Behind the Scenes

«Die Frage war nicht, ob ich es machen will, sondern nur wie»

In der emotionalsten Folge von «Cover Me» trifft Maja Brunner auf die Langenthaler Mundartisen und steht vor einer grossen Herausforderung. Sie soll das Lied «Mir näh di mit» covern, mit welchem die Mundartisten den frühen Tod ihres Freundes Chrigu verarbeiten. Wie sie mit dieser schwierigen Aufgabe umgegangen ist, erzählt sie exklusiv im Interview mit der SRG Deutschschweiz.

SRG.D: «Cover Me» ist ein aussergewöhnliches Sendeformat. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie für das Projekt angefragt wurden? Waren Sie sofort Feuer und Flamme oder zunächst etwas skeptisch?
Maja Brunner: Da ich an musikalischen Experimenten und auch an allen Musikstilrichtungen interessiert bin, war für mich die Frage nicht ob ich es machen will, sondern nur wie?

Welche Erinnerungen und Gefühle verbinden Sie mit ‚Ihrem‘ Song «Das chunnt eus spanisch vor», der von den Mundartisten gecovert wird?
Dieses Lied ist ein Segen und ein Fluch. Es hat mich jahrelang in eine musikalische Schublade gedrückt, in die ich nicht ausschliesslich gehöre. Andererseits hat es mir die Möglichkeit zum Start einer Gesangskarriere gegeben. Ich liebe dieses Lied, auch wenn ich es sicher schon mehr als 1001 mal gesungen habe und ich bin heute so frei, dass ich Volksmusik und Schlager genau so liebe und singe wie Swing, Blues oder Rock.

Hand aufs Herz: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie das Endprodukt zum ersten Mal gehört haben? Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?
Sehr sogar. Ich habe von Herzen gelacht, denn Knackeboul und die Mundartisten haben das Ganze pointiert umgesetzt, Elemente des Originals übernommen und sehr witzig in ihre neue Version eingebaut.

Hatten Sie Angst davor, dass die Mundartisten ‚Ihren‘ Song ‚verschandeln‘ könnten?
Nein. Die Rapper sind aufmüpfig und frech. Das ist auch richtig so. Aber man kann seinem Gegenüber – auch wenn man aus verschiedenen musikalischen und ideologischen Welten kommt – mit Respekt und Anstand begegnen. Und das habe ich bei «meinen Rappern» von Anfang an gespürt.

Wir haben gehört, dass Knackeboul in seiner Strophe ganz schön über die Schlagerszene vom Leder zieht. Wie gehen Sie mit dieser Kritik an der Schlagerwelt um?
Ja, ja, da müsste sich Knäcke mal in seinen eigenen Reihen – oder zumindest bei den erfolgreichsten der Gilde umsehen − denn in Sachen falsche Zähne, falsches Lächeln oder Bling-Bling-Geklunker kann nicht eine der Schlagergrössen Snoop Doggy Dog oder P. Diddy usw. das Wasser reichen!!! Und es gibt auch Rap-Texte, die sicher keinen Literaturpreis gewinnen.

Zum Lied «Mir näh di mit», welches Sie covern sollten: Welche Gedanken schossen Ihnen durch den Kopf, als Sie zum ersten Mal das Lied der Mundartisten hörten?
Ich habe die Geschichte von Chrigu nicht gekannt und war nach Anhören des Liedes erst mal einfach tief berührt und irgendwie auch geschockt.

Das Lied «Mer näh di mit» der Mundartisten hat einen sehr tragischen Hintergrund. Es ist ein Lied über «Chrigu» – einen Freund der Mundartisten, der 2005 an Krebs starb und seinen Leidensweg selbst mit einem Film dokumentierte. Hatten Sie Hemmungen, sich diesem Lied anzunehmen – gerade weil es einen so tragischen Hintergrund hat? Hatten Sie Angst, dass Ihre Cover-Version den Mundartisten nicht gefallen könnte? Wie sind Sie mit dieser besonderen Situation umgegangen?
Am Freitag hörte ich das Lied zu ersten Mal und ich hatte bis Montagmorgen Zeit mir zu überlegen, was ich damit machen wollte, denn dann musste ich zur Aufnahme ins Tonstudio. Am Sonntagabend war ich fix und fertig und entschlossen, am Montag dem Schweizer Fernsehen mitzuteilen, dass ich meine Teilnahme am «Cover Me»-Projekt zurückziehen musste. Das ganze Wochenende hatte ich an Chrigu, seinem Schicksal, Krebs überhaupt, dem Lied der Mundartisten und meiner Aufgabe «umeghirnet». Ich kam einfach zu keinem Ergebnis, wie ich diese Geschichte musikalisch und textlich würdig und angemessen umsetzen konnte.

Wie sind Sie an diese Aufgabe herangegangen?
Am Montagmorgen sah die Welt schon etwas «erleuchteter» aus. Ich überlegte mir auf dem Weg ins Tonstudio, dass ich doch im Lied genau das erzählen konnte, über was ich mir das ganze Wochenende Gedanken gemacht hatte. Der Toningenieur und Musikproduzent Georg Schlunegger empfing mich derart herzlich, dass es für mich «Vertrauen auf den ersten Blick war». Das ist bei mir eher ungewöhnlich, da ich mich nur bei ganz wenigen, mir nahestehenden Menschen im Tonstudio wohlfühle. Georg hatte dann auch die Idee zu einer wunderschönen Melodie. Ich erzählte ihm von meiner Textidee, die wir dann zusammen umsetzten. Mit Segmenten aus Knackeboul’s Lied «Mir näh di mit» und unserem Teil entstand ein neues Lied das für mich sehr speziell ist und es wohl immer sein sein wird. Es heisst «Ich nimm Dich mit».

Was nehmen Sie aus diesem aussergewöhnlichen Experiment mit?
Es sind keine traurigen Bilder, die ich von Chrigu im Gedächtnis behalte, sondern Bilder der Hoffnung, von Lebenswillen, Lebensfreude und Dankbarkeit. Und ich bin sicher, dass Chrigu in Gedanken und Herzen vieler Menschen weiterlebt.

Was ich aus diesem Experiment mitnehme, ist einmal mehr die Erfahrung, dass Menschen, die auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher sein könnten, das gar nicht sind. Wir haben eine gemeinsame Liebe und das ist die Musik. Egal welche Richtung. Rapper sind junge Menschen, die rebellieren. Hoffentlich auch! Es lohnt sich bei einigen auch mal hinzuhören, was sie zu sagen haben.

* Maja Brunner gewann 1970 das Schlagerfestival in Glarus. Später spielte und sang die gelernte Sekretärin in verschieden Volksmusik- und Pop-Gruppen mit. 1987 veränderte die Teilnahme am Grand Prix der Volksmusik ihr Leben: Sie gewann mit dem Gassenhauer «Das chunnt eus spanisch vor» und konzentrierte sich fortan ganz auf ihre Schlager-Karriere. Seit den 90er-Jahren ist Maja Brunner auch als Theaterdarstellerin sowie als Gospel-und Musical-Sängerin beliebt und bekannt.

Mehr über Maja Brunner erfährst du hier: http://www.maja-brunner.ch/

Eine erste Vorschau auf die Folge mit Maja Brunner und den Mundartisten findest du hier: Trailer

Die Folge in voller Länge kannst du dir ab Freitag, 3. August, hier ansehen.

Interview: Jasmin Rippstein, SRG.D
Bilder: Maja Brunner mit den Mundartisten (SRF)

Tags: coverme interview mundartisten themenwoche

Kommentare

Lade Kommentare...
Noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinzufügen

Leider konnte dein Kommentar nicht verarbeitet werden. Bitte versuche es später nochmals.

Danke für deinen Kommentar. Dein Kommentar wird moderiert und erscheint hier, sobald er freigeben wird.
Bei Freischaltung erhälst du ein Email auf {author_email}.