Behind the Scenes

TV-Team im Schlund der Hölle

Vier Tage und drei Nächte verbrachte eine Equipe von tpc/SRF im grössten Höhlensystem der Schweiz. Das Ergebnis war in der Sondersendung «Schweiz aktuell extra – Expedition Hölloch» zu sehen.

Begriffe wie «Todeszone», «Briefkasten» und «Böse Wand» lassen erahnen, was auf all die Profis von tpc und SRF im Hölloch wartete. Im längsten Höhlensystem der Schweiz begleiteten zwei TV-Teams Höhlenbesucher und ihren Guide und zeigten die 18-stündige Expedition eines Forscherteams ans andere Ende des Höllochs. Ein drittes Team stoss 2,5 Kilometer tief ins Innere in den sogenannten «Dombiwak» vor, um die Höhle von dort aus zu erkunden.

«Diese Basisstation erreicht man erst nach einem mehrstündigen Marsch. Mit unserem Produktionsmaterial ist das noch aufwändiger», schildert Equipenchef Kamera Philippe Schnyder. «Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, ab den Vorproduktionen und bis zum Ende der Sendung durchgehend in der Höhle zu bleiben.» Gemeinsam mit Beleuchter Roland Koch, Tonoperateur Reto Indergand und den SRF-Reportern Urs Wiedmer und Matthias Rusch stieg er bereits drei Tage vor der Sendung ins Hölloch ein. Begleitet wurden sie von erfahrenen Führern. Wie Philippe Schnyder die Produktion im finsteren, kalten und feuchten Hölloch technisch und mental anging, schilderte er kurz vor dem Einstieg ins Hölloch:

TV-Produktion unter schwierigsten Bedingungen

«Ich war für den Test- und Trailerdreh schon einige Male in der Höhle. In der Finsternis verliert man rasch das Zeitgefühl. Man kann nicht mehr abschätzen, ob drei oder fünf Stunden vergangen sind und auch die räumliche Wahrnehmung ist anders. Die Sicht reicht nur soweit, wie der Scheinwerfer des Kunstlichts. Insofern werden wir uns langsam vorantasten, um keine Fehltritte zu riskieren. Die exponierten Stellen im Hölloch sind mit Seilen, Leitern und Brücken bereits gut abgesichert. Wo nötig, werden uns die Trekking-Fachleute sichern. Im Hölloch gibt es extrem enge Stellen, bei denen man fast die Luft anhalten muss, um durchzukommen. Aber auch kathedralenartige Räume, in denen es für uns meterweit die Wand hoch geht. Passieren sollte natürlich weder Mann noch Material etwas. Denn ein verknackster Fuss oder eine beschädigte Kamera können die Produktion in die Bredouille bringen. Und eine Bergung kilometerweit vom Höhleneingang entfernt, wäre ziemlich personen- und zeitintensiv.

Ein Hochsee-Segler in der Höhle

Privat war ich vorher noch nie in einer Höhle. Ich bin Hochsee-Segler und klettere gelegentlich. Mit Felsen hatte ich also bereits zu tun, aber nur mit trockenen. In der Höhle herrscht dagegen eine Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent bei permanenten 6 Grad Celsius. Und es ist stockfinster. Das kann mental an die Substanz gehen, deshalb muss man sich darauf vorbereiten. Mir waren bei der Zusammenstellung der technischen Crew Kollegen wichtig, mit denen ich schon oft und eng zusammengearbeitet habe. Damit wir uns als Team von Anfang an buchstäblich blind verstehen. Deshalb bin ich froh, dass Roland Koch als Beleuchter und Tonoperateur und Multitechniker Reto Indergand dabei sind. Wir sind eine gute Seilschaft. Reto wird die Beiträge auch auf dem Laptop schneiden und vertont ausspielen. Das ist mitten in einer Höhle sehr speziell und funktioniert dank der Glasfaserleitung für die Live-Schaltungen. Die haben unsere Monteure im Vorfeld 2,5 Kilometer tief in den Dombiwak verlegt, vorbei an scharfen Felsvorsprüngen und -kanten.

Glasfaser, Lichtmatten und Höhlenforscher-Kommunikation

Über die laufende Kamera können wir auch mit der Aussenwelt kommunizieren. Sonst ist das nur über «Cave-Link» unserer beiden Guides möglich. Das ist ein Datenübertragungs- und Messsystem für die Höhlenforschung und den Bergbau, mit dem man SMS-Nachrichten durch einige Hundert Meter Fels übermitteln kann. Die eingeschränkte Kommunikation zwingt uns, äusserst strukturiert zu arbeiten, entsprechend dem Sendeablauf und klar definierten Aufträgen. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass auch unser «Tag» unter Tage durchstrukturiert ist, und wir in dieser Zeit regelmässig Kunstlicht haben. Denn das ist Mangelware. Stromgeneratoren sind in der Höhle verboten. Deshalb betreiben wir die Produktionsmittel, wie auch unsere Stirnlichter mit Akkus. Zwei Rücksäcke voll werden wir mitnehmen. Wir werden in den vier Tagen sicher auch kleinere oder grössere technische Knacknüsse haben. Doch beim Testdreh hat sich gezeigt, dass das gesamte technische Konzept von tpc Projektleiter Toni Milanese, unserem technischen Verantwortlichen Jörg Glaser und uns funktioniert.

Schlafsack als einzige Rückzugsmöglichkeit

Abends, nach getaner Arbeit wird es rasch kalt werden. In Bewegung gerät man in den Höhlenoveralls schnell ins Schwitzen. Steht man still, kühlt man rasch aus. Noch kälter fühlt es sich an, wenn man sich hinsetzt. Für den Energieschub zwischendurch gibt's Frucht- und Schokoriegel. Heissgetränke und Fertigmenüs erwärmen wir auf dem Camping-Kocher in unserem spartanischen Basislager. Dort stehen auch WC und Dusche. Doch duschen bei sechs Grad Celsius? Schauen wir mal. Geschlafen wird auf Höhlen-Trageliegen, die Schlafsäcke bekommen wir gestellt. Ich nehme lieber meinen eigenen mit. Der ist ein Stück daheim, etwas eigenes, etwas von draussen, eine Art Rückzugsmöglichkeit.

Einmaliges Abenteuer

Gut möglich, dass uns in der Höhle so richtig bewusst wird, in welchem Komfort wir sonst eigentlich leben. Dass es eigentlich gar nicht so viel braucht, wie wir manchmal meinen. Nach Sendeende am 6. Dezember packen wir unsere Sachen zusammen und marschieren los. Wenn alles gut geht, sind wir am Samichlaus-Abend zum ersten Mal nach vier Tagen wieder an der frischen Luft. Regnen sollte es in dieser Zeit nicht allzu viel. Denn sonst läuft in der Höhle die sogenannte «Todeszone» unter dem Wasserspiegel voll, und wir könnten erst mal nicht raus. Wir alle haben Respekt vor den vier Tagen in Kälte, Feuchtigkeit, Dreck und Finsternis. Doch die Produktion ist eine einmalige Herausforderung – und sicher ein unvergessliches Abenteuer.»

Ausstrahlung:«Schweiz aktuell extra – Expedition Hölloch»: Ein Tag im längsten Höhlensystem der Schweiz am Samstag, 6. Dezember 2014, 10 Uhr, SRF 1

Mehr Informationen zur Spezialsendung «Schweiz aktuell extra – Expedition Hölloch» findest du hier:

Zur Sendung

Sendung verpasst? Dann kannst du sie auch online anschauen. Beachte aber: Gewisse Sendungen können aus rechtlichen Gründen nur sieben Tage nach Ausstrahlungsdatum online abgerufen werden.

Text: tpc switzerland ag/Ann-Katrin Frick
Bild vorne (Kachel): SRF
Bilder oben: SRF/Basil Honegger

Tags: behindthescenes schweizaktuell tpc

Kommentare

Lade Kommentare...
Noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinzufügen

Leider konnte dein Kommentar nicht verarbeitet werden. Bitte versuche es später nochmals.

Danke für deinen Kommentar. Dein Kommentar wird moderiert und erscheint hier, sobald er freigeben wird.
Bei Freischaltung erhälst du ein Email auf {author_email}.