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Online-Zeitalter: Killer oder Chance für den Journalismus?

CORSI, die Tessiner Regionalgesellschaft der SRG, hat eine achtteilige Veranstaltungsreihe über Lage und Zukunft des Journalismus lanciert. Wie verändert sich die Arbeit der Journalisten im digitalen Zeitalter? Und welche Herausforderungen stehen der Branche bevor? Ein Einblick in die bisherigen Debatten.

Neue Konturen prägen die Tessiner Medienlandschaft. Wie anderswo auch, sieht sich der Journalismus in der italienischen Schweiz ständig mit neuen Aufgaben konfrontiert. Immer mehr werden sich die Hauptakteure bewusst: die goldenen Zeiten sind vorüber und es gibt kein Zurück. Doch wohin streben die Medienhäuser? Braucht es heute noch einen Service public in der Schweiz? Welche Herausforderungen stehen den Journalisten bevor? Der Sache wollte die CORSI auf den Grund gehen.

Die Regionalgesellschaft der italienischen Schweiz hat zusammen mit anderen heimischen Partnern – z.B. dem Verband der Tessiner Journalisten und der Universität der italienischen Schweiz – ein spannendes Programm für das Jahr 2014 auf die Beine gestellt. Prominente Gäste aus der Tessiner und italienischen Medienlandschaft diskutieren zusammen mit dem Publikum über die Lage und die Zukunft des Journalismus. Fünf Veranstaltungen haben bereits stattgefunden, drei sind für den Herbst angesagt, und viel Spannendes kam bisher dabei heraus.

Zeitungen hatten noch nie so viele Leser

Für Ezio Mauro, Chefredakteur der Tageszeitung La Repubblica, «ist der Journalismus durch das Internet heute ein Stück reicher geworden. Er verfügt über mehr Nachrichten, mehr Kommunikationskanäle und viel mehr Leser, von denen wir als Zeitungsmacher in der Vergangenheit nur hätten träumen können». Die Herausforderung bestehe allerdings darin, «qualitative Standards und Kriterien zu erhalten. Die eigene Tageszeitung soll ein Erkennungszeichen sein, um verschiedene Communities mit unterschiedlichen Interessen zusammenzurufen». Ausserdem «wird sie ihre Funktion als Kulturträgerin nicht verlieren und stets ein Anhaltspunkt für die Gemeinschaft sein».

Die Medien müssen dort sein, wo das Publikum ist

Wie sieht die Lage aber für das Radio und Fernsehen der SRG aus? Für Maurizio Canetta, seit 1. Juni Direktor von RSI, wird «das Fernsehen weiterhin eine zentrale Rolle spielen, die Inhalte werden einfach anders präsentiert und konsumiert». Klar und deutlich kommt auch die Antwort von SRG-Generaldirektor Roger de Weck auf die provokative Frage «Braucht das Publikum noch ein Service public?». «Natürlich», meint er, «hat der Service public heute noch eine herausragende Funktion. Seine Daseinsberechtigung ist das Audiovisuelle.» Kernkompetenz der SRG sei es in erster Linie, Audios und Videos zu produzieren. Ihre Aufgabe sei es zudem, ein Angebot bereitzustellen, das der internationalen audiovisuellen Konkurrenz standhalte. Die finanzielle Unterstützung des Volkes bleibe ausschlaggebend, «wir haben ihm zu dienen». Deswegen «müssen die Medien dort sein, wo auch das Publikum ist», so de Weck weiter. Die massgebliche Herausforderung sei der digitale Shift.

Nur die besten Journalisten werden überleben

Wie es scheint, mangelt es nicht an klaren Einsichten. Aber wie steht es mit den Journalisten? Ganz einfach: Sie müssen schneller sein und immer wissen, wo’s lang geht, egal ob ein Inhalt für Radio, Fernsehen, Papier oder Online bestimmt ist.

Für Marcello Foa, Direktor des privaten Tessiner Medienkonzerns TImedia, ist jedenfalls klar: In einer Realität, in der die Redaktionen und die Ressourcen immer mehr schrumpfen, «werden nur die Besten überleben».


Hinweis: Die bisherigen Veranstaltungen können online angesehen werden.

Veranstaltung vom 11. März 2014, mit Ezio Mauro, Direktor von «La Repubblica», Maurizio Canetta, bisheriger «RSI-Chefredaktor» und neuer RSI-Leiter sowie Marcello Foa, Generaldirektor von TImedia (Moderation: Natascha Fioretti).

» Online ansehen (italienisch)

Veranstaltung vom 3. April 2014, mit SRG-Generaldirektor Roger de Weck, Tito Tettamanti, Tessiner Rechtsanwalt, CVP-Politiker, Unternehmer und Financier (Moderation: Aldo Sofia)

» Online ansehen (italienisch)

Bild: Colourbox.de


Natascha Fioretti (38), zweisprachig deutsch-italienisch aufgewachsen, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Università della Svizzera italiana (USI) in Lugano. Sie arbeitet zurzeit an ihrer Dissertation und ist als freie Journalistin für verschiedene Printmedien tätig. Für SRG Insider berichtet sie regelmässig aus Sicht von «gli altri».
Tags: corsi digital journalismus online rsi

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