Meinungen

Traumjob Journalismus? Jetzt sprechen die Jungen!

Die Arbeitsbedingungen im Journalismus werden immer wieder heftig kritisiert. Warum ist für viele jungen Journalistinnen und Journalisten ihr Beruf dennoch ein Traumjob? Vier junge Medienschaffende nehmen Stellung.

Rund 80 von 100 Kommunikations-Studenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) planen einen Einstieg in die PR und kehren damit dem Journalismus den Rücken zu. Diese Tatsache ist nicht zuletzt auf die schwierigen Berufsumstände zurückzuführen, mit denen Journalistinnen und Journalisten zu kämpfen haben.

Aus aktuellem Anlass lancierte die SRG Deutschschweiz anfangs Februar 2014 die Frühjahrstagung unter dem Motto «Journalismus: Traumjob unter prekären Bedingungen?». Dabei wurden die Arbeitsbedingungen im Journalismus von Fachleuten weitgehend kritisch beäugt (ausführlicher Bericht und Video der Tagung).

Warum es sich dennoch lohnt

Dennoch gibt es sie noch. Die Jungen, die im Journalismus ihren Traumberuf erkennen und sich von den negativen Aussagen nicht einschüchtern lassen. Trotz grossen Herausforderungen, mit denen der Journalismus zu kämpfen hat, gibt es für sie auch heute genügend Gründe, diesen Beruf auszuüben. Darin sind sich die folgenden vier jungen (angehenden) Journalistinnen und Journalisten einig.

SRG Insider verraten die vier, warum Journalismus für sie trotz allem ein Traumjob ist:


«Journalistin zu sein, bedeutet für mich am Puls der Zeit zu sein, jeden Tag Neues aus der Welt zu erfahren und diese Informationen aufzubereiten und an die Menschen weitergeben zu können. Ich werde dafür bezahlt, kritisch und neugierig zu sein und Menschen treffen zu können, die mir ihre spannenden Geschichten anvertrauen. Für diese Aufgabe braucht es ein grosses Verantwortungsgefühl aber auch viel Leidenschaft - eine Herausforderung, die mich immer wieder fasziniert an diesem Beruf.»

Olivia Gähwiler (22) studiert an der ZHAW Journalismus und arbeitet als freischaffende Redaktorin.


«Etwa mit 12 Jahren durfte ich zum ersten Mal Medienluft schnuppern. Schnell war klar, dass ich später mal in diesem Bereich arbeiten möchte. Doch mit dem Entscheid tauchten auch die Steine auf dem Weg dorthin auf. Welche Ausbildung ist die richtige? Wie finde ich eine Praktikumsstelle? Wie klappt es mit dem Berufseinstieg?

Alles Herausforderungen, mit welchen ich mich in den vergangenen Jahren umzuschlagen versuchte. Doch die wichtigste, die bestimmt auch bei jedem Bewerbungsgespräch gestellt wurde, war die Frage nach der Passion. Weshalb wollte ich unbedingt Journalist werden? Ich glaube, daran hat sich seit dem ersten Tag nicht viel geändert: Mich fasziniert, wie ich als Journalist mit anderen Menschen ins Gespräch komme und mit meiner Arbeit diese zum Diskutieren bringen kann. Ich bin fest überzeugt, dass uns das Internet dabei die Arbeit erleichtert. Es ist nun an der Zeit, den Journalismus in eine neue Ära zu begleiten – eine Herausforderung und Chance zugleich, für welche ich brenne und von der ich überzeugt bin, dass sie einen Traumjob ausmacht.»

Konrad Weber (24) ist Multimedia-Redaktor bei SRF News Online.


«Fernsehjournalistin zu sein ist für mich ein Traumjob, da dieser sehr abwechslungsreich und fordernd ist. Langweilig wird es nie. Ich lerne bei der Arbeit Menschen kennen, denen ich sonst nie persönlich begegnen würde. Immer wieder darf ich mich mit neuen Themen und Problemstellungen beschäftigen und diese journalistisch aufarbeiten. Dies ist ein sehr spannender und kreativer Prozess. Auch wenn die Arbeit häufig stressig ist und man im tagesaktuellen Newsgeschäft oftmals unter Zeitdruck arbeitet, fühle ich mich privilegiert als Fernsehjournalistin tätig sein zu können. Es macht Spass mit Bild, Ton und Text zu arbeiten!»

Nina Blaser (31) absolviert zurzeit den trimedialen Stage bei Schweizer Radio und Fernsehen.


«Gewiss gibt es Berufsfelder mit besseren Zukunftsperspektiven und lukrativeren Konditionen als der Journalismus. Wieso also noch einsteigen? Ich sehe das nüchtern: Journalisten braucht es und daran ändert sich auch in den nächsten Jahrzehnten nichts. Sie übernehmen eine wichtige gesellschaftspolitische Funktion, die mich reizt. Wenn mich die gegenwärtige Situation abschrecken würde, sollte ich mir einen anderen Traumberuf suchen. Letztendlich ist es meine ungebrochene Begeisterung, die keine andere Option zulässt. Keine Frage, ich bin ein Idealist und naiv genug zu glauben, der Journalismus stecke nur in einer temporären Findungskrise. Doch ich bin überzeugt, bereuen werde ich es nie.»

Elia Blülle (20) ist Präsident von Junge Journalisten Schweiz.


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Und: Wie schätzen erfahrende Medienschaffende die aktuelle Situation im Journalismus ein? In Videostatements nehmen sie Stellung und verraten, wo aus ihrer Sicht der Schuh drückt:

Traumjob Journalismus? Das sagen die Profis!

Text: Sarah Singer
Titelbild: Colourbox

Tags: journalismus jungjournis tagung

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