Meinungen

«Wir müssen mit unseren Argumenten überzeugen»

Die Sendung «SRF bi de Lüt – Live», welche am 27. Juli in Neuhausen live aufgezeichnet wird, wird dieses Mal nicht nur von der Programmkommission SRG Zürich Schaffhausen beobachtet. Erstmals sind alle interessierten Personen dazu eingeladen, sich online an der Beobachtung zu beteiligen und mitzudiskutieren. SRG Insider hat Riccardo Pozzi zu seiner Arbeit als Leiter der PK SRG Zürich Schaffhausen und zu dieser speziellen, offenen Programmbeobachtung befragt.

SRG Insider: Die PK hat die Sommersendung «SRF bi de Lüt – Live» bereits im letzten Sommer beobachtet. Welche Feststellungen habt ihr damals gemacht?
Riccardo Pozzi: Im letzten Sommer hat «SRF bi de Lüt – Live» auf dem Turbinenplatz in Zürich gastiert. Es war das erste Mal, dass sich die Sendung in eine Grossstadt gewagt hat. Die Mehrheit der PK hatte die Sendung bisher sehr geschätzt. Und dass wir Zürich eine sehenswerte Stadt finden, ist auch klar. Angesichts dieser hohen Erwartungen waren wir dann mit etlichen Aspekten unzufrieden: Der Turbinenplatz erschien uns als Austragungsort kalt und uncharmant. Diejenigen Gäste, die das junge Zürich hätten repräsentieren sollen, traten fad auf. Uns schien, dass wegen des erhöhten Sofas eine Distanz zwischen Moderator Nik Hartmann mit seinen Gästen und den Zuschauern vor Ort entstand. Und schliesslich gefiel uns nicht, dass «SF bi de Lüt» viel gesehene Formate wie ein Sing Casting oder eine Art «Wetten dass» in die Sendung integrierte. Ich erinnere mich, dass die anschliessende Sendungsbesprechung mit den Machern eine emotionale und zähe war.

Diese Erfahrung hat uns noch Wochen danach beschäftigt, sodass wir kurzerhand unseren Ansprechpartner von «SF bi de Lüt» zu unserer alljährlichen Weiterbildung einluden und wir mit ihm ausdiskutieren konnten, welche Art der Kritik denn den Programmschaffenden am meisten weiterhelfe. Das war eine gelungene Aussprache, die uns half, die Positionierung der Programmkommission weiter zu schärfen.

Weshalb beobachtet ihr die Sendung in diesem Jahr erneut?
Wir haben nicht die Kompetenz, Änderungen einer Sendung zu verlangen. Wir müssen mit unseren Feedbacks und Argumenten die Macher überzeugen, um eine Wirkung erzielen zu können. In diesem Kontext interessiert uns natürlich, was SRF mit unserem letztjährigen Feedback gemacht hat, und wir beobachten daher die Sendung in Neuhausen mit grossem Interesse. Es wäre allerdings vermessen zu denken, dass Verbesserungen der Sendung nur auf unser Einwirken hin geschehen wären. Die Programmschaffenden selber haben ein feines Sensorium und eine ausgeprägte interne Feedbackkultur, um ihre Produkte laufend zu verbessern. Doch der Blick von aussen hilft den Machern immer wieder, allenfalls bereits angedachte Verbesserungen zu beschleunigen.

In diesem Jahr sind auch alle interessierten Personen aufgerufen, sich an der Beobachtung zu beteiligen. Weshalb habt ihr euch für eine offene Programmbeobachtung entschieden?
Bisher haben wir in der stillen Kammer gearbeitet und uns mit den Machern ausgetauscht. Das ist schade, denn unsere Arbeit, ich bin sicher, interessiert viele andere Personen auch. Daher haben wir uns entschlossen, einen ganzen Beobachtungszyklus der PK im Glashaus zu machen. Dass wir dies gerade mit der Sendung in Schaffhausen tun, hat einen weiteren Grund. Mein Vorgänger als Leiter der PK, Robert Spichiger, war ein Schaffhauser. Mit seinem Rücktritt fehlen uns die PK-Mitglieder aus Schaffhausen gänzlich. Wie sollen wir denn eine Sendung aus Neuhausen kommentieren ohne richtige Schaffhauser in unseren Reihen zu haben? Also haben wir in die Social Media Kiste gegriffen und laden ganz speziell Zuschauerinnen und Zuschauer aus unserem nördlichen Kanton zur offenen Programmbeobachtung ein.

Welche Möglichkeiten haben die Userinnen und User, um sich bzw. ihre Beobachtungen und Meinungen einzubringen?
Zunächst machen wir transparent, wer wir sind und wie wir arbeiten. Am Beispiel der Sendungsbeobachtung «SRF bi de Lüt – Live» in Neuhausen zeigen wir allen Interessierten, welche Fragen wir uns zur Sendung stellen. Bereits hier soll die Einflussnahme der Userinnen und User beginnen: Gibt es weitere Fragen, die die Zuschauerschaft beschäftigen, und die sich die PK von sich aus nicht gestellt hätte? Kernstück ist dann das Zuschauerfeedback während und nach der Sendung. Was gefiel den Zuschauern, was hat sie allenfalls gestört? Und besonders interessant: Was denken die Neuhauser und Schaffhauser über die Sendung? Diese Meinungen möchten wir über die Online-Plattform SRG Insider, über Facebook und via Twitter einholen.

Was geschieht mit dem Feedback «von aussen»? Wie fliesst dieses in die Arbeit der Programmkommission ein?
Der übliche Vorgang ist, dass jedes PK-Mitglied nach der Sendung einen Einzelbericht schreibt und mir zusendet. Neu wird das öffentliche Sendungsfeedback einen zusätzlichen gewichtigen «Bericht» darstellen. Mit diesen Berichten im Gepäck werden wir am 12. August die Diskussion mit den Programmschaffenden führen. Es ist geplant, dass wir unmittelbar nach der Besprechung ein Video-Interview machen, um den Userinnen und Usern mitzuteilen, wie der Austausch aus Sicht Macher und aus Sicht PK abgelaufen ist. Auf Basis der Diskussion werde ich dann den Schlussbericht verfassen, der ebenfalls auf der Plattform veröffentlicht wird. Damit wird der Beobachtungszyklus abgeschlossen sein.

Was müssen Userinnen und User bei der Beobachtung berücksichtigen?
Die Zuschauerinnen und Zuschauer sollen ihre Meinung frisch von der Leber weg ausdrücken. Wer mag, kann sich auch an unserem Beobachtungsraster orientieren. Wir schauen in der Regel drei Bereiche an: a) Wie gefallen uns die Sendung und ihre Botschaft im Allgemeinen, b) wie kommen die Inhalte bei uns an und c) wie beurteilen wir die Gestaltung der Sendung. In dieser Beobachtung ist speziell, dass wir d) einen Vergleich zur Sendung vom vergangenen August auf dem Turbinenplatz anstellen. Wir werden unseren schriftlichen Beobachtungsauftrag mit dem Frageraster demnächst hier publizieren. Wer mag, schaut sich zu Vergleichszwecken die letztjährige Sendung auf dem Turbinenplatz an.

Weiterführende Links:

Zur «SRF bi de Lüt»-Sendung vom 7. Juli 2012 live aus Zürich

Zum Abschlussbericht der letztjährigen Beobachtung

Mehr über die Arbeit der Programmkommissionen erfahren

Weitere Informationen zu den Beteiligungsmöglichkeiten sowie einen Überblick über die Beobachtungskriterien und den Frageraster findest du ab Freitag, 19. Juli 2013, auf SRG Insider.

Interview: SRG.D/Jasmin Rippstein
Bild: Imagopress/Patrick Lüthy

Tags: deinemeinung meinungen programmkommission srfbideluet

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