Meinungen

Wie verändern Serien die TV-Welt der SRG?

TV-Serien werden immer beliebter. Und: Immer häufiger können und wollen wir selbst entscheiden, wann und wo wir uns wie viele Folgen einer Staffel ansehen. Wie reagiert die SRG auf diesen Trend? Sven Wälti, Verantwortlicher Koproduktionen bei der SRG, gibt Auskunft.

Sven Wälti, Serien sind allgegenwärtig, ob im TV oder im Netz. Wie beurteilen Sie diesen Trend?
Sven Wälti: Serien gibt es seit den siebziger Jahren. Damals handelten sie von Ärzten, Anwälten oder Polizisten. Eine Folge war in sich geschlossen, man konnte jederzeit einsteigen. Heute sind die Themen viel komplexer, die Produktionen künstlerisch hochstehender. Zudem gehen die Geschichten immer weiter – man muss dran bleiben. Das Suchtpotenzial ist entsprechend grösser geworden.

Woher kommt diese Entwicklung?
Sie kommt aus den USA. Dort stehen grosse Budgets zur Verfügung. Es wird schnell und viel produziert: Mehrere Autoren arbeiten in einem Writers‘ Room zusammen an der Story. Eine der angesagtesten US-Serien im letzten Jahr war «House of Cards». Eine weitere Kultserie ist «Breaking Bad». Aber auch die Dänen haben mit «Borgen» ein spannendes Politdrama produziert. Sie haben sich in den USA inspirieren lassen. Ingredienten erfolgreicher Serien sind: politische Machtspiele, Intrigen, Racheakte, Affären und Liebesgeschichten, Drogen, schwarzer Humor.

Wie werden die Serien lanciert?
In den USA bieten kommerzielle Online-Portale ganze Serien als Streaming an. Netflix lancierte alle 13 Folgen der ersten Staffel von «House of Cards» auf einmal. Bei diesen neuen Portalen haben die Kunden mit 7.99 US-Dollar pro Monat unbegrenzten Zugang zu Serien und Spielfilmen.

Wie reagiert die SRG auf diese Entwicklungen?
Die Unternehmenseinheiten kaufen die bekanntesten Serien ein, zum Beispiel die neuen Staffeln von «Borgen» und «House of Cards». Zudem produzieren unsere Unternehmenseinheiten eigene Serien.

Was heisst das konkret – in der Umsetzung?
RTS hat schon vor ein paar Jahren entschieden, statt TV-Filme nur noch Serien zu produzieren. Mit Erfolg: Produktionen wie «L'Heure du Secret», «Port d'Attache», «T'es pas la Seule» oder «Dix» kommen beim Publikum sehr gut an. In der Regel werden zwei neue Serien pro Jahr gedreht. Auch RSI hat mit «Affari di famiglia» eine eigene Serie und schmiedet Pläne für eine weitere solche TV-Produktion.

Und was macht SRF?
In der Deutschschweiz war die Soap «Lüthi & Blanc» ein grosser Erfolg. Die nachfolgende Ärzteserie «Tag und Nacht» wurde hingegen schnell wieder eingestellt. Jetzt ist die Krimiserie «Der Bestatter» mit Mike Müller und Carlos Leal mit über 40 Prozent Marktanteil ein Quotenhit. Die dritte Staffel wird noch diesen Sommer produziert. Die sechs Folgen werden voraussichtlich Anfang 2015 ausgestrahlt.

Und eine nationale Serie?
Die Verantwortlichen diskutieren über die Sprachgrenzen hinaus. Es gibt aber Bedenken, ob eine nationale Serie in den verschiedenen Landesregionen funktionieren würde. Nach einem gemeinsamen Besuch bei den Dänen ist die Lust darauf jedoch wieder gestiegen.

Gibt es genügend gute Drehbuchautoren in der Schweiz?
In der Schweiz gibt es rund 15 Autoren, die hauptberuflich schreiben. Das ist zu wenig, wir müssen handeln. Darum haben wir am Filmfestival in Freiburg (FIFF) einen Think-Tank zum Thema Drehbuch unterstützt. Dort war auch die Ausbildung ein Thema. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Autoren frühzeitig einbinden können, damit sie auch für TV-Formate schreiben.

Plant die SRG, diese Serien auch online anzubieten?
Solche Varianten sollte man auf jeden Fall in Betracht ziehen. Wir müssen den Trends folgen. Im Wechselspiel zwischen Broadcast und Broadband liegt unsere Zukunft. Es ist gut möglich, dass wir zuerst Web-Produktionen lancieren und sie später im Programm zeigen. Bei den Web-Serien war «Break-ups» ein Erfolg. Ende April zeigen wir auf unseren Websites die neue Serie «Güsel. Die Abfalldetektive» von Gabriel Vetter. Eine anschliessende TV-Ausstrahlung ist bereits ein Thema.

Quelle: Unternehmenskommunikation SRG
Kleines Bild: SRG/Marcel Grubenmann
Grosse Bildcollage (im Uhrzeigersinn, von unten links): The Americans (© SRF/Twentieth Century Fox), Covert Affair (© SRF/Universal Television Distribution), Greys Anatomy (© SRF/ABC Studios/Bob D'Amico), Homeland (© SRF/ RedArrow), Royal Pains (© SRF/USA Network Photo/Justin Stephens), House of Cards (© SRF/Sony Pictures Television Inc.), Breaking Bad (© SRF); Bildmitte: Der Bestatter (© SRF/Marion Nitsch)

Tags: serien

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