Behind the Scenes

Streit um TV-Quoten geht in die nächste Runde

Diese Woche waren die Schweizer TV-Einschaltquoten für einige Stunden öffentlich. Kaum geschehen, liess der Sender 3+ eine Publikation erneut verbieten. Noch immer beharrt Dominik Kaiser, Chef von 3+, darauf, dass die Zahlen der neuen Messmethode falsch sind. Die SRG SSR sieht dies anders und bedauert, dass die Zahlen noch immer unter Verschluss sind – und behält sich rechtliche Schritte vor.

Der Ärger der SRG über den Maulkorb zur Publikation der für den Werbemarkt so wichtigen Daten wundert wenig. Die am Vortag der gerichtlichen Verfügung publizierten TV-Daten des ersten Quartals 2013 durch die TV-Vermarkterin Publisuisse zeigen ein äusserst erfolgreiches Bild. Sowohl in der Primetime als auch im Gesamttagesverlauf waren die Programme von SRF, RTS und RSI Marktleader. Beim SRF erreichten «Ski Alpin», allen vorab die Abfahrt am Lauberhorn, Traumqouten. Sehr gut geschaut wurden auch SRF-Produktionen «Tatort/Schmutziger Donnerstag», «Der Bestatter» und beim jungen Publikum «The Voice of Switzerland».

SRG und UVEK glauben an neue Messmethode
Das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) kam im Mai zum Schluss, dass das neue Messsystem gesetzeskonform sei und es keinen Grund gebe, die Publikation der Daten zu unterbinden. Der für die Verfügung verantwortliche Privatsenders 3+ bezweifelt aber immer noch, dass die neue Messmethode richtige Zahlen liefert. Nach wie vor seien wesentliche Fragen unbeantwortet und die Zahlen falsch, teilte 3+-Chef Dominik Kaiser auf Anfrage der Schweiz am Sonntag mit.

Auch die SRG ist überzeugt, dass die Methode den Anforderungen von Gesetz und Markt erfüllt. Allfällige Feinkorrekturen würden sich im laufenden Betrieb auch ohne Publikationsverbot umsetzen lassen, heisst es in einer internen Sprachregelung der SRG zum Sachverhalt. Die Verfügung richte sich gegen das UVEK und die für die Medienforschung zuständigen Firmen Mediapulse und Publica Data. Trotzdem publizieren die SRG und Publisuisse, die damit nur indirekt betroffen sind, vorerst keine TV-Nutzungsdaten mehr.

SRG prüft rechtliche Schritte
Im Quotenstreit geht es um Millionenbeträge. Über die genaue Summe will Publisuisse auf Anfrage der Schweiz am Sonntag keine Angaben machen. Publisuisse-Sprecherin Romi Hofer bestätigt aber, dass das Verbot einen negativen Einfluss auf die Werbeeinnahmen habe. Und der Schaden werde immer grösser, je länger das Verbot aufrechterhalten werde.

Gegenüber Inisde SRG bestätigt SRG-Mediensprecher Daniel Steiner, «dass sich die SRG rechtliche Schritte gegen eine allfällige für den Schaden verantwortliche Institution vorbehält.» Zurzeit sei noch keine Klage eingereicht worden, man wolle zuerst die weitere Entwicklung abwarten. «Nach Abschluss werden wir sämtliche Optionen prüften», führt er aus.

Mediapulse drängt auf schnelle Lösung
Gemäss NZZ hat Mediapulse beim Bundesverwaltungsgericht bereits ihre Stellungnahme eingereicht. Auf Anfrage der Zeitung bestätigte deren Sprecher Nico Gurtner, dass man darauf hinarbeite, diese Verfügung so schnell wie möglich aufzuheben oder einzuschränken.

Offenbar sähe Meiapulse bereits ein wichtiges Ziel erreicht, wenn das Publikationsverbot bloss die Daten des Beschwerdeführers 3+ betreffen würde, schreibt die NZZ. In diesem Fall könnten zumindest jene Sender, welche das neue Messsystem unterstützen, ihre Resultate vermarkten.

Hintergrundinformationen zu Ursprung und Entwicklungen m Quoten-Streit lesen Sie im hier im Artikel «TV-Quoten: Der Ursprung der Unzufriedenheit», erschienen am 25. Juni 2013 im digitalen Medienmagazin «Medienwoche».

Quellen: Medienmitteilung publisuisse; sda; Schweiz am Sonntag
Text: SRG.D, Christa Arnet
Bild: Colourbox

Tags: mediapulse quoten srg

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