Behind the Scenes

Studiotag bei SRF mySchool: Der Medienwelt auf der Spur

Einmal selbst in die Rolle des Moderators schlüpfen und den Fernsehalltag miterleben – «SRF mySchool» machte es möglich. Mitte Juni 2013 nahmen 30 Schulklassen im Studio Leutschenbach an Interviewtrainings mit SRF-Moderatorinnen und -Moderatoren teil. Schülerinnen und Schüler berichten, was sie an diesem Tag erlebt und gelernt haben.

Über 100 Schulklassen hatten sich für die Studiotage von SRF mySchool angemeldet, nur 28 Klassen oder rund 520 Schülerinnen und Schüler konnten allerdings in den Genuss des Studioworkshops kommen. Dabei hatten sie im Sportstudio Gelegenheit, an Kameras zu stehen, in der Licht-, Ton- oder Hauptregie mitzuwirken und prominenten Moderatorinnen und Moderatoren auf den Zahn zu fühlen. «Da konnte es schon einmal vorkommen, dass Reto Lipp, auf eine Frage, der er mit einer Gegenfrage begegnen wollte, ein bestimmtes 'Würden Sie bitte meine Frage beantworten?' zu hören bekam», berichtet «mySchool»-Redaktionsleiterin Barbara Krieger (s. Bildergalerie oben, ganz rechts). «Eine tolle Aktion, die sowohl den breitwillig mitwirkenden Profis – Sonja Hasler, Christine Maier, Reto Lipp, Tobias Müller, Daniela Lager, Sandro Brotz, Nicole Ulrich – als auch den Lernenden und Lehrenden sowie der organisierenden «mySchool»-Redaktion viel Spass machte und einiges an Goodwill für SRF geschaffen haben dürfte», so Krieger weiter. Denn: Nicht wenige der Schulklassen wurden bei ihrem Ausflug ins SRF-Fernsehstudio von Lokaljournalisten begleitet.

«Diesen Studiotag dürfen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen!»
«Ich dachte sofort an meine Klasse, alles junge Leistungssportlerinnen und Leistungssportler mit dem Ziel einmal Olympiasiegerin oder Weltmeister zu werden», beschreibt die Pratteler Lehrerin Claudia Hadorn den Moment, also sie den Aufruf zum «mySchool»-Studiotag online entdeckte. «Wenn einige meiner Schülerinnen und Schüler dieses Ziel erreichen, werden sie vielleicht in einer Sportsendung als Gast über ihre Erfolge berichten. Und ich werde dann vor dem Fernseher sitzen, zusehen und natürlich ein bisschen stolz sein.» Genau so wie damals, als zwei ehemaligen Schüler von Claudia Hadorn im ‚sportpanorama‘ bzw. in der ‚sportlounge‘ zu Gast waren. Somit sei für sie sofort klar gewesen: «Diesen Studiotag dürfen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen!»

Hier die Erfahrungsberichte einiger Pratteler Schülerinnen und Schüler:


Was fragt man eine Fernsehmoderatorin?

«Zusammen mit unserem Klassenlehrer bereiteten wir Fragen vor, die wir Frau Hasler stellen wollten. Als Erstes recherchierten wir im Internet, um einige Eckdaten zur Person zu erfahren. Aufgrund dieser Angaben u.a. formulierten wir Fragen. Dabei lernten wir, dass offene Fragen viel mehr an Informationen und Folgefragen ermöglichen als geschlossene Fragen, auf welche die Interviewpartnerin mit einem blossen «Ja» oder einem «Nein» antworten kann. Weiter erfuhren wir, dass Fragen nach dem «Warum?» ein Gespräch erschweren können, weil bei solchen Fragen es oft schwierig sein kann, den wahren Grund zu finden. Aufgrund dieser Erkenntnisse sind u.a. folgende Fragen entstanden, die wir bei unserem Besuch bei SRF Frau Hasler teilweise gestellt haben:

  • Was motiviert Sie, den Beruf einer Moderatorin auszuüben?
  • Was erachten Sie als grösste Herausforderung im Beruf einer Moderatorin?
  • Wie sehen die Vorbereitungen einer Arenasendung aus? Inhaltlich? Zeitlich?
  • Wenn es die Sendungen «Rundschau» und «Arena» nicht gäbe, was würde dann dem Schweizer Fernsehen fehlen?
  • Was könnte das Fernsehen aus Ihrer Sicht (noch) tun, um das Interesse und Verständnis bei Jugendlichen für Politik zu steigern?
  • Was denken Sie, in welchem Alter sollten sich Kinder mit Politik befassen?
  • Welchen Einfluss übt ihr Theologiestudium auf ihre heutige Berufung aus?
  • Welches bezeichnen Sie als eindrücklichstes Erlebnis als Moderatorin?
  • Was müsste passieren, dass Sie dem heutigen Beruf den Rücken kehren würden?
  • Welches war für Sie die bisher heikelste Arenasendung?
  • Und weshalb?
  • Welches bezeichnen Sie als ihre emotionalste Sendung in ihrer Karriere?
  • Wo stehen Sie politisch in ihrem Privatleben? .....
  • ..... Und wie gelingt es Ihnen allparteilich zu bleiben in einer Arenasendung?
  • Welches war Ihr bisherig eindrücklichstes Reiseziel im Zusammenhang mit ihrer Arbeit?
  • Wie nervös fühlen Sie sich vor Ihren Auftritten?
  • Wie kommen Sie mit Gerüchten klar? - Falls es überhaupt welche gibt.»

Text: Nicole Wenger, 9. Klasse


Eintauchen in die Fernsehwelt und staunen

«Als wir in Richtung des Fernsehstudios liefen, war ich schon das erste Mal an diesem Tag begeistert und zwar über den grossen Gebäudekomplex, der vor uns stand. Kaum eingetreten wurden wir von einigen Angestellten freundlich begrüsst und erhielten erste Informationen. Auf direktem Weg ging es ins Sportstudio. Dort fiel ich aus allen Wolken. Der Raum schien viel kleiner zu sein, als er mir am Fernsehen zuhause vorkam. Als ich mich auf die Sitzreihen niederliess, stellte ich fest, dass sie aus Holz gefertigt waren. Ich hatte Beton erwartet. Nun führten einige meiner Klassenkameradinnen mit der Moderatorin, Frau Sonja Hasler, ein Interview durch. Ich hatte das Glück, diese Interviews im Tonstudio mitverfolgen zu dürfen. Ein weiteres Mal kam ich nicht aus dem Staunen heraus. Der Mann hinter dem Mischpult erklärte mir, dass es über 1000 Knöpfe vor sich habe und jederzeit wisse, wann er welchen zu bedienen habe.

Am Nachmittag wurden wir zu einem Rundgang durch die einzelnen Studios eingeladen. Wie wunderte ich mich abermals, als unser Begleiter, Herr Wälchli, uns aufklärte, dass eine HD auflösende Kamera bis zu 120`000 Franken kosten würde. In einem weiteren Studio wurde von unserer Gruppe ein Foto geschossen. Den Hintergrund dazu konnten wir wählen. Wir konnten aussuchen, ob wir zum Beispiel auf dem Meteodach stehen wollten oder doch lieber im Tagesschaustudio.

Nach dem sehr interessanten und auch ein wenig anstrengenden Rundgang war es bald wieder Zeit, die Heimreise nach Liestal anzutreten.

Wenn ich nochmals die Gelegenheit bekäme, das Fernsehstudio zu besuchen, ich würde ohne zu zögern einwilligen. Ich fand den Ausflug sehr gelungen und es war ein toller Tag. Danke für alles!

Text: Silas Kipfer, 8. Klasse


Auf Tuchfühlung mit der Moderatorin

«Als wir für das Interview bereit auf dem harten Sofa sassen, bekamen wir schon etwas Herzklopfen. Unsere Hände wurden feuchter und feuchter. Die Vorstellung, auf genau jenen Bänken platz genommen zu haben, auf denen normalerweise Spitzensportlerinnen aus aller Welt Rede und Antwort stehen, fühlte sich schon etwas eigentümlich an. Über Frau Hasler wussten wir, ausser den wenigen Informationen aus den Recherchen, nicht wirklich viel. Völlig offen war auch, wie sie auf unsere Fragen reagieren würde. Doch schon nach den ersten Sekunden unseres Aufeinandertreffens, wirkte die Moderatorin sehr sympathisch auf uns und auch ein bisschen beruhigend. Sie antwortete kompetent und jeweils ohne lange zu zögern auf unsere Fragen. Im zweiten Durchgang empfanden wir dadurch schon mehr Sicherheit und hakten mutiger nach. Nachdem wir unsere Fragen gestellt hatten und beantwortet bekamen, analysierten wir gemeinsam mit der Fachfrau unsere kurzen Interviews und wie wir dabei gewirkt haben. Wir besprachen sowohl das Gelungene als auch das Verbesserungswürdige. Frau Hasler gab uns wertvolle Tipps, sprach Lob aus und machte uns Mut. Danach beobachteten wir schon mit einem etwas geschulteren Auge und zurückkehrender Entspannung von den Zuschauer/innensitzen aus mit Interesse unsere Klassenkameraden beim Interviewtraining.

Diese Arbeit im Studio betrachten wir als spannend und lehrreich. Und dass zum Mittagessen noch schmackhafte Spagettis aufgetischt wurden, war das Tüpfelchen auf dem i.»

Text: Moira Ciliberto und Anina Wechsler, 6. Klasse


Nichts ist so, wie es scheint

«Ich habe es mir vor dem Fernseher Zuhause bequem gemacht. Glanz und Gloria flimmert über die Mattscheibe. Eine junge Frau, vorteilhaft ins Licht gerückt; von den Schuhen, zur Kleidung, welche Ihre Figur betont, bis die ins letzte Detail aufgetragene Schminke, die Frisur, alles Glanz und Gloria. Mit leicht gekreuzten Beinen, die von High-Heels getragen werden, légère mit einem Arm auf ein erhöhtes Podest abgestützt, begrüsst sie, in der Absicht locker wirken zu wollen, mich als Zuschauerin Zuhause. In das in rosa Pastellfarben getauchte, grossräumig wirkende Studio eingeladen, welches etwas barbiemässig anmutet, darf ich für ein paar Minuten an der grossen Welt der Stars, des Jetsets und der Superreichen teilhaben und manchmal sogar ein wenig das Gefühl hegen, dazu zu gehören. Die äusserst schlanke Moderatorin wirkt zuweilen etwas künstlich, in ihrer Schlankheit fast schon kränklich auf mich und die Pommes Chips auf meinem Tisch vor mir wie nicht dazu passend.

Wer da mit wem verbandelt ist oder sich soeben getrennt hat, wer sich wie kleidet, wer welche Meere auf seiner Jacht befährt und wer wie viel und viel mehr verdient als meine Eltern, interessiert mich zugegebenermassen eigentlich, naja.......

Szenenwechsel

.......Wir betreten auf unserer Besichtigungstour durch die SRF Studios einen weiteren Raum. Von den Eindrücken am Bildschirm her erwarte ich ein Studio mit der Grundfläche eines Basketballfeldes. Ganz aufgeregt, diesen grossen Raum betreten zu dürfen, haste ich zusammen mit meiner Gruppe Martin Wälchli mit steigendem Puls hinterher. Die Vorfreude ist gross und die Erwartungen noch grösser. Doch das Ganze entpuppt sich als mehr Schein als Sein. Das Studio, welches ich vom Fernseher her in Erinnerung habe, ist nicht grösser als unser Klassenzimmer. Geschätzte zehn auf zehn Meter. Auf engstem Raum stehen die Kulissen von «Glanz und Gloria“, der heisse Stuhl, der Sendung «Rundschau“, der gar nicht so heiss aussieht und ein Element vom «Fenster zum Sonntag». Was am Bildschirm so imponierend daherkommt, ist in erster Linie aus Holz angefertigt und von Hand bemalt. Dank der unzähligen Scheinwerfer an der Decke und einiger raffinierter Kamera-einstellungen, werden diese Kulissen in ein vorteilhaftes Licht gerückt und zur grossen Welt. Sie vermitteln uns als Konsumentinnen Grösse und Perfektion.

Immer noch etwas baff, was mit Technik und Taktik alles zu erreichen ist, wechseln wir zu jenem Raum, wo die Moderatorinnen und Moderatoren und andere Mitwirkende an Sendungen ihren letzten Schliff für ein vorteilhaftes Erscheinungsbild schichtweise aufgetragen bekommen. Martin Wälchli erzählt uns mit viel Engagement und sehr unterhaltend, dass die Maske einen sehr wichtigen Teil einer Sendevorbereitung darstellt und wie nicht anders zu erwarten, die Frauen bis zu einer Stunde Zeit investieren, nur um bei uns Zuhause auf dem Bildschirm bis ins kleinste Detail perfekt zu wirken. Bei den Männern geht dieses Prozedere um einiges kürzer, obwohl ich sicher bin, dass auch sie besonders gut rüberkommen wollen. Aus meiner Sicht allerdings, wirken diese Frauen und Männer durch ihre Aufmache am Bildschirm immer wieder auch etwas unnatürlich und künstlich auf mich. Vor allem kommen mir die Frauen auf ihren hohen Absätzen manchmal wie Störchinnen im Salat vor.

Gerade, weil ich jetzt mehr über «Fernsehmachen» erfahren habe, finde ich es äusserst spannend, die verschiedenen Sendungen Zuhause vor dem Bildschirm nun aufgrund unseres Besuchs mit anderen Augen zu betrachten. Auch Glanz und Gloria.

Nun bedanke ich mich ganz herzlich im Namen der ganzen Klasse für den spannenden und informationsreichen Einblick in die Welt des SRF und die tolle und kompetente Begleitung durch Fachpersonen.»

Text: Jill Reich, 8. Klasse
Bilder: Schülerinnen und Schüler der Sportklasse Baselland in Pratteln (SRF/Oscar Alessio)


* «SRF mySchool» führte die Aktion «Studiotag bei SRF» im Rahmen seines neu lancierten Angebots zum Thema Medienkompetenz durch. Denn: Der Ruf nach Medienkompetenz ist in der Bildungslandschaft Schweiz unüberhörbar. Im Unterricht sollen Medien – einschliesslich Informations- und Kommunikationstechnologien – gemäss dem D-EDK-Projekt «Lehrplan 21» stärker berücksichtigt werden. «SRF mySchool» bietet den Lehrpersonen dafür 24 neue Filme mit umfangreichem und praxisbezogenem Unterrichtsmaterial an. Die Sensibilisierung für und der Umgang mit neuen Medien stehen dabei im Zentrum: Datenschutz, Games, Sucht, Copyright, Social Media, die Welt der News, Zensur, Interviewtechnik oder die Geschichte des Computers. Die Filme vermitteln einerseits Basiswissen und Experten-Knowhow. Andererseits porträtieren sie Jugendliche, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven ihre Erfahrung und Meinung zu den einzelnen Themen erzählen. Zu den Sendungen entwickelte ein Autorenteam des Fachbereichs Medienbildung der PH Zürich massgeschneidertes Unterrichtsmaterial. Lehrpersonen können dies von den entsprechenden «mySchool»-Sendungsseiten kostenlos herunterladen. Die Unterrichtseinheiten und Arbeitsblätter sind in verschiedenen Fächern und auf allen Stufen einsetzbar (MS, Sek I, Sek II). Alle Filme lassen sind online zeitlich unbegrenzt sowohl bei «SRF mySchool» oder im «SRF Player» abspielen.

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Tags: medienkompetenz srf srfmyschool

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