Behind the Scenes

«Was macht eigentlich...» ein Pointenschreiber?

Sonntag für Sonntag bringen sie die ganze Deutschschweiz zum Lachen – das Komikerduo Viktor Giacobbo und Mike Müller. Ihre erfolgreiche Late-Night-Show «Giacobbo/Müller» startete diesen Herbst in die 14. Staffel. Was die wenigsten wissen: Nicht alle Pointen stammen vom Satire-Duo selbst. Die Stars hinter den Kulissen sind Chef-Gag-Schreiber Domenico Blass und seine rund 20 freien Ideenlieferanten. Aber was macht eigentlich ein Pointenschreiber?

Seit 2008 ist die Satiresendung «Giacobbo/Müller» fester Bestandteil des SRF-Sonntagabendprogramms. Mit ihrem satirischen Rückblick aufs politische Geschehen belustigen die beiden Komiker wöchentlich mehr als 400‘000 Zuschauer. Doch nicht jeder Lacher, für den Viktor Giacobbo und Mike Müller Applaus ernten, stammt aus ihrer eigenen Feder. Viele Gags der Sendung gehen aufs Konto von Domenico Blass und seinen Pointenschreibern. Als Headwriter ist Blass das Bindeglied zwischen dem Komikerduo und seinen externen Autoren. «Ich bin für die Betreuung der Pointenschreiber und für die Auswahl der Gags, die wir in die Sendung bringen, mitverantwortlich – zusammen mit Viktor Giacobbo und Mike Müller», erklärt Blass.

Die Suche nach der perfekten Pointe

Jeweils donnerstags erhalten die Schreiberlinge von Blass ein Briefing zu den Themen für die kommende Sendung. Die Sujets der Show entstehen aus den aktuellen Schlagzeigen, die das Komikerduo parodisieren will. In einer Datenbank sammeln die Gag-Schreiber Scherze, die ihnen zum vorgegeben Thema einfallen – auch Giacobbo, Müller und Blass tragen dort ihre Pointen ein. Mehrere hundert Pointen werden von den freien Autoren pro Sendung eingereicht. Davon schafft es meist lediglich ein Zehntel in die Show. Was Stoff für einen Lacher ist, diskutiert der Headwriter mit dem Komikerduo einen Tag vor der Sendung aus. «Eine gute Pointe ist in erster Linie lustig. Und wenn sie darüber hinaus noch eine Haltung vertritt oder einen überraschenden Gedanken präsentiert, ist sie perfekt», so Blass. Am Sonntagnachmittag stellen Giacobbo, Müller und Blass die favorisierten Einträge in einen Ablauf und bauen die Gags weiter aus. Sie selber haben die meisten Pointen in der Sendung und sind auch für die Drehbücher aller Sketches verantwortlich.

70 Franken pro Lacher

Die freischaffenden Pointenschreiber werden bei «Giacobbo/Müller» nach Anzahl Witze bezahlt. Für jeden ausgestrahlten Gag gibt es 70 Franken aufs Bankkonto. Deshalb sind die Autoren nur nebenberuflich als Pointenschreiber tätig, da sie nicht wie Blass, Giacobbo und Müller pauschal honoriert werden. Sie stammen aus verschiedensten Jobbranchen. Einige sind Werbetexter, andere Lehrer, Architekten oder Studenten. Reich werden sie als Gag-Schreiber wahrscheinlich nicht, Spass macht der Job aber trotzdem. Das Schönste am Beruf sei sowieso, dass man selber oft lachen kann, «und im besten Fall ganz viele andere Menschen zum Lachen bringt», findet Chef-Gag-Schreiber Blass.

Wie man Pointenschreiber wird, welche Voraussetzungen man für den Beruf braucht und wie die Arbeitsbedingungen aussehen, erfährst du hier:

Zum Berufsprofil

Text: Elena Tzvetanova
Bild: «Giacobbo/Müller» (© SRF/Christian Lanz); Portrait Domenico Blass (© Regula Müdespacher)

Tags: berufe berufsprofil giacobbomüller pointenschreiber satire

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