Behind the Scenes

«Wenn die Gäste vergessen, dass Kameras laufen, haben wir etwas richtig gemacht»

«Virus TV»-Produzent Ivo Amarilli darüber, wie man in zwei Monaten eine Fernsehsendung auf die Beine stellt und warum er bei seiner Arbeit manchmal auch bastelt. Ausserdem erklärt er uns, was Trimedialität für «Virus TV» bedeutet und wie Beiträge von den Social-Media-Kanälen in die Sendung eingebunden werden.

SRG Insider: Seit wann gibt es «Virus TV» und wie fing alles an?

Ivo Amarilli: «Virus TV» gibt es jetzt seit eineinhalb Jahren, März 2012, und ich bin seit Beginn dabei. Es geschah alles sehr kurzfristig damals. Wir haben im Dezember von der Geschäftsleitung erfahren, dass es die Idee gibt, mit Virus eine Fernsehsendung zu produzieren. Es stand lediglich fest, dass die Sendung etwas mit Musik zu tun haben, trimedial sein soll und Radio und Fernsehen verknüpfen sollte. Dann sagte man uns «und in zwei Monaten geht ihr auf Sendung».

Wie seid ihr vorgegangen?

Zuerst dachten wir «vergesst es, das schaffen wir nie, eine Sendung in zwei Monaten auf die Beine zu stellen». Das Team bestand aus lauter Radioleuten, die keine Ahnung von Fernsehen hatten. Einzig Arbeitsgruppeleiterin Nadja Zimmermann war TV-Profi. Ausserdem hatten wir kein Studio, kein Konzept, keine Moderatoren, nichts. Doch dann hat uns der Ehrgeiz gepackt und wir haben begonnen, ein Konzept zu entwickeln. Das alles so schnell gehen musste, hat sich auch als Chance herausgestellt. Wir hatten gar keine Zeit, um gross zu überlegen und haben einfach gemacht. Das war irgendwie cool. Wir haben es dann auch geschafft, plus, minus, das Studio wurde zum Beispiel erst einen Tag vor der ersten Sendung fertig.

Und was ist deine Aufgabe als «Virus TV»-Produzent?

Meine Co-Produzentin Noëlle Guidon und ich sind für die Planung und Konzeption der Sendung und ihrer Inhalte zuständig. Dabei wechseln wir uns jeweils ab, ich produziere jede zweite Sendung. Ich lade die Gäste ein, besorge (oder bastle) die Requisiten und sitze während der Sendung in der Regie. Zusammenfassend bin ich für all das verantwortlich, was mit dem Inhalt der Sendung zu tun hat. Die technischen Aufgaben teile ich mir mit dem Regisseur.

Was ist heute das Konzept von «Virus TV»?

Mittlerweile ist das Konzept schon viel klarer wie zu Beginn. Die ursprüngliche Idee war, dass Gäste eingeladen werden und man mit ihnen über Musik redet. Damals waren das noch eher Gäste, die auch im Musikprogramm vom Radiosender SRF Virus ein Thema waren, also Musiker, die nicht im Mainstream-Bereich angesiedelt sind. Ausserdem wollten wir anders, frecher und schneller sein, als man es sich im Fernsehen gewohnt ist. Im Grundsatz ist das auch heute noch unser Konzept. Was sich aber geändert hat ist, dass wir heute absichtlich Leute einladen, die nicht unbedingt ins Virus-Konzept passsen. Es sind bekannte Persönlichkeiten, auch aus dem Mainstream, die wir dann in unseren Kosmos versetzen, und auf unsere Art vorstellen, zum Beispiel über ihren Musikgeschmack. Das Ziel ist, Personen, die bereits überall in den Medien bekannt sind, auf eine andere Art zu zeigen, auf unsere Art.

Du hast die Trimedialität angesprochen. Was bedeutet das im Fall von «Virus TV»?

Wir verknüpfen die Kanäle Fernsehen, Radio und Web. Zuerst haben wir die Fernsehsendung mit Anic Lautenschlager und Andi Rohrer, danach gehen die Gäste direkt ins Radiostudio nebenan, wo die Sendung mit Robin Rehmann weiter geht. Unter der Woche wird im Radio auf die Sendung hingewiesen, indem wir Radioinhalte produzieren, welche mit der TV Sendung korrespondieren. Dann gibt es das Web, das bei Virus sowieso immer mit dabei ist. Das beinhaltet einerseits die Website und andererseits die Social-Media-Kanäle wie Facebook und Twitter.

Wie involviert ihr Beiträge von euren Social-Media-Kanälen?

Wir haben die Möglichkeit, Fragen oder Kommentare aus dem Web direkt in die Sendung aufzunehmen. Wenn wir zum Beispiel einen Fact über unseren Gast kritisch betrachten wollen, können wir im Vorherein die Zuschauer im Web fragen «Wie findest du das?» und die Kommentare dann in die Sendung einzubauen. Am coolsten finde ich es, wenn während der Sendung unerwartete Meldungen kommen, die das Gespräch bereichern. Wenn etwas kommt, nehmen wir es sehr gerne spontan in die Sendung auf.

Was waren deine Highlights in diesem ersten Jahr «Virus TV»?

Es gab für mich viele schöne Momente. Was mir immer am besten gefällt, sind Sendungen, in denen wir es schaffen, dass ein Gast sich bei uns wohl fühlt. So erfährt man dann auch Geschichten, die er oder sie sonst nirgends erzählt. Wir hatten schon ein paar Gäste, wie Dieter Meier oder Marco Rima die uns nach der Sendung erzählten, sie hätten völlig vergessen, dass da überhaupt Kameras liefen. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass wir etwas richtig machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns in ein paar Jahren an diese Zeit zurückerinnern und sagen «weisst du noch, wie geil das war?!». Wir haben viele Freiheiten und ein wirklich tolles Team, das gut miteinander harmoniert und Quelle für viele kreative Ideen ist.

Welchen Gast würdest du dir für die Sendung noch wünschen?

Unser grösster Traum ist es, einmal Roger Federer in der Sendung zu haben. Das will jeder. Ich glaube, die Sportredaktion würde uns umbringen, wenn wir das schaffen würden (lacht). Gerne hätte ich auch mal einen Politiker in der Sendung. Diese haben sich allerdings bisher nicht getraut, zuzusagen. Ich stelle es mir interessant vor, sie zur Abwechslung auch mal als Privatpersonen zu zeigen und mit ihnen über Musik zu sprechen.

Wie sieht die Zukunft von «Virus TV» aus?

Ich glaube, angekommen sind wir nie, die Sendung wird sich immer weiter und in neue Richtungen entwickeln. In dem Moment, wo wir das Gefühl hätten, dass wir mit der Sendung alles erreicht hätten, wäre wahrscheinlich auch der Zeitpunkt, in dem wir die Sendung einstellen müssten. Zurzeit versuchen wir gerade, immer mal wieder auch Sendungen «von draussen» zu produzieren – z.B. an Open Air-Konzerten oder am Freestyle-Event. Ich persönlich würde mir wünschen, dass es «Virus TV» noch lange gibt. Eine unserer grossen Stärken ist es, zu zeigen, dass man auch mit einem kleinen Budget etwas Gutes machen kann.

Ivo Amarilli (26) ist Produzent und Moderator bei SRF Virus. Ursprünglich in der Administration von Virus eingestellt, moderierte er bald die Schweizer Musiksendung «CH Gschnätzlets» und produziert heute die trimediale Fernsehsendung «Virus TV».

Text und Interview: SRG Insider/Viviane Aubert
Bild 1 & 2: SRG Insider/Viviane Aubert
Bild 3: SRF

Tags: behindthescenes virus virustv

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