Behind the Scenes

«Die Tagesschau um halb acht ist heilig»

Wenn der Federer-Match etwas länger dauert als geplant, kann sie schon mal ins Schwitzen geraten: Sendeleiterin Aileen Marbacher. Nicht weil sie Federer-Fan ist, nein. Aileen ist dafür verantwortlich, dass du 24/7 auf den TV-Kanälen von SRF dein Programm hast. Auf die Minute genau. Was da ein, zwei Tennis-Sätze mehr für Auswirkungen haben, hat sie uns verraten.

Aileen Marbacher im Sendezentrum

SRG Insider: Wie dürfen wir uns deine Arbeit als Sendeleiterin vorstellen?
Aileen Marbacher: Ich bin für die Feinplanung des Programms zuständig. Meine Arbeit starte ich, indem ich überprüfe wieviel Sendezeit die einzelnen Sendungen haben und kontrolliere, ob der Zeitplan aufgeht. Den Redaktionen von Live-Sendungen wie z.B. der «Tagesschau» oder «Meteo» teile ich mit, wieviel Sendezeit sie haben. Meine Aufgabe ist es auch, zu schauen, ob die Werbungen richtig gesetzt sind. Trotz der Planung können immer wieder Lücken im Programm entstehen, diese muss ich dann frühzeitig mit Trailern (Einspielern) füllen.

Lücken?
Live-Sendungen wie die «Tagesschau» haben jeweils eine grobe Zeitvorgabe, die sich aus der Sendeplanung des Tages ergibt. Dauert eine Live-Sendung aber weniger lange als geplant, entstehen Lücken.

Gehen Sendungen auch mal zu lange?
Das passiert auch. Wenn das bei einzelnen Sendungen der Fall ist, ist das nicht weiter schlimm, das können wir mit einzelnen Promo-Trailern ausgleichen. Sind aber in der Primetime, vor allem zwischen 18:00 und 20:00 mehrere Sendungen zu lange, wird es bei uns hektisch. Denn die Tagesschau um halb 8 ist heilig – und muss deshalb immer pünktlich sein.

Apropos «Tagesschau»: Die «Tagesschau» am Mittag steht an. Aileen spricht in die Gegensprechanlage:

Aileen: «Regie Zehn vom Sendezentrum»
Regie «Tagesschau» am Mittag: «Ja?»
Aileen: «Hallo hier ist Aileen»
Regie «Tagesschau» am Mittag: «Felix Hallo»
Aileen: «Ihr seid pünktlich»
Regie «Tagesschau» am Mittag: «Das ist doch schön»
Aileen: «Bis dann!»
Regie «Tagesschau» am Mittag: «Bis dann!»

Wir sind eigentlich immer pünktlich! (lacht). Nachmittags kontrolliere ich, dass das Programm korrekt abgespielt wird, die Software keinen Hänger hat (schwarzer TV-Bildschirm wäre das dann) und dass das Programm Ton hat. Wenn der Ton 30 Sekunden ausfällt, geht hier der Alarm los (Waaaa Waaaa!).

Wenn wie im vergangenen Monat, ein Sportereignis (Fussballmatch FC Basel – FC Zürich) kurzfristig abgesagt wird, was macht ihr dann?
Wir rufen bei den Programmverantwortlichen an und fragen, was wir abspielen sollen. Wir haben ganz viel Notfall-Filme und -Serien. Bei der «Tagesschau» läuft das anders: Wenn mir die Redaktion sagt, sie könne keine «Tagesschau» senden, weil beispielsweise die Technik versage, würden wir die zuletzt ausgestrahlte «Tagesschau» bringen.

Wann bist du am meisten gefordert?
Am Abend, wenn mehrere Live-Sendungen nacheinander laufen. Bei Sportsendungen auch, bei Olympia waren wir 24h im Einsatz. Man muss immer extrem mitdenken und bereit sein. Besonders beim Tennis: Der Match kann so schnell vorbei sein. Nach jedem Satz, bei dem jemand gewinnen könnte, ist man bereit, mit dem Programm fortzufahren, sodass folgende Sendungen trotzdem pünktlich sind.

Hattest du auch schon das eine oder andere Horror-Erlebnis?
Als im vergangenen Herbst «10vor10» ausfiel war ich ziemlich neu hier. Ich bekam die Meldung, dass «10vor10» nicht auf Sendung gehen kann und ich dachte mir: Das ist in 20 Jahren noch nie ausgefallen und genau jetzt. Ich musste dann die «Tagesschau» von halb acht abspielen und Scrolls schreiben die unten durchflitzen: «10vor10» fällt heute aus, das hier ist die «Tagesschau». Es ging zwar alles gut aber ich hatte damals schon etwas Panik.

Interview: Luca Passerini
Bild: zVg.

Bild Autor*in Autor Luca Passerini
Luca (23) studiert Organisationskommunikation an der ZHAW in Winterthur. Momentan macht er während seinem Praktikum bei SRG Insider die Studios im Leutschenbach unsicher. Sonst rettet er am liebsten Schildkröten.
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Luca Passerini
Tags: sendeleitung

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