Meinungen

Podium über Generation Gratis und Gebühren: Vom Brötli und anderen Konsumgütern

Ende Juni fand das Schlossgespräch «Generation Gratis — Wozu noch Gebühren?» der SRG Aargau Solothurn statt. Der Saal war gefüllt und die Besucher in freudiger Erwartung auf eine konstruktive Diskussion. Doch es sollte anders kommen. Ein Kommentar von Selina Berner.

«Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!» — das war gewissermassen das Motto des Podiums «Generation Gratis — Wozu noch Gebühren?». Die fünf Protagonisten des Abends: Mariano Tschuor (Direktor RTR), Christoph Gebel (Leiter Unterhaltung SRF), Peter Moor (Präsident SRG AG SO) und Leiter des Podiumsgesprächs), Gülsha Adilji vom Jugendsender joiz, und die Hauptattraktion der Veranstaltung: Florian Maier vom Initiativkomitee «Ja zur Abschaffung der Billag-Gebühren» (kurz: «No Billag»). Dass Tschuor, Gebel sowie Moor auf der Pro-Gebühren-Seite standen, war klar, wobei sich Moor grosse Mühe gab, unparteiisch zu bleiben. Tatsächlich war jedoch Adilji am neutralsten während der ganzen Diskussion. Nur teilweise liess sie durchblicken, dass sie eher mit den Billag-Befürwortern sympathisiert. Maier, ganz klar contra, hatte einen schweren Stand, schliesslich war der ganze Saal vorwiegend mit SRG-Vereinsmitgliedern gefüllt. So stellte er schon zu Anfang klar: «Wir wollen die SRG nicht abschaffen, aber die Gebühren freiwillig machen. Nur wer konsumiert, soll auch zahlen.»

Das eigentliche Problem

Die erste Hälfte der zweistündigen Debatte drehte sich um die Generation Gratis und um Gratisgeschäftsmodelle wie joiz oder Watson. Dann driftete das Gespräch ab zur SRF Live-Übertragung der Weltmeisterschaft, wo Maier meinte: «Es gibt genug Sender, bei denen ich die WM schauen kann. Dafür muss ich nicht 500 Franken bezahlen.» Da schaltete sich Tschuor ein: «Aber dann haben Sie das Schweizerische nicht mehr. Die Eigenarten der Schweiz werden Sie im Deutschen oder Chinesischen Fernsehen nicht finden.» Anstatt auf diesen Konter einzugehen, wechselte Maier den Schauplatz und meinte: «Ich sehe einfach nicht ein, warum die SRG gegenüber allen anderen Medien bevorzugt wird, das ist das Problem.»

Die Brötli-Profession

Man hätte meinen können, Maier gehe es tatsächlich um die Medienlandschaft Schweiz und um ein eventuelles Ungleichgewicht. Doch als ihn Gebel etwas irritiert fragte: «Wie ist das bei anderen Leistungen, z.B. bei der Bahn? Sind Sie da auch gleicher Meinung? Wer konsumiert, soll bezahlen?», antwortete er: «Ja, wenn Sie beim Bäcker ein Brötli holen, dann sollen auch Sie bezahlen und nicht ich.» Dieser Vergleich hinkt, was auch ein Journalist im Publikum bemerkte und meinte: «Information ist kein Brot, Herr Maier. Aber ich lade Sie gerne einmal in unsere Redaktion ein.»

Verwirrung machte sich breit und die Frage, worum es hier eigentlich ging. Gebel gab die ernüchternde Antwort: «Spannend, wir versuchen hier eine medienpolitische Diskussion zu führen, aber das ist nicht das Anliegen von Herrn Maier.» Nein, das war es nicht und tatsächlich musste man feststellen, dass Maier praktisch kein Hintergrundwissen über die Materie «Medien», die die Initiative schlussendlich tangieren wird, besitzt. So verliess das Publikum den Saal eher enttäuscht als erleuchtet. Viel Neues hatte man nicht erfahren, da eine konstruktive und professionelle medienpolitische Diskussion angesichts Maiers sturer Haltung und seiner Wissenslücken nicht möglich war. Schade, schliesslich wird diese Debatte hinsichtlich der aktuellen Medienkrise immer dringlicher und kontroverse sowie kreative Lösungsvorschläge wären eigentlich ja sehr willkommen.

Hast du das Schlossgespräch verpasst? Hier kannst du dir die wichtigsten Quotes anschauen:

Hinweis: Auch LINK, das Mitgliedermagazin der SRG Deutschschweiz hat sich dem Thema gewidmet.

Zum Artikel

Weitere Informationen findest du auch unter www.srgagso.ch oder #schlossgespräch.

Text: Selina Berner (23), Studentin ZHAW
Video: Christina Brun, Luca Steiner (HTW Chur)
Bild: ImagoPress/Patrick Lüthy

Tags: gebuehren generationgratis servicepublic

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