich zu sehr auf die lokale Ebene zu konzentrieren und zu viel Aufmerksamkeit dem Tessiner Mikrokosmos zu verleihen. «Lokale Inhalte bringen zwar Einschaltquoten, fördern jedoch kein wirkliches Wachstum», erklärt der RSI-Direktor.

Programmcocktail als Erfolgsrezept

Canettas Rezept für die Zukunft ist deshalb ein gut gemischter Cocktail aus regionalen Inhalten («sorgen für Einschaltquoten»), nationalen Inhalten («rechtfertigen unsere Arbeit») und weltlichen Inhalten («erweitern unseren Horizont und macht uns im Innersten zu einer Anstalt des Service public»). Es gibt konkrete Beispiele, wie daran schon mächtig gearbeitet wird.

Einen wichtigen Beitrag zur Verständigung der Sprachregionen stellte der Austausch der Moderatorinnen und der Redaktion der SRF-«Tagesschau» mit den Kollegen des Tessiner «Telegiornale» dar. Ein sehr erfolgreiches Experiment, das dem Deutschschweizer Publikum erlaubt hat, die alltägliche «Tagesschau» einmal durch eine neue Brille zu sehen. So haben ganze 745.000 Zuschauer die von den Tessinern produzierte «Tagesschau» gesehen. Gleichzeitig konnte das Tessiner Fernsehpublikum «ihre» Nachrichten aus der Optik der Deutschschweizer erleben.

Neuer «Tagesschau»-Tausch bereits geplant

Erfolgreich war das Experiment auch in den Social Media, wo es beispielsweise hiess: «Ein schöner Beitrag zum nationalen Zusammenhalt und Zusammengehörigkeitsgefühl», «So was macht die Schweiz eben einmalig» oder «Zum Wiederholen!». So wird es demnächst auch
sein. Am Dienstag, 25. November, wird der Austausch zwischen den Kollegen von RSI in Comano und von RTS in Genf stattfinden.

Zur Verstärkung der Identität und des Nationalgefühls hat auch der Themenmonat «Die Schweizer» einen wichtigen Beitrag geleistet. Das Tessiner Publikum war jedenfalls begeistert von den vier Docu Fiction-Folgen, die im November ausgestrahlt wurden.

Italienisches Online-Portal lanciert

Außerdem, gerade weil das italienischsprachige Publikum für RSI im Focus steht, wurde vor Kurzem das Online-Portal tvsvizzera.it lanciert. Dessen Ziel ist es, «die Bilder, das Klima und den Geschmack der alten RSI, damals TSI, dem italienischen Publikum zugänglich zu machen, sei es in Italien, in der Schweiz oder in Europa». Eine neue Chance, im Ausland über die Schweiz zu berichten und sie zu erklären.

Zum CORSI-Artikel (Seite 8)

Bild: Maurizio Canetta (© RSI)


Natascha Fioretti (38), zweisprachig deutsch-italienisch aufgewachsen, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Università della Svizzera italiana (USI) in Lugano. Sie arbeitet zurzeit an ihrer Dissertation und ist als freie Journalistin für verschiedene Printmedien tätig. Für SRG Insider berichtet sie regelmässig aus Sicht von «gli altri».

Tags: rsi servicepublic

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