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«Spannend wird es immer dann, wenn wir eine neue Sportart entdecken»

Wie entscheidet die SRF Sport-Redaktion, ob und wie umfassend sie über einen Sportanlass berichtet? Und wie handhabt sie den Spagat zwischen Breitensport und Randsportarten? SRG Insider hat bei Notker Ledergerber, Programmleiter Sport SRF, nachgehakt.

Sport ist ein wichtiger Teil des Service-public-Auftrags der SRG. Deshalb engagiert sich die SRG auf breiter Ebene für den Sport und berichtet regelmässig über mehr als 60 verschiedene Sportarten. Um dem Publikum dabei ein ansprechendes Sportangebot zu ermöglichen, arbeitet die SRG mit dem sogenannten Drei-Säulen-Modell. Dieses besteht aus den Pfeilern «Schweizer Sportlerinnen und Sportler zeigen», «Über Sportveranstaltungen in der Schweiz berichten» und «Internationale Top-Events übertragen».

Wie entscheidet aber die SRF Sport-Redaktion, ob und wie umfassend sie über einen Sportanlass berichtet? SRG Insider hat bei Notker Ledergerber (Bild), Programmleiter Sport SRF, nachgehakt.

Nach welchen Kriterien entscheidet sich SRF für oder gegen eine Sportberichterstattung?
Der Treiber sind die Aktualität und die verfügbaren Bilder. Wenn Schweizer Athletinnen und Athleten irgendwo auf der Welt am Start sind, dann wissen wir es und werden selten auf dem falschen Fuss erwischt. Nicht von jedem Anlass sind allerdings Bilder erhältlich, aus vertraglichen oder produktionstechnischen Gründen. In der Regel können wir aber über jene Anlässe berichten, die wir aus publizistischen Gründen abdecken wollen.

Was macht ihr, wenn ihr berichten möchtet, jedoch keine Bilder verfügbar sind?
Bei einem Exploit eines Schweizer Athleten oder einer Athletin am anderen Ende der Welt ohne TV-Abdeckung ist es möglich, dass wir auf Archiv-Bilder oder eine mündliche Meldung ausweichen müssen. Einfacher ist es in unseren zwei anderen Medien: Meldungen im Radio oder ein Telefon-Interview sind möglich, und im Web können wir auch berichten, wenn kein Bildmaterial verfügbar ist.

Gibt es denn eine Gewichtung beim Drei-Säulen-Modell? Hat beispielsweise eine der Kategorien Vorrang – oder werden alle drei gleichwertig behandelt?

Die erste Säule («Schweizer Sportlerinnen und Sportler zeigen») ist natürlich die wichtigste. Wir wollen nah dran sein an den Schweizer Athletinnen und Athleten, ob in der Schweiz oder im Ausland. Gegenüber unserer Konkurrenz ist dies der USP («unique selling point»).

Und was ist mit den anderen Bereichen?
Auch die anderen beiden Säulen haben eine Bedeutung. Über einen Anlass in der Schweiz können wir auch dann berichten, wenn kein Schweizer am Start steht oder zu den Siegesanwärtern gehört. Vielleicht fällt die Berichterstattung etwas weniger umfangreich aus. Auch ein internationaler Top-Event (Säule 3) kann bei uns stattfinden, wenn die Schweiz keine wichtige Rolle spielt. Vor 10 bis 20 Jahren fuhren Schweizer Radprofis an der Tour de France um den Gesamtsieg mit. Das ist nicht mehr der Fall, aber wir zeigen die Tour weiterhin. Oder die Fussball-WM - wir haben sie auch dann gezeigt, wenn die Schweiz nicht qualifiziert war.

Wie geht SRF bei der Themensetzung und Berichterstattung mit der Gratwanderung zwischen Sportarten mit breitem Publikumsinteresse und Randsportarten um?
Wir haben Erfahrung und Zahlen, welche Sportarten funktionieren, welche eher nicht. Dies gilt in erster Linie für unser Live-Angebot. Natürlich orientieren wir uns an der Masse, an Sportarten, die eine grosse Beachtung finden. Wir verfügen über ein einzigartiges Rechteportefeuille, können über praktisch alle bedeutenden Sportarten und Events berichten, was im Free-TV wohl einzigartig ist.

Und was ist mit den Randsportarten?
Nicht in jeder Sportart sind TV-Produktionen Standard, und oft ist es aus finanziellen Gründen gar nicht möglich, eine TV-Abdeckung sicherzustellen. Wichtig für uns: Es gibt nicht nur Livesport. In unseren Magazin-Sendungen, im Radio und Sportmultimedia bringen wir immer wieder Geschichten aus Randsportarten. Spannende Figuren und Persönlichkeiten gibt es in allen Sportarten. Und ganz wichtig: Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte, egal aus welcher Sportart.

Welche Kriterien muss denn eine Randsportart erfüllen, damit SRF darüber berichtet respektive überhaupt berichten kann?
Bei internationalen Meisterschaften in der Schweiz spielt die Telegenität eine Rolle, dann natürlich das sportliche Potenzial, sprich Medaillenchancen. Wenn wir eine Live-Produktion als nicht sinnvoll erachten, dann berichten wir mit Reportagen. Nicht sinnvoll meine ich auch im Sinne von Ressourcen.

Was heisst das konkret?
Live-Produktionen sind in der Regel sehr aufwändig, und da sind uns Grenzen gesetzt. Nicht in jedem Stadion kann eine TV-Produktion realisiert werden. Wir benötigen Platz, Licht usw. Oft herrscht zudem die Meinung vor, dass nur eine Live-Übertragung wertvoll sei. Im «sportpanorama» erreichen wir jedoch 300'000 Zuschauer und mehr, während im Live oft bedeutend weniger zusehen.

Zum Schluss: Welches war der verrückteste Sportevent oder die verrückteste Sportart, über den/die SRF je berichtet hat?
Spannend wird es immer dann, wenn wir eine neue Sportart entdecken oder Sportarten zu einem Event etablieren können. Ich denke an den America's Cup im Jahr 2007. Wir brachten den Segelsport unserem Publikum mit einer fantastischen Berichterstattung näher. Und natürlich das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das wir etablieren konnten und mittlerweile zu einem Programm-Highlight avanciert ist.

» Mehr über die SRG-Sportstrategie erfahren

Interview: Jasmin Rippstein
Bild: SRF/Oscar Alessio

Tags: sport sportbericherstattung srfsport

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