Behind the Scenes

«Ich hatte sofort Bock mitzumachen»

In der ersten Folge von «Cover Me» prallten zwei Welten aufeinander: Der Berner Rapper Greis* und die Schlagerband «Calimeros». Wie Grégoire Vuilleumier, alias Rapper Greis, diese Begegnung und die musikalische Herausforderung erlebt hat, berichtet er exklusiv im Interview mit der SRG Deutschschweiz:

SRG.D: «Cover Me» ist ein aussergewöhnliches Sendeformat. Was war dein erster Gedanke, als du für das Projekt angefragt wurdest? Warst du sofort Feuer und Flamme oder zunächst etwas skeptisch?
Greis: Ich kannte das Format bereits von «Vox» her, mit Denyo von den «Absoluten Beginnern», deswegen hatte ich auch sofort Bock mitzumachen.

Hast du vor «Cover Me» schon mal etwas von den Calimeros gehört, deinen Cover-Partnern?
Nein, Ich hatte überhaupt keine Ahnung, dass es diese Schlagerszene überhaupt gibt! Ich kannte Ländler und Mundartrock, aber dass es dort dazwischen noch ein ganz eigenes Universum gab, habe ich erst durch die Sendung erfahren.

Du selbst bezeichnest deinen Song «Enfant des Étoiles» als Mini-Autobiografie. Welche Erinnerungen und Gefühle verbinden dich mit diesem Lied?
Ich wollte schon seit 15 Jahren einen Song schreiben, der meine Laufbahn gefühlsmässig wiedergibt, ohne zu beschönigen oder zu fest zu vereinfachen, aber erst bei «Enfant des étoiles» ist mir das wirklich gelungen. Der Song, die Musik, war für meinen Produzenten Claud und mich schon seit zwei Jahren fester Bestandteil des Albumkonzepts, und heute eröffnen wir jedes Konzert mit diesem Song, er liegt mir also immer noch sehr am Herzen!

Hattest du Angst davor, dass die Calimeros diesen sehr persönlichen Song ‚verschandeln‘ könnten?
Nein, gar nicht. Als ich Roland von den Calimeros getroffen habe, merkte ich sofort, dass er nicht nur ein richtiger Profi ist, sondern ein sehr sympathischer Mensch. Der Respekt, den wir voreinander hatten, ist derselbe, wie ich ihn früher mit Graffiti-Sprayern oder heute mit anderen Rapper teile, wir schätzen uns gegenseitig und erkennen, dass wir mit derselben Leidenschaft unserem Beruf nachgehen.

Hand aufs Herz: Was war dein erster Gedanke, als du das Endprodukt zum ersten Mal gehört haben? Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?
Auf jeden Fall. Ich bin immer noch am Lernen, mich möglichst direkt, kurz und knapp ausdrücken zu können. Roland beherrscht diese Kunst viel besser als ich und ich kann diesbezüglich noch vieles von ihm lernen.

Nun zum Lied «du bist wie die Sterne so schön» der Calimeros, welches du covern solltest: Welche Gedanken schossen dir durch den Kopf, als du das Lied zum ersten Mal gehört hast?
Zuerst einmal gar keine, denn ich habe das Lied beim ersten Hören wirklich weder textlich noch musikalisch verstehen können. Dann, nach mehrfachem Durchhören, habe ich den Song immer mehr begriffen.

Wie bist du an diese Aufgabe herangegangen?
Ich mag es, beim Schreiben von einer bestehenden Idee auszugehen, einen Song zu covern ist entsprechend eine sehr dankbare Aufgabe. Man baut an etwas weiter, man muss nicht von vorne anfangen.

Hast du für «Cover Me» auch das erste Mal mit dem «Hitmill»-Produzenten Fred Herrmann zusammengearbeitet, der sonst für Rapper wie Stress oder Bligg produziert? Wie war die Zusammenarbeit?
Ich habe schon mehrmals mit Fred gearbeitet, aber immer für andere Künstler, und ich schätze seine Arbeit. Er ist intuitiv und geht spielerisch mit Akkordwechseln um, das ist für mich als Rapper sehr lehrreich und interessant.

Was nimmst du aus dieser aussergewöhnlichen Zusammenarbeit mit den Calimeros mit? Gibt es etwas, das du in dieser Woche und in der Auseinandersetzung mit einem so entgegengesetzten Musikstil mitgenommen hast?
Dass ich noch weniger über Musik weiss, als ich dachte. Dass ich musikalisch wirklich noch in den Kinderschuhen stecke, obwohl ich mich als Rapper zu den besten zähle.

Man hat es in der Sendung gespürt und gesehen: Da war sehr viel gegenseitiger Respekt vorhanden. Wann sehen wir denn die Calimeros und Greis gemeinsam auf einer Bühne?Ich hoffe bald. Ich habe wirklich einen riesen Respekt vor Roland, und es würde mich freuen, mit ihm aufzutreten.

Vielen Dank!

*Unter dem Künstlernamen Greis gehört Grégoire Vuilleumier (34) zu einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schweizer Rapper. 2007 bis 2009 erhielt er den Swiss Hip Hop Music Award als bester Solo-Künstler, 2010 zeichnete MTV ihn mit einem European Music Award als bester Schweizer Künstler aus. Nebst seiner Solokarriere ist Greis Miglied der Rap-Gruppen PVP, Chlyklass und Rogue State Alliance. Er schrieb Songs mit zahlreichen Künstlern, unter anderem Züri West, Endo Anaconda, IAM, Non Phixion, Stress oder Kool Savas. Er hat mit Musikern in Tanzania und Südafrika Alben aufgenommen, war Velokurier, Botschafter von Viva con Agua, Redaktor der Wochenzeitung WoZ, sowie Mitglied der Literaturkommission des Kantons Bern. Greis ist zudem Master UZH der Publizistik, Politikwissenschaft und Wirtschaftsgeschichte und führt Rap-Workshops mit Jugendlichen. Sein aktuelles Album trägt den Titel «Me Love» (2012). (Quelle: greis.ch)

Mehr über Greis erfährst du unter: www.greis.ch

Die Sendung mit Greis und den Calimeros kannst du hier nochmals in voller Länge ansehen.
Haben dich die beiden Covers überzeugt? Hier kannst du dir die Lieder herunterladen!

Interview: Jasmin Rippstein, SRG.D
Bild: Greis (Mitte) mit Calimeros-Gründer Roland Eberhart (links) und Calimeros-Gitarrist Andreas Rynert (rechts; SRF)

Tags: coverme greis interview themenwoche

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