Behind the Scenes

Politik als Unterhaltungsspektakel

Für die öffentlichen Sender ist es eine grosse Herausforderung, über politische Wahlen zu berichten. Heutige Mediennutzer erwarten eine seriöse politische Berichterstattung, die zugleich innovativ und unterhaltend aufbereitet ist. Ausländische Sender haben versucht, dieser Anforderung gerecht zu werden. Auch SRF wird im Wahljahr 2015 gefordert sein.

Die freie Meinungsbildung zu fördern, ist ein Auftrag, den SRF in etlichen Variationen immer wieder umzusetzen versucht. Vor allem bei der politischen Berichterstattung ist SRF stets aufs Neue gefordert. Wie soll SRF über die eidgenössischen Wahlen im Oktober 2015 berichten?

Social Media-Kampagnentour

Auf der Suche nach neuen Formen der politischen Berichterstattung lohnt sich ein Blick ins Ausland. Das Medienunternehmen Danmarks Radio (DR), zu welchem diverse Radio- und TV-Sender gehören, verwandelte bereits 2011 die Parlamentswahlen in eine «Celebration of Democracy», wie es Tine Gøtzsche, News-Moderatorin beim öffentlich-rechtlichen Sender DR, nannte. Während drei Wochen begleitete DR neun Parteien und deren Kandidaten auf ihrer Kampagnentour und berichtete multimedial über die Ereignisse. Jeder politische Kandidat wurde von einem Korrespondenten begleitet, der für Web, Radio und TV Inhalte zur Tour generierte. Auf einer interaktiven Landkarte wurden sämtliche Social Media-Aktivitäten wie Tweets, Blogeinträge, Interviews oder Videos integriert und stellten zusammen mit den journalistischen Inhalten der Korrespondenten eine umfassende Berichterstattung über die Kampagnentouren dar. DR wurde dank der multimedialen Berichterstattung zur ersten Informationsquelle für das Stimmvolk.

Wie eine Oscar-Verleihung

Am Abend vor dem Stichtag vollendete DR seine Berichterstattung mit einer Debatte. Erwachsene wie auch Jugendliche füllten die DR-Konzerthalle in Kopenhagen. Die vom Sender ausgewählten Zuschauerfragen wurden den Politikern per Video-Einschaltung gestellt. Die Debatte war eine Politshow. Lichtsetzung, Schnittkadenz, Szenografie und Dramaturgie machten sie zu einem politischen Spektakel mit ausgeprägtem Unterhaltungscharakter. «Es sah mehr nach einer Oscar-Verleihung aus als nach Präsidentschaftswahl», meint eine Zuschauerin der SRG-Tagung nach einem Ausschnitt kritisch. Auch SRF-Programmentwickler Thomas Schäppi sieht die Gefahr, bei solch grossen Shows mehr zu unterhalten als zu informieren: «Auf der Suche nach aussergewöhnlichen Inszenierungen kann man den Fokus auf den Inhalt verlieren.»

Auf Wahlfahrt

Neue Inszenierungen zu wagen, ohne den Blick für das Wesentliche zu verlieren – das ist auch der Plan von SRF. Ein altes Konzept – nämlich das Interview während einer Autofahrt – werde zum neuen Hingucker bei der Berichterstattung 2015, sagt Schäppi. Die Idee selbst gäbe es ja auch in der Schweiz schon lange, doch vom öffentlichen Rundfunk ORF habe SRF die Sendung «Wahlfahrt» abgekupfert. Dabei wird Moderatorin Mona Vetsch Politiker von A nach B chauffieren. Dass die Schweizer auch eigene Ideen haben, will SRF zusätzlich mit dem Relaunch der «Arena» im Frühling zeigen. Dort würden Elemente eingebunden, die so noch nirgends vorkämen, sagt Thomas Schäppi, ohne Details zu nennen. «Wer weiss, vielleicht kopiert dann bald ganz Europa unsere ‹Arena›», ergänzt er mit einem Schmunzeln. Der Relaunch des Politmagazins spiele auch für die Wahlberichterstattung 2015 eine Rolle. Zudem würden die Social Media-Kanäle so bedeutend wie nie. «Es wird ein digitaler Wahlkampf», meint Schäppi und macht mit diesen Worten neugierig auf die politische Berichterstattung von SRF im Herbst.

Hinweis: Der vollständige Beitrag ist erstmals im Mitgliedermagazin LINK (Ausgabe 1/2015) erschienen und kann dort in voller Länge nachgelesen werden.

Zum Bericht


Olivia Gähwiler (23) hat Journalismus & Organisationskommunikation an der ZHAW studiert und arbeitet heute als freie Journalistin für verschiedene Medien. Für SRG Insider geht sie regelmässig Themen nach, welche die jüngere Generation beschäftigen.

Quelle: LINK 1/2015
Text: Olivia Gähwiler; lv
Foto: DR1/Bjarne Bergius Hermansen (LINK)

Tags: link news politik unterhaltung wahlen

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