Behind the Scenes

Radio X in Basel: Eine Radiostation, auf der Vielfalt Programm ist

Mit seinem integrativen Konzept bietet Radio X eine ideale Ergänzung zum SRG-Regionalprogramm. Deshalb unterstützte die SRG Region Basel den Sender bei seinem Umzug auf das Dreispitzareal finanziell.

Das Herzstück des Studios von Radio X auf dem Basler Dreispitzareal ist die grosse Lounge: An einem Tisch mit mehreren Arbeitsplätzen bereiten Mitarbeiterinnen ihre Beiträge vor, ein Praktikant holt sich in der Küchennische einen Kaffee. Im Sitzungszimmer hat sich derweil die Tagesredaktion versammelt. Geschäftsführer Thomas Jenny verteilt Einladungen zu Pressekonferenzen und kulturellen Anlässen unter den drei Praktikantinnen und dem Praktikanten, während Tagesredaktionsleiterin Mica Liechti die geplanten Beiträge im Computer festhält.

Jung und kulturell

Die grosszügigen Verhältnisse im Oslo-Haus sind nicht zu vergleichen mit der beengten Raumsituation, die im alten Studio an der Spitalstrasse herrschte. Bis Radio X 1998 auf Sendung gehen konnte, legten die Initianten – darunter auch Jenny – einen steinigen Weg zurück. Bereits 1993 entwarfen sie das Konzept eines Lokalsenders, der denjenigen eine Stimme gab, die bis dahin noch kein eigenes Gefäss hatten: Junge, kulturell Interessierte und Engagierte sowie Migrantinnen und Migranten. Das Programm sollte unabhängig sein und Möglichkeiten zur Mitwirkung fördern. Doch die beiden Konzessionen für Privatradios im Raum Basel waren bereits an Radio Basilisk und Radio Raurach vergeben. Erst nach fünfjährigem Kampf erhielt Radio X eine schwach kommerzielle Konzession und ging als so genannter Kontrastsender auf der Frequenz 94,5 MHz «on air». Als solcher erfreut er sich – heute ist er werbefrei und wird als gemeinnützige Stiftung geführt – auch 15 Jahre später grosser Beliebtheit: Knapp 52000 Hörerinnen und Hörer hat der Sender, der im Grossraum Basel, Liestal und Dornach/Arlesheim über UKW zu hören ist.

Sensibilisieren und debattieren

Nebst dem Tagesprogramm gehen 9 fremdsprachige und 14 Musik-Special-Sendungen unter der Woche abends durch den Äther: Von «El Papagayo» über «Metal X» bis zu «Xcout-Pfadi on air» findet das Publikum, was sonst auf keinem Sender gespielt wird. Dazu kommen thematische Eigenproduktionen. So produzierte das Radio letzten Herbst den sechsteiligen Sensibilisierungszyklus «Schwarz/Weiss» in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Afrikastudiender Uni Basel und dem Team der afrikanischen Specialsendung «Djoliba». Aktuell läuft die Reihe «Business Kaffee»: An insgesamtacht ganztägigen Anlässen, andenen Interessierte teilnehmen können, werden in übertragenen Live-Talks, Workshops und Diskussionsrunden die Themen Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie debattiert.

Senden und Ausbilden

Die SRG Region Basel anerkennt die komplementäre Funktion von Radio X: «Das Regionaljournal von SRF hat informativen Charakter. Radio X kann tiefer gehen und seine inhaltlichen Schwerpunkte anders legen», erklärt Niklaus Ullrich, Präsident der SRG Region Basel. Er weist au feine weitere wichtige Aufgabe hin, die RadioX ausführt: «Es sendet nicht nur, sondern bildet auch aus.» Bei Radio X können Praktika absolviert werden. Neu bietet der Sender zudem zweijährige Volontariate im Bereich Moderation und Technik an. Die Teams der Special-Sendungen werden in zweitägigen Kursen in den Radiojournalismus eingeführt. Danach bestreiten sie ihre Programmzeiten selbstständig. «Mit seinem Konzept nimmt Radio X eine mediale Aufgabe wahr, die unterstützenswert ist», betont Ullrich. Als 2010 der Umzug in das neue Domizil auf dem Dreispitz anstand, unterstützte die SRG Region Basel deshalb den Bau des neuen Studios mit 30000 Franken. Insgesamt musste dafür knapp eine Million Franken investiert werden. Von Seiten der SRG hatten zuvor Überlegungen bestanden, die eigenen Studios vom Bruderholz in den neu entstehenden Stadtteil im Gundeldinger-Quartier zu verlegen. Man wusste deshalb, was für ein Umfeld Radio X antreffen würde: «Der Dreispitz ist ein Ort mit kulturpolitischem Anspruch. Auch Radio X verfolgt diese Prämisse», sagt Ullrich.

Wunsch und Wirklichkeit

Für Thomas Jenny ist der neue Standort ein Meilenstein in der 15-jährigen Geschichte seines Senders: «Jetzt können wir endlich so Radio machen, wie wir es uns vorgestellt haben.» Dabei kann und muss er auf viel freiwillige Arbeit zählen. Denn mit 900000 Franken ist das Jahresbudget eng: 45 Prozent werden mit Konzessionsbeiträgen finanziert, 55 Prozent mit projektgebundenem Sponsoring und Beiträgen von anderen Stiftungen und Institutionen gedeckt. Mit zehn Vollzeitstellen werden ausbildnerische, koordinative und administrative Aufgaben bewältigt. Knapp 200 Freiwillige arbeiten für die Special-Sendungen oder sind als Praktikanten für das Tagesprogramm unterwegs. Die Ausbildungskosten sind für Radio X jedoch nicht einfach zu stemmen. Jenny wünscht sich diesbezüglich eine echte Zusammenarbeit und finanzielle Beteiligung der SRG und der beiden Basler Privatradios, oder eine Unterstützung durch den Bund. Nicht zuletzt, weil viele ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten den Weg zu SRF oder in die kommerziellen Radiostudios Basels finden. Es wäre eine gute Investition. Denn der junge, neugierige Nachwuchs, der bei Radio X Know-how sammeln kann, sorgt dafür, dass in der Basler Radiolandschaft stets ein frischer Wind weht.

Text: Erschienen in LINK 3/2013; SRG.D/Julia Konstantinidis
Bilder (v.l.n.r): Moderationsteam bei Radio X; Moderator Mayuran Parimalanathan; Geschäftsführer Thomas Jenny (Imagopress/Patrick Lüthy)

Tags: link radiox

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