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«Nachgefragt»: Warum gibt es in SRF-Sendungen so wenig Frauen?

Die SRG will bis 2020 den Frauenanteil im Kader auf 30 Prozent erhöhen. Aber nicht nur in der Führungsebene der SRG sind Frauen bislang untervertreten, auch in Diskussionssendungen von SRF fehlen häufig weibliche Gesprächspartner. Woran liegt das?

Nicht nur in der Führungsebene der SRG, auch in Diskussionssendungen von SRF fehlen häufig weibliche Gesprächspartner. Dass dies beim Publikum zuweilen auf Unmut stösst, zeigen Beanstandungen bei der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz, unter anderem zur «Arena» und zum «Club». Auch Radio-Pionier und SRF-Talker Roger Schawinski kennt das Problem bereits von seiner Radio-Sendung «Doppelpunkt» her. Bei seiner Fernsehtalksendung «Schawinski» hat sich dieses nicht entschärft, im Gegenteil. In einem Interview mit der Annabelle begründete er den Umstand damit, «dass Frauen in unserer Gesellschaft zu selten interessante Positionen einnehmen». Es sei deshalb «einfach schwierig, in der Schweiz spannende Frauen zu finden» ‒ insbesondere solche, die sich auch über «extrem kontroverse Dinge» äussern, wie er gegenüber persoenlich.com ergänzte.

Auch die beiden – im Übrigen weiblichen – Sendungsverantwortlichen von «Club» und «Arena» sind sich der Problematik bewusst. In ihren Stellungnahmen zu den beanstandeten Sendungen äusserten sie sich ebenfalls zur Debatte. Woran scheitert es ihrer Ansicht nach, genügend weibliche Gesprächspartner zu finden?

«Club»-Redaktionsleiterin Karin Frei nahm im Rahmen einer Beanstandung wie folgt Stellung zur Frauen-Frage:

«Ich stelle seit mehr als zehn Jahren Diskussionsrunden zusammen und bin immer bemüht, Frauen mit dabei zu haben. Leider ist es aber oft so, dass diese sich nicht kurzfristig finden lassen oder von sich aus einen Mann voranschicken.Frauen haben die Tendenz, viel von sich selbst zu verlangen, sie wollen supergut und sicher in ihrer Thematik sein. Frauen sind deshalb bei Anfragen generell zurückhaltender und trauen sich weniger zu, bzw. wollen sie nichts Falsches sagen. Nicht selten geschieht es, dass mir eine Frau sagt: ‹Hmmm... da müsst ich mich erst noch mehr einlesen›, oder ‹lieber nicht, ist nicht 100% mein Thema›. Der Mann in derselben Situation sagt: ‹Ist zwar nicht 100% mein Thema, aber doch, doch, da kann ich schon was dazu sagen. ›

Dasselbe merken wir dann manchmal leider auch in Diskussionsrunden. Frauen nehmen sich zurück, obwohl sie mehr zu sagen hätten. Das Resultat ist dann jeweils auch für mich als Macherin ärgerlich, denn die Frauen wirken dann gerne ‹weniger kompetent» oder es heisst, ‹die hat’s jetzt aber nicht so gebracht.› Oft briefen wir Frauen vor der Sendung zusätzlich und animieren sie dazu, sich voll in die Diskussion zu geben. Klappen tut es bei weitem nicht immer.

Was will ich damit sagen: Wir sind wirklich sehr bemüht, Frauen mit dabei zu haben, zumal ich als alleinerziehende Mutter genau weiss, was es heisst, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Wir als Redaktion, die wir kurzfristig arbeiten müssen und bestrebt sind, inhaltlich das Optimum herauszuholen, sind jedoch auch darauf angewiesen, unsere Diskussionsrunden flexibel bestücken zu können. Sind Genderaspekte von Wichtigkeit, beachten wir diese aber selbstverständlich und konsequent.»

Auch Marianne Gilgen, Redaktionsleiterin der «Arena», äusserte sich im Rahmen einer als zu ‹männerlastig› beanstandeten «Arena»-Sendung wie folgt zum Thema:

«Gerade als eine der wenigen Frauen im Kader der Abteilung Information von Schweizer Radio und Fernsehen habe ich im Prinzip grosses Verständnis für die Einwände. Es ist auch mir immer ein Anliegen, Frauen in der ‹Arena› angemessen vertreten zu haben. Es ist jedoch so, dass die ‹Arena› auch immer ein Spiegel der Politlandschaft und der Realität in den Entscheidungsgremien ist. Wenn wir eine Präsidentenrunde einladen, dann sind das bei den vier grössten Parteien momentan ausschliesslich Männer. Ebenso ergeht es uns bei den meisten Kommissionen, Fraktionen, bei Amtsdirektoren, Wirtschaftsführern usw. Hätten die beiden Linksparteien SP und Grüne nicht so viele Frauen, wäre es oft unmöglich, überhaupt eine Frau für die ‹Arena›-Runde zu finden. Dazu kommt, dass Frauen uns viel öfter einen Korb erteilen. Dies aus verschiedenen Gründen. Erfahrungsgemäss opfern Frauen seltener soziale oder familiäre Verpflichtungen einem Fernsehauftritt. Frauen sind zu bescheiden (oder ängstlich) und weisen uns an einen Kollegen weiter, der qualifizierter sei als sie und viele Frauen haben eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem ‹Arena›-Konzept. Aus all diesen Gründen ist es uns nicht immer möglich, die Frauen angemessen zu vertreten.

(...) Trotzdem möchte ich festhalten: Die ‹Arena› beschäftigt sich quasi wöchentlich mit der Frage der Frauenvertretung. Wir bemühen uns wirklich sehr. Im Übrigen besteht die Redaktion der ‹Arena› auch aus mehr Frauen als Männern.»

Text: Jasmin Rippstein
Quellen: Ombudsfälle 3087 (5.2.2012) und 3277 (17.06.2013)
Bild: Screenshot der als ‹männerlastig› beanstandeten «Arena»-Sendung vom 27.4.2012; Karin Frei (© SRF / Oscar Alessio), Marianne Gilgen (© SRF / Heinz Stucki)

Tags: frauenquote nachgefragt

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