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Frauenquoten in Medienunternehmen, muss das sein?

Derzeit zählt die Geschäftsleitung der SSR SRG sieben Männer und null Frauen; im Verwaltungsrat sitzen zwei Frauen und sieben Männer. Das soll sich bald ändern, denn bis 2020 will die SRG den Frauenanteil im Kader auf insgesamt 30 Prozent erhöhen. Nur so einfach ist das nicht. Mit einer Veranstaltungsreihe über Frauen und Medien erkundete die CORSI, warum es Frauen so schwer haben, nach oben zu kommen und was sich künftig ändern muss.

Nicht nur beim Schweizer Service public sind Frauenanteil und Frauenquoten ein höchst aktuelles Thema. Laut dem deutschen journalistischen Verein «ProQuote ‒ mehr Frauen an der Spitze» sind 98 Prozent der Chefredaktoren deutscher Tageszeitungen sowie die meisten Entscheider in TV- und Hörfunksendern Männer. «ProQuote»-Statistiken zeigen, wie von der BILD-Zeitung über den SPIEGEL bis zum Handelsblatt Chefredaktoren das Sagen haben und bestimmen, was gedruckt wird. Aber nicht nur im Kader, auch bei den Journalisten selbst sind Frauen deutlich untervertreten. Nehme man zum Beispiel die WM-Spiele: bei ARD und ZDF wurden sie ausschließlich von Männern kommentiert.

Gesagt ist eben schneller als getan: Jahre männerdominierender Kultur lassen sich nicht einfach so entwurzeln. Es braucht eine moderne Unternehmensstrategie, die fest daran glaubt, dass Frauen in Führungspositionen für mehr Effizienz, Kommunikation und eine familienfreundliche Arbeitskultur sorgen können, entsprechende Arbeitsbedingungen und konkretes Werkzeug, um den Wechsel in Pressehäusern oder Fernsehanstalten zu verwirklichen. Eines muss sowieso noch klargestellt werden: Frauen können genauso gut, manchmal sogar besser, führen und Entscheidungen treffen.

Frauenquote, ein notwendiges Übel?

Über Frauenquoten wurde dank der SRG-Regionalgesellschaft CORSI in Tessiner Journalistenkreisen sowie in der Öffentlichkeit ausführlich debattiert. In der Veranstaltungsreihe «Frauen in den Medien» traten bisher vier weibliche Akteure auf, die es in der Medienbranche weit nach oben geschafft haben und sich nicht von Klischees haben einschüchtern lassen.

Es sind:

- Joumana Haddad, eine der 100 mächtigsten Frauen der arabischen Welt, dazu libanesische Poetin, Journalistin und Übersetzerin, Aktivistin für Meinungsfreiheit und Frauenrechte;

- Romaine Jean, Chefredaktorin beim Westschweizer Fernsehen;

- Barbara Serra, Nachrichtensprecherin von Al Jazeera Englisch, und

- Isabella Bossi Fedrigotti, Journalistin bei der italienischen Tageszeitung Il Corriere della Sera und Schriftstellerin.

Über eines waren sie sich einig: Frauenquoten sind ein notwendiges Übel, solange Kultur und Mentalität in unserer Gesellschaft und in den Unternehmen sich nicht ändern.

Hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau

Dass sich Kultur und Mentalität ändern müssen, zeigt folgendes simple Beispiel: So kümmert sich niemand darum, was für einen Schlips der Fernsehmoderator trägt oder wie gut ihm ein Hemd steht. Bei Frauen dagegen kommt es immer darauf an, wie sie angezogen sind, wie dick sie geschminkt sind, ob sie zugenommen oder abgenommen haben, und so weiter. Zudem sind laut der Studie «Gleichstellung bei den SRG SSR Programme von 1980 bis heute» Frauen besonders bei aktuellen Talkshows, wie z.B. «Arena» in der deutschen Schweiz und «Infrarouge» in der französischen Schweiz, kaum zu sehen. Wenn es um ernste Themen wie Politik oder Wirtschaft geht, gehört das Zepter den Männern.

Was also tun? Diese Frage stellten sich auch die Teilnehmerinnen der CORSI-Veranstaltungsreihe – allen voran RTS-Chefredaktorin Romaine Jean. Es heisse doch so schön, «hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau» sinnierte Jean und betonte: «Dies gilt auch anders herum.» So forderte sie die SRG heraus: «Es können nicht immer Männer an der Spitze sitzen. Es ist unsere Aufgabe, auch Frauen auf die Karriere vorzubereiten. Deshalb: Sagen wir doch einfach, es wird eine Frau antreten, wenn de Wecks Ärä vorüber ist».

Bild: Colourbox.de


Natascha Fioretti (38), zweisprachig deutsch-italienisch aufgewachsen, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Università della Svizzera italiana (USI) in Lugano. Sie arbeitet zurzeit an ihrer Dissertation und ist als freie Journalistin für verschiedene Printmedien tätig. Für SRG Insider berichtet sie regelmässig aus Sicht von «gli altri».

Tags: corsi frauenquote

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