Behind the Scenes

Martin Bloch: «Ich lebe ein Stück weit in der Zukunft»

Als Programmentwickler in der Abteilung Unterhaltung bei Schweizer Radio und Fernsehen ist Martin Bloch (Bild) für neue Format-Ideen zuständig. Im Interview mit der SRG Deutschschweiz verrät er mehr über seinen abwechslungsreichen Berufsalltag und seine spannenden Aufgaben. Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews:

SRG.D: Martin Bloch, Sie sind Programmentwickler der Abteilung Unterhaltung bei Schweizer Radio und Fernsehen. Wie muss man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen? Sitzen Sie den ganzen Tag vor dem Fernseher (bzw. Tablet/Bildschirm) und sehen sich neue, ausländische TV-Formate an?Martin Bloch: Die Marktbeobachtung nimmt nur einen kleinen Teil meiner Zeit in Anspruch. Und es wäre fatal, wenn ich nur schauen würde, was das Ausland macht. Nein. Ich kümmere mich in erster Linie um unsere Schweizer Eigenent­wicklungen. Unser Ziel ist, dass zwei Drittel aller SRF Unterhaltungs­formate intern von unseren Krea­tivteams ent­wickelt werden. Das ist ambitioniert und macht uns in Europa einzigartig. Es gibt im Moment nicht mehr so wahnsinnig viele Medienunternehmen, welche das Ent­wick­lungshandwerk derart pflegen wie wir. Das hebt uns von den hunderten von Mitbe­werbern im Kabelnetz und Internet ab. Ich beschäf­tige mich daher hauptsächlich mit unserem Publikum, ihrem Mediennutzungsverhal­ten, werte Feedbacks aus, versuche gesellschaftliche Trends einzuordnen, hinter­frage Sende­plätze und schaue, was die Konkurrenz dort macht. Und schliesslich schaue viele unserer Sendungen am Bild­schirm an, um mir ein Bild über unsere Qualität zu machen.

Wie wird man Programmentwickler bei SRF?Mein Werdegang ist Schweiz-typisch: Als Schüler brachte ich eine Schülerzeitung heraus, dann folgten Privatfunk und Regionalfernsehen. Bei SRF stieg ich als Moderator im Jugendprogramm ein, arbeitete später als Redaktor und schliesslich als Produzent. Gleichzeitig studierte ich in Zürich Publizistik. Nach dem Liz erhielt ich die Chance, als Redaktor in die Programmentwicklung zu wechseln. Seit einem Ab­stecher zur Europäischen Rundfunkunion (EBU) in Genf leite ich die Programm­ent­wicklung der Unterhaltung.

Welche Kriterien sind ausschlaggebend dafür, dass eine neue Sendung ins SRF-Programm aufgenommen wird?In der Unterhaltung stehen Menschen und ihre Geschichten im Zentrum. Ein neues Format muss den Protagonistinnen und Protagonisten Raum bieten, damit wir ihnen gerecht werden können. Zudem ist es Pflicht, dass wir in den neuen Sendungen unsere landestypischen Eigenheiten verweben können. Ein neues Format muss einzigartig sein und zu einem Sendeplatz passen. Und schliesslich müssen wir bei einer neuen Sendeidee immer auch darauf vertrauen, dass sie ein Publikum findet.

Welches ist Ihre Rolle in diesem Entscheidungsprozess?Ich bin vor allem in der Zeit vor Produktionsbeginn eines neuen Formats involviert. Ich lebe daher ein Stück weit in der Zukunft. Ich liefere Entscheidungs­grundlagen in Form von strategischen Überlegungen und Argumenten für den Unter­haltungschef und die Programm­leitung. Bei externen und internationalen Formatan­bietern ent­scheide ich als Fachexperte, welche Formate wir weiter verfolgen und welche nicht. Die Massstäbe sind für interne und externe Sendungen gleich. Nur die besten Ideen schaffen es am Ende auf den Schirm.

Wie viele der Sendungen, die Sie vorschlagen, mitentwickeln oder mitkonzipieren, schaffen es schlussendlich ins Programm von Schweizer Radio und Fernsehen?Die meisten. Ich würde sagen vier von fünf. Man merkt schnell, ob etwas Potenzial hat oder nicht. Spätestens bei der Produktion von Pilotsendungen.

Interview: SRG.D/Jasmin Rippstein
Bild: SRF/Oscar Alessio

Tags: themenwoche thevoice

Kommentare

Lade Kommentare...
Noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinzufügen

Leider konnte dein Kommentar nicht verarbeitet werden. Bitte versuche es später nochmals.

Danke für deinen Kommentar. Dein Kommentar wird moderiert und erscheint hier, sobald er freigeben wird.
Bei Freischaltung erhälst du ein Email auf {author_email}.