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«Service Public? – So heisst das neue Album von Bligg, oder?»

Was muss sich ändern, damit sich auch Junge mit dem Thema Gebühren beschäftigen? Ein Kommentar von Dominique Zeier.

«Service Public? – Habe ich schon einmal gehört. So heisst das neue Album von Bligg, oder?» Na ja, das stimmt beinahe schon fast. Bis auf eine kleine Änderung in der Rechtschreibung ist diese Aussage korrekt.

Tatsächlich sind viele Junge zum ersten Mal mit dem Begriff konfrontiert worden, als der Schweizer Musiker den Titel zu seinem neusten Album bekannt gab. Denn um Gebühren und Öffentlichkeitsarbeit musste sich die junge Generation bislang nicht kümmern. Der Fernseher stand im Wohnzimmer des Elternhauses, bereit, auf Knopfdruck eingeschaltet zu werden. Natürlich kommen Rechnungen, doch über diese machen sich die Jungen noch keine Gedanken.

Den Fernseher habe ich kurzerhand im Keller verstaut.

Trotzdem bleibt der Blindschirm immer öfters schwarz, die Fernbedienung verstaubt unberührt in der Ecke. Nur gegen halb acht Uhr abends läuft die Tagesschau, während in der Küche das Abendessen vorbereitet wird und falls es sich um einen Sonntag handelt, schauen die Eltern anschliessend den Tatort. Die jüngere Generation ist kaum mehr vor dem grossen Bildschirm aufzufinden. Dies ändert sich auch mit dem Auszug aus dem wohlbehüteten Elternhaus nicht. «Ich hatte einen Fernseher, aber als ich bemerkte, dass ich ihn seit über einer Woche nicht eingestellt habe, habe ich ihn kurzerhand im Keller verstaut und beschlossen, ihn erst wieder in die Wohnung zu holen, wenn ich ihn vermisse. Das ist jetzt über drei Monate her», schildert eine Studentin. Ein ähnliches Phänomen ist bei der Radionutzung zu beobachten. «Ja, ich habe einen Radiowecker. Aber das sind die einzigen 5min des Tages, an welchen ich Radio höre», schildert ein anderer Student. Die Jugend will also überhaupt nichts mehr vom Service Public wissen. Doch, woran liegt das?

Die Antwort ist im vielleicht vagsten Punkt der Schweizer Gesetzgebung zu finden, genauer gesagt unter Artikel 24 des Radio- und Fernsehgesetzes. In diesem Artikel wird die Aufgabe der SRG gegenüber der Bevölkerung genau definiert – oder doch nicht so genau? Während die Abschnitte a – c langatmig über freie Meinungsbildung, kulturelle Entfaltung und Bildung aufklären, beschränkt sich Abschnitt d auf ein einziges Wort: Unterhaltung. Worum es sich dabei handelt und was mit diesem Wort gemeint ist, bleibt zur Interpretation offen.

‹Sendungsbezug› ist das Mahnwort, welches wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der SRG schwebt.

Während die Generation der Eltern zufrieden der mitreissenden Handlung des Tatorts folgt oder den Engelsstimmen des «Alperöösli» lauscht, verziehen sich die Jungen in ihre Zimmer und widmen sich dem Medium, bei welchem sie frei wählen können, welches Programm läuft – dem Internet. «Wofür soll ich denn Fernsehgebühren bezahlen, wenn ich alles, was mich interessiert, auch online ansehen kann?», meint ein weiterer Student. Damit scheint er nicht alleine dazustehen. Immer weniger Junge schaffen sich überhaupt noch einen Fernseher an, denn für einen grossen 55-Zoll Flachbildschirm reicht das Geld sowieso nicht. Da tut es auch ein normaler Laptop-Bildschirm. Doch noch immer sind der SRG die Hände gebunden, was den Internetauftritt angeht. «Sendungsbezug» ist das Mahnwort, welches wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der SRG schwebt. Dass dabei die Aufmerksamkeit der jungen Generation verloren geht, wird nicht bedacht, denn sind wir mal ehrlich, wer sich Glanz & Gloria nicht live angesehen hat, wird dies auch im Replay fünf Tage später nicht tun. So geht also die Chance verloren, die Jungen auf jenem Kanal abzuholen, in welchem sie sich sowieso schon wie zu Hause fühlen. Wenn sich das ändert, können wir vielleicht nochmals über die Gebühren reden...


Hintergrund: Auf der Suche nach jungen Schreibtalenten hat SRG Insider anfangs Mai einen Schreibwettbewerb lanciert. Zur Auswahl standen drei Themen rund um den Service public. Wer gewinnt, hat eine fünfköpfige Jury entschieden, bestehend aus Sylvia Egli von Matt (ehemalige MAZ-Direktorin), Vinzenz Wyss (Journalistik-Professor an der ZHAW), Elia Blülle (Präsident von Junge Journalisten Schweiz), Pernille Budtz (Redaktionsleiterin LINK) und Jasmin Rippstein (Projektleiterin SRG Insider).

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Autorin: Dominique Zeier
Bild: zVg.

Tags: gebuehren generationgratis schreibwettbewerb servicepublic

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