Behind the Scenes

Soziale Medien im Journalismus: Fluch oder Segen?

Am SRG-Qualitätssymposium vom 3. Oktober 2013 diskutierten Journalist(inn)en aus der ganzen Schweiz und den Nachbarländern Fragen zu ihrem Beruf und zur Rolle und Verantwortung der Medien. Zu diskutieren gaben dabei vor allem die sozialen Medien.

Wie können sich Journalisten gegen Druck- und Einschüchterungsversuche wehren? Braucht es in der Schweiz neue Gesetze, um beispielsweise Whistleblower zu schützen? Und gibt es genügend Nachwuchs im Journalismus? Diese und andere Fragen wurden am SRG-Qualitätssymposium in Genf diskutiert. Zu reden gab dabei auch die Rolle der sozialen Netze. Unter dem Motto «Alles über jeden überall und jederzeit wissen: Qualitätsjournalismus im Zeitalter der sozialen Netzwerke» diskutierten die Medienschaffende ihre unterschiedlichen Ansichten, darunter auch Philippe Favre, Chefredaktor von «20minutes». Was dieser zum Thema zu sagen hatte, gefiel manchen Zuhörern und Zuhörerinnen überhaupt nicht.

«Soziale Netze sind die Rettung unseres Berufs»

Für Philippe Favre sind soziale Medien mittlerweile ein Grundbestandteil der journalistischen Arbeit. Sie erlauben es seiner Ansicht nach, der täglichen Informationsflut Herr zu werden. Denn die Arbeit eines Journalisten bestehe immer mehr auch darin, Wichtiges von Nebensächlichem zu trennen - sprich: Informationen zu filtern. Dabei seien soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook enorm hilfreich, denn sie zeigten auf, was die Leute beschäftige, so Favre.

Der Gründerin des französischen Politmagazins «Le Causeur», Elisabeth Lévy, ist die Kurznachrichtenplattform Twitter hingegen ein Dorn im Auge. «Wie soll man den Leser mit einem so knappen Text denn bitte informieren?», fragte sie. Überhaupt sei es doch unsinnig, ohne Unterbruch Meldungen zu verbreiten. Wer sich informieren wolle, müsse sich zuerst einmal hinsetzen, nachdenken und erst dann die Information weiterverbreiten. Und: «Die Leute, die sich beschweren, dass sie von den Regierungen bespitzelt werden, ziehen sich doch gleichzeitig online aus!»

«Ein Tweet ist nur der Anfang einer Geschichte»

Konrad Weber, Redaktor von SRF News Online, ist weit weniger skeptisch gegenüber den Möglichkeiten von sozialen Netzwerken im Journalismus. Er ist Mitverfasser einer Anleitung zur Recherche in sozialen Netzen für SRF-Journalisten. Soziale Medien seien eine wichtige Quelle von Informationen, wenn man deren Regeln und Grenzen respektiere. Allerdings gab er zu bedenken: «Wir müssen aufpassen, dass man wir unser Publikum nicht zu ‚Hilfspolizisten‘ umfunktionieren.» So habe die Bild-Zeitung in Deutschland beispielsweise ein System lanciert, mit Hilfe dessen Leser in einer Region gezielt aufgerufen werden können an die Schauplätze von Ereignissen zu gehen und Fotos zu machen. Man könne sich leicht vorstellen, dass dies auch bei Unfällen, Verbrechen und Ähnlichem gemacht würde.

Zum Abschluss der Diskussion relativierte schliesslich auch Philippe Favre sein Eröffnungs-Statement: So verbreite man bei «20minutes» Storys, die man in sozialen Netzwerken finde, nicht ungeprüft weiter. «Verifiziert werden muss immer», bilanzierte Favre.

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Text: Oliver Fuchs
Bild: Colourbox

Tags: journalismus qualitaet srg symposium

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