Meinungen

Leidet der Journalismus, leidet auch die SRG

«Immer weniger Vielfalt, immer mehr Einfalt», so fasste Medienwissenschaftler Kurt Imhof an der SRG.D-Tagung über «Journalismus: Traumjob unter prekären Bedingungen?» die Schweizer Medienlandschaft zusammen. Doch steht es wirklich so düster um den Journalismus? Im Video (s. unten) äussern sich Experten, Medienschaffende und Studierende.

«Wir wollen heute nicht nur jammern», stellte Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik und Vorstandsmitglied der SRG Zürich Schaffhausen, gleich eingangs der Frühjahrstagung der SRG Deutschschweiz klar (siehe Video unten). Und trotzdem wurde anschliessend wortreich geklagt. «Journalismus: Traumjob unter prekären Bedingungen?» ‒ diese Frage diskutierten Medienschaffende, Wissenschaftler und SRG-Mitglieder an der Tagung und stellten fest: Das Fragezeichen am Ende des Tagungstitels hätte man glatt weglassen können. Dem Schweizer Journalismus gehe es nämlich – je nachdem, wen man fragte – schlecht oder sogar sehr schlecht, so der allgemeine Tenor. Wo aber drückt der Schuh genau?

Die Krise geht alle etwas an

Zunächst einmal nicht bei der SRG. Zumindest nicht in dem Masse, wie bei den privaten Medien. Vinzenz Wyss hat die aktuellen Arbeitsbedingungen im Journalismus eingehend studiert. Sein Fazit? Immer weniger Zeit für Recherche, Aufkauf von unabhängigen Verlagen und der einhergehende Stellenabbau, aber auch schlechte Arbeitsbedingungen und eine noch schlechtere Bezahlung – dies sind nur einige der Faktoren, die den Schweizer Journalistinnen und Journalisten derzeit schwer zu schaffen machen.

Und die SRG? «Die SRG ist eine Insel der Seeligen in einem Meer der Tränen», fasste Daniel Binswanger, Redaktor bei «Das Magazin», Wyss’ Ergebnisse zusammen. Insbesondere bezüglich Zeitdruck, Stresslevel und der Bezahlung sei die SRG gemäss Wyss (noch) vorbildlich.

Die SRG leidet mit

Wenn es der SRG aber so gut geht, wieso befasst gerade sie sich an einer Tagung mit der Medienkrise? «Es kann uns als SRG nicht egal sein, wie es den privaten Medien in der Schweiz geht. Im Gegenteil», betonte Wyss. Wenn es dem Journalismus insgesamt schlecht gehe, dann leide zwangläufig auch die SRG darunter. Wenn beispielsweise der Nachwuchs wegbreche, weil er in dem Beruf keine Zukunft mehr sehe, betreffe das alle Medien.

Daniel Binswanger schob denn auch nach, dass es immer wichtiger werde, dass die SRG Qualitätsjournalismus betreibe – als Vorbild für die anderen. Entschleunigung» ‒ also sich die Zeit zu nehmen, sauber zu recherchieren und nur zu berichten, wenn man sich sicher sei ‒ mache für ihn den Service public aus.

Und jetzt?

Alexandra Stark, Studienleiterin an der Schweizer Journalistenschule MAZ, brachte all die neuen Ideen, welche an der Tagung diskutiert wurden, folgendermassen auf den Punkt: «Klar ist es momentan nicht einfach. Aber wer soll die Dinge denn ändern, wenn nicht wir Journalisten selbst?»

Und am Anfang jeder Veränderung steht die Erkenntnis, dass man etwas ändern sollte. Dass an der Tagung viel gejammert wurde, ist daher vielleicht gar nicht schlecht.

Das Video liefert dir kurz und knapp die wichtigsten Impressionen und Quotes der Tagung. Weitere Informationen findest du auch unter: srgd.ch oder #srgd14

Hinweis: Das Video wurde von Studierenden der HTW Chur im Auftrag der SRG Deutschschweiz produziert.

Text: Oliver Fuchs
Video: Christina Brun, Luca Steiner (Studierende des Studiengangs Multimedia Production an der HTW Chur, im Auftrag der SRG Deutschschweiz)
Bilder: Vinzenz Wyss (oben), Daniel Binswanger (Mitte), Alexandra Stark (unten); © Thomas Züger

Tags: journalismus tagung

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