Behind the Scenes

«Laienreporter» bei SRF?

Viele Medien rufen ihr Publikum auf, Bilder und Videos einzuschicken. Einsender werden häufig entlohnt, dafür verfügen die Medien über ein günstiges und flexibles Netzwerk aus ‹Live-vor-Ort-Korrespondenten›. Wie nutzt SRF solchen Mitmachjournalismus?

Visual SRF Augenzeuge mit überfluteter Strasse im Hintergrund

Informative und ansprechend präsentierte Nachrichten sind aufwändig. Hintergrundrecherchen, das Einholen von Statements und Führen von Interviews, die Produktion von Bild- und Tonmaterial, die Aufbereitung und Präsentation – all dies kostet Zeit und Geld. Immer häufiger wird das Publikum daher kurzerhand zu Laienreportern umfunktioniert. Diese haben ihre Smartphones - und damit Kameras und Mikrofone - überall mit dabei. «Laienreporter» sind keine Journalisten. Doch im Idealfall verfügen Anbieter über ein Netzwerk von «Reportern», die in Echtzeit zu einem Ereignis «berichten». Damit wird die Zeitspanne überbrückt, bis Profis vor Ort sind, um das Ereignis einzuordnen und Hintergründe zu liefern.

Wie man den User zum Reporter macht

Beinahe alle grossen Tageszeitungen in der Schweiz werben aktiv um solche «Leser-Reporter» und speziell deren Bilder: 20minuten, Blick, der TagesAnzeiger – sie alle haben spezielle Portale. Diese bieten die Möglichkeit, Bilder per Mail, MMS oder Upload auf der Website einzuschicken. Brauchbare Einsendungen werden redaktionell aufbereitet und auf den Portalen präsentiert. In der Fernsehbranche gehört CNN zu den Vorreitern. Bereits seit 2006 ist CNN iReport aktiv und täglich gehen bis zu einem Dutzend Beiträge online.

Das entsprechende Angebot von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), der «SRF Augenzeuge», ist im Vergleich zu den Portalen der Konkurrenz sehr schlicht. «Sie sind Augenzeuge eines interessanten Ereignisses?», fragt eine Textmeldung, gefolgt von der Aufforderung, Material per Mail einzuschicken. Auch die SRF Mobile App beschränkt sich auf darauf.

Wir hakten bei Konrad Weber von SRF News Online nach, um den Stellenwert von solchem «User Generated Content» (auf Deutsch: vom Nutzer erstellte Inhalte) in der SRF Berichterstattung zu klären: «Unter «SRF Augenzeuge» verstehen wir die Möglichkeit, via Website oder Smartphone-App Bilder, Videos und Nachrichten als Hinweise an die Redaktion zu senden. «SRF Augenzeuge» ist aber nur ein Instrument, wie die User an die Redaktion gelangen können. So treten wir als SRF News auch bei Twitter und Facebook auf und verbreiten dort in erster Linie unsere journalistischen Inhalte.» Doch auch auf diesen Social Media-Kanälen höre man hin und nehme Inputs entgegen.

Wenn der User nicht zu uns kommt, gehen wir zu ihm

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Kommunikationskanälen, wie Telefon und E-Mail, ist auf Plattformen wie Twitter und Facebook der Austausch weniger einseitig. Während die Zuschauer normalerweise von sich aus Hinweise an die Redaktion herantragen, kann SRF im Netz von sich aus aktiv auf die Suche gehen. Ein gutes Beispiel hierfür war ein Wasserrohrbruch in der Stadt Zürich von vergangenem März. Erste Hinweise und Bilder erreichten SRF via Twitter.

Es sei allerdings für SRF, so Weber, nicht einfach, Anreize zum Mitmachen zu schaffen. Man könne - im Gegensatz zu Mitbewerbern - Einsender nicht entschädigen. Andererseits sei für Einsender ein starker Anreiz, namentlich in einer Sendung wie der «Tagesschau» oder «10vor10» erwähnt zu werden. Doch auch hier könne unter Zeitdruck einiges schief gehen. Angenommen, der Einsender der Meldung würde nicht deutlich genug als Quelle erwähnt, wäre es verständlich, wenn sich dieser nie wieder melden würden.

Ausbaufähige, aber bereits wichtige Quelle

Trotz diesen Einschränkungen erhält SRF Einsendungen. Am meisten Meldungen träfen ein, wenn in einer gewissen Region extreme Wetterverhältnisse vorherrschten: Überschwemmungen, viel Schnee oder Hagel. In solchen Momenten erreichten jeweils mehrere hundert Hinweise pro Woche die Redaktion. Es gäbe aber auch Wochen, z.B. während der Sommerferien, in welchen nur einige Dutzend Meldungen eintreffen, so Weber.

SRF arbeitet aktiv daran, die bereits bestehenden Kanäle weiter auszubauen. Weber ist es daher ein Anliegen, dass sich SRF-Mitarbeiter auch intensiv mit den neuen Möglichkeiten des Netzes auseinandersetzen. Ein Weg sei der interne Austausch: «Wir hatten schon einige Redaktoren von Radio und Fernsehen auf der News-Online-Redaktion zu Besuch, die während einigen Tagen oder auch Wochen auf der Redaktion mitgearbeitet haben. Das Ziel ist aber natürlich, diese Journalisten nicht nur mit den Social Media-Möglichkeiten vertrauter zu machen, sondern ihnen generell die Funktionen des Online-Journalismus näher zu bringen.»

Text: Oliver Fuchs
Bild: SRF

Tags: laienreporter mitmachjournalismus srf

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