Meinungen

US-Serien im SRG-Programm: Zu wenige, zu viele – oder gerade richtig?

An den Serien, die im SRG-Programm ausgestrahlt werden, scheiden sich die Geister: Für die einen ist beispielsweise der Serienmontag auf SRF zwei Pflichtprogramm, andere wünschten sich – wennschon Serien – mehr einheimische oder zumindest europäische Ausstrahlungen. Wie beurteilen Macher die Situation?

Dass US-Serien im SRG-Programm einen wichtigen Platz einnehmen, ist unbestritten. So gehören «Grey's Anatomy» und «Desperate Housewives» am Monatgabend auf SRF 2 längst zum Pflichprogramm vieler Serienjunkies. Kommende Woche folgt mit «House of Cards» eine Politserie, die in den USA unlängst für Furore sorgte. Und bei RTS ist seit Kurzem «Under the Dome» zu sehen, ein Science Fiction Spektakel, das auf einem Roman von Stephen King basiert. Auch fürs nächste Jahr stehen bereits verschiedene amerikanische Serien in den Startlöchern, darunter die fünfte Staffel von «Mad Men». Ist es aber überhaupt im Sinne des Service public-Auftrages, amerikanische Serien – mit amerikanischen Themen – auszustrahlen?

Serien als Köder

Gilles Marchand, Direktor von Radio Télévision Suisse (RTS), schreibt in seinem privaten Blog, dass Service public seiner Ansicht nach nicht auf Schweizer Produktionen beschränkt sei. Zwar seien diese essentiell, ja entscheidend. Jedoch gebe es auch ausgezeichnete amerikanische Produktionen. Und: Das gemeinsame Serien-Schauen und -Kommentieren sei stets auch ein wichtiges gemeinschaftliches Erlebnis – egal, aus welchem Land die Produktion selbst stammt.

Nebst dem geselligen Aspekt spielen für Marchand aber auch ganz andere Faktoren eine wichtige Rolle: So bieten amerikanische Serien RTS die Möglichkeit, eine grosse Anzahl Zuschauer auf den Sender zu lotsen. Diese blieben dann auch bei den nachfolgenden, eigenproduzierten Inhalten hängen. So würde die welsche ‚Tagesschau‘ zur Primetime kaum regelmässig Marktanteile von 60% erreichen, und Magazine wie «Temps Présent» oder «Passe-moi les jumelles» weniger geschaut werden, wenn man die amerikanischen «Köder» nicht hätte. Dank ihnen könne man verhindern, dass die Zuschauer auf die französischen Konkurrenzsende wegzappen, so Marchand. Um die hohen Quoten halten zu können, müsse man am Vorabend Serien zeigen, die möglichst viele ansprechen und nicht Inhalte, an denen sich die Gemüter scheiden.

Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis

Auch hinsichtlich ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses sind amerikanische Serien laut Gilles Marchand für RTS unerreicht. Im Schweizer Markt seien diese für 100 Franken pro Minute zu haben. Produktionen aus der Romandie bewegten sich hingegen im Bereich zwischen 12‘000 und 15‘000 Franken. Dies sei normal und sogar noch sehr konkurrenzfähig auf europäischer Ebene. Dieser enorme Preisunterschied erkläre sich mit der Massenproduktion und dem Umstand, dass amerikanische Serien weltweit verkauft werden könnten.

Wie sieht die Situation bei SRF aus?

Wie sieht die Situation jedoch bei SRF aus? Und wie beurteilt Heinz Schweizer, Redaktionsleiter Einkauf Filme und Serien, die Debatte? Gemäss seinen Aussagen belegen fiktionale Programme bei SRF insgesamt bedeutend weniger Programmfläche als bei RTS. Dies liegt hauptsächlich daran, dass der Fokus bei SRF eher auf Eigenproduktionen (Information, Kultur, Unterhaltung) und Live-Sport liege. Auch was deren Wirkung als ‚Zugpferde' für nachfolgende Eigenproduktionen angehe, spielen US-Serien bei SRF eine eher marginale Rolle, so Schweizer weiter. Denn: Fast alle Serien laufen auf SRF zwei, wo sie sich die Programmflächen hauptsächlich mit Live-Sport oder Sportmagazinen teilen. Ausserdem lasse die seit Jahren anhaltende Begeisterung für US-Serien bei SRF-Zuschauern merklich nach. «Dass es in der Deutschschweiz zusätzlich inländische Konkurrenz gibt, deren fiktionales Programm fast nur aus US-Serien besteht, verstärkt diesen Trend», bilanziert Schweizer. Der Minutenpreis bei Kaufproduktionen liege trotzdem nach wie vor weit unter demjenigen von eigenproduzierten Sendungen. Es dürfe jedoch nicht vergessen werden, «dass mit attraktiven Serien Werbegelder generiert werden, die in Eigenproduktionen zurückfliessen», wie Schweizer betont.

Zu viele US-Serien im SRF-Programm?

Und was sagt der Redaktionsleiter Einkauf Film und Serien aber zum Vorwurf, es gäbe in den SRF-Programmen zu viele amerikanische Serien? «In Anbetracht der Programmvielfalt der SRF-Sender wäre eine entsprechende Kritik nur schwer begründbar», antwortet Schweizer. Abgesehen von wenigen Flächen im Nachmittagsprogramm von SRF zwei zeige SRF schon immer – und aktuell vermehrt - europäische Serien aus Deutschland, England und Skandinavien. «Seit Jahrzehnten koproduziert SRF beispielsweise den Dienstags-Krimi mit ZDF und ORF und ist seit 2011 wieder im Tatort-Verbund. Auch diese Programme haben eindeutig seriellen Charakter», so Schweizer. Auch im Tagesprogramm gebe es viele europäische Serien, darunter auch koproduzierte deutsche Telenovelas und Soaps. Und: «Sogar die samstäglichen Krimi-Reihen wie beispielsweise «The Killing», «The Fall», «The Bridge» oder «Wallander» im Spätabend auf SRF 1 stammen durchwegs aus europäischer Produktion», so Schweizer.

Hinweis: Am 7. Januar 2014 startet mit der zweiten Staffel von «Der Bestatter» wieder eine eigenproduzierte Serie im SRF-Programm.

Weiterführende Links:

Hier kannst du den Originalblog von Gilles Marchand nachlesen (an dieser Stelle übersetzt und paraphrasiert von Oliver Fuchs, SRG Insider).

Text: Oliver Fuchs / Jasmin Rippstein
Bilder (im Uhrzeigersinn): «Real Humans» (SRF/STV/Johan Paulin); «Homeland» (SRF/Red Arrow); «House of Carts» (SRF/MRC II Distribution Company L.P.); «Greys Anatomy» (SRF/ABC/Bob D'Amico)

Tags: deinemeinung rts serien serienmontag srf

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