Behind the Scenes

«Kambodscha war ein reiner Zufall»

Modeberaterin Monika Lienert und Zugbegleiter Peter Krüsi sind spontane Menschen. Auch ihre Auswanderung nach Kambodscha ist eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Während einer Asienreise beschliessen sie, in Zukunft ein Guesthouse führen zu wollen. Wie sie die Auswanderung und die Begleitung durch Schweizer Radio und Fernsehen für die neue Staffel von «Auf und davon» erlebt haben, erfährst du im exklusiven Interview:

Monika Lienert und Peter Krüsi, Sie beide wurden von SRF bei Ihrer Auswanderung nach Kambodscha begleitet. Wie ist es zu dieser «Zusammenarbeit» gekommen? Haben Sie sich selbst beworben – und wenn ja, weshalb?
Lienert und Krüsi: Wir haben uns selber beworben, da es für uns eine Möglichkeit war, einen Teil unseres Lebens dokumentarisch festzuhalten und wir so auch die Möglichkeit haben, dieses tolle Land und unsere Geschichte mit einem breiteren Publikum zu teilen

Welches waren Ihre Beweggründe, auszuwandern? Und weshalb ausgerechnet nach Kambodscha?
Lienert und Krüsi: Kambodscha war ein reiner Zufall, da wir auf einer von unseren Reisen in einem Forum gelesen haben, dass ein Guesthouse zu vermieten war. Wir waren einige Zeit später in Asien unterwegs und beschlossen, uns dieses Guesthouse einmal anzuschauen. Nach vier Tagen entschieden wir uns dann, es zu übernehmen, da der Ort und die Nähe zum Meer für uns stimmte. Das Guesthouse selber bereitete uns in den letzten 12 Monaten viel Arbeit, um es auf den Stand zu bringen, wie wir es wollten.

Unsere Beweggründe auszuwandern waren, dass wir die Chance hatten, einmal was anderes zu machen. Und dies an einem Ort auf dieser Welt, an dem wir das ganze Jahr warme Temperaturen und das Meer in der Nähe haben. Auch der dauernde Erfolgsdruck und Stress in der Schweiz waren ein wichtiger Faktor.

Während des letzten Jahres wurden Sie mehrfach von einem Kamerateam von Schweizer Radio und Fernsehen besucht und begleitet. Wie haben Sie dies erlebt? War die ständige Anwesenheit des SRF-Teams – gerade in Stresssituationen – nicht störend oder zusätzlich belastend?
Krüsi: Am Anfang war es ungewohnt, ein Mikrofon zu tragen und auch mal ruhig stehen zu bleiben, damit der Kameramann seine Aufnahmen machen konnte. Wir hatten aber mit Emil Fischhaber, Regina Buol und Markus Storrer ein tolles Team und lernten in dieser Zeit sehr viel. Ich empfand es nie als störend, sondern als eine Bereicherung und eine neue Erfahrung.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag in der neuen Heimat? Welche Gedanken gingen Ihnen dabei durch den Kopf? Und welche Gefühle überwiegten ̶ Vorfreude, oder Abschiedsschmerz?
Krüsi: Die ersten Tage waren schon etwas Spezielles, zumal es nicht so lief wie geplant. Die Vorfreude überwiegte aber und der einzige schmerzliche Punkt war der Abschied von meinen Eltern und Kindern.

Lienert: Beim Abschied in der Schweiz hatte ich trotz allem nicht das Gefühl, dass der Abschied für immer sei. Der erste Tag in der neuen Heimat verlief dann etwas «holprig». Aber unsere Entscheidung stand fest und wir waren bereit, für unsere Sache zu kämpfen.

Worin besteht Ihrer Meinung nach der grösste Unterschied zwischen Schweizern und Kambodschanern?
Krüsi: Die Kambodschaner haben eine ganz andere Denkweise als wir. Dinge, die für uns selbstverständlich sind, funktionieren hier nicht. Zum Beispiel meldet unsere Köchin erst, dass der Schinken fertig ist, wenn es wirklich keinen mehr hat. Ab und zu vergessen die Zimmermädchen auch, in den Gästezimmern neues Klopapier zu deponieren, weil sie selbst sich nur mit Wasser waschen. Jede Toilette hat eine Art Duschschlauch, Toilettenpapier brauchen sie nicht. Was die Kambodschaner uns voraus haben: Sie kennen keinen Stress und nehmen alles, wie es gerade kommt. Nach einem Jahr hier in Kambodscha haben wir das auch gelernt.

Lienert: In der Schweiz hat man für alles Regeln, alles ist geordnet und zum Teil vorgeschrieben. Hier in Kambodscha schaut man, was der Tag so bringt. Ein Zukunftsdenken, wie wir es haben, existiert hier noch nicht. Das äussert sich auch in der Sprache, die nur die Gegenwart kennt. Wenn wir zum Beispiel unserem Taxifahrer Termine zu weit im voraus (rund eine Woche) mitteilen, kann es sein, dass er sie vergisst.

Welchen Tipp können Sie anderen Familien geben, die auswandern möchten?
Krüsi und Lienert: Eine Idee zu haben und an diese zu glauben, viele positive Gedanken haben, sich durch «Miesmacher» nicht entmutigen lassen und sich bewusst sein, dass man im Ausland mehr Arbeits- und Präsenzzeit hat als in der Schweiz. Unserer Meinung nach funktioniert ein Geschäft im Ausland nur dann, wenn die Besitzer so viel wie möglich selber vor Ort sind. Ausserdem vorgängig in der Schweiz früh genug anfangen mit den Vorbereitungen (Krankenkasse, AHV, Pensionskasse etc.).

Interview: Jasmin Rippstein, SRG.D
Bild: SRF

Tags: aufunddavon

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