Behind the Scenes

Interview mit den HitMill-Produzenten Georg Schlunegger und Fred Herrmann

Mit «HitMill» hat SRF für die Sendung «Cover Me» eines der erfolgreichsten Tonstudios der Schweiz mit an Bord holen können. Im Gegensatz zu der ausländischen Vorlage werden bei SRF beide gecoverten Hits (sowohl die Rapsongs wie auch die Evergreens) professionell produziert. Im Interview berichten die beiden HitMill-Produzenten Fred Herrmann* (Bild oben) und Georg Schlunegger** (Bild unten, mit Schlagerstar Maja Brunner) von dieser aussergewöhnlichen Zusammenarbeit.

Fred Herrmann

SRG.D: Mit «HitMill» hat SRF eines der erfolgreichsten Tonstudios der Schweiz mit an Bord holen können. Georg, Du schreibst sonst u.a. Schlager- und Pop-Songs für Francine Jordi, TinkaBelle oder Eliane; Fred, als Co-Autor und Produzent von Bligg bist du mit Mehrfach-Gold und 5fach-Platin der «Edelmetall»-Sammler unter den Schweizer Musikproduzenten – Was hat Euch an «Cover Me» gereizt?

Fred Herrmann: Es war ein reizvolles Experiment, in so kurzer Zeit mit so vielen verschiedenen Künstler arbeiten zu dürfen! Auch den Aspekt, einen Schlager-Song in einen Hip-Hop Song zu verwandeln, war eine spannende Herausforderung. Ich betrachte solche Projekte immer als eine Art «Challenge».

Georg Schlunegger: Der Schlager zeichnet sich durch ganz eigene Songstrukturen und Instrumentierungen aus. Zudem gilt der Refrain als absoluter Peak, der melodisch und textlich sofort ins Ohr gehen muss! Ganz besonders reizvoll war es, jene Stellen aus den Hip Hop-Tracks herauszuarbeiten, die am ehesten in einem Schlagergewand funktionieren würden.

Georg hat sich um die Musiklegenden gekümmert – Fred um die Rapper. Wie verlief die Produktion der Musikstücke? Wie seid Ihr da vorgegangen?

Fred Herrmann: Ich habe immer den spannendsten Teil des Songs gesucht und diesen als Ausgangslage benützt. Zum Glück waren die Schlagersongs alle Hits, da musste man nur noch das «beste Stück» aussuchen!

Georg Schlunegger : Zuerst habe ich mir die Originale einige Male angehört, danach die bekanntesten Titel der Schlagerlegenden analysiert. So hatte ich einen Eindruck, in welche Richtung es gehen könnte. Beim ersten Treffen mit dem jeweiligen Künstler haben wir unsere Ideen dann auf den Tisch gelegt und gemeinsam die ersten Songwritings und Textideen an der Gitarre oder am Klavier ausprobiert. Danach habe ich begonnen, ein musikalisches Arrangement zu entwerfen und gleichzeitig mit dem Künstler am Text gefeilt. Noch bis zum Finaltag wurde an den Songs geschraubt und getüftelt, bis alle damit zufrieden waren.

Jede Musikerin, jeder Musiker hat einen individuellen Stil. Gibt es eine spezielle Taktik oder Vorgehensweise, wie Ihr euch auf die jeweilige Person einstellt?

Fred Herrmann: Um mich inspirieren zu lassen, habe ich jeweils in das Album des Künstlers reingehört, damit ich dann das Cover der Stilrichtung des Künstlers anpassen konnte.

Georg Schlunegger : Grundsätzlich ist es sehr wichtig, auf den Künstler und seine Persönlichkeit einzugehen. Es macht nie Sinn, jemandem eine musikalische Richtung aufzuzwängen, wenn er diese nicht teilt. Meine Aufgabe ist es, die musikalische und charakterliche Besonderheit des Künstlers zu erkennen und diese in seinen Songs und Texten mit ihm gemeinsam umzusetzen.

Welches Cover, welche Zusammenarbeit war für Euch die grösste Herausforderung? Und weshalb?

Fred Herrmann : Für mich war es wohl Lo & Leduc (Anmerkung: Die Folge wird am 9. August 2012, um 22.20 Uhr auf SF 1 ausgestrahlt ), da wir hier nur noch einen Bruchteil des Originals benützt haben. Auch das Cover von Big Zis (Anmerkung: Folge vom 26. Juli 2012) ist relativ weit weg von der ursprünglichen Version! In solchen Fällen wird einem einiges an Kreativität abverlangt und man leistet viel «Ping-Pong-Arbeit».

Georg Schlunegger : Die grösste Herausforderung war «Chrigu», der Song von Maja Brunner über den Tod eines Kollegen von Knackeboul und seinen Mundartisten (Anmerkung: Die Folge wird am 2. August 2012, um 22.20 Uhr auf SF 1 ausgestrahlt). Sie hatte grosse Zweifel, wollte sogar aufgeben. Wir haben lange und intensiv daran gearbeitet. Am Ende ist ein sehr bewegender und persönlicher Song entstanden.

Wo oder wie holt ihr euch eure Inspirationen, eure Ideen?

Fred Herrmann: Im täglichen Leben: da gibt es immer wieder so viel zu holen und zu entdecken.

Georg Schlunegger : Ich höre immer und überall jede Art von Musik. Vor ein paar Tagen habe ich mir die Platte von Skrillex gekauft und eine Stunde später ein paar Songs von Roy Black. Ich finde es spannend mich von überall her inspirieren und dann aus diesen ganz unterschiedlichen Einflüssen etwas Neues entstehen zu lassen.

Zurück zu «Cover Me»: Was nehmt ihr aus diesem Experiment persönlich mit?

Fred Herrmann: Eine sehr spannende, aber durchaus auch anstrengende Zeit, mit vielen tollen Bekanntschaften.

Georg Schlunegger : Es war eine intensive, aber tolle Zeit. Neben der musikalischen Herausforderung habe ich viele neue Musiker aus unterschiedlichsten Richtungen kennen gelernt. Ausserdem war die Zusammenarbeit mit der Fernsehproduktion sehr angenehm und entspannt, aber trotzdem hochprofessionell.

Am Ende der Staffel stehen 14 völlig unterschiedliche Tracks – welcher davon ist euer persönlicher Favorit?

Fred Herrmann: Schwierige Frage! Alle Tracks sind so verschieden und cool geworden... Ich habe aber ein kleines Faible für «O mein Papa»! (Anmerkung: Das Lied stammt von Lys Assia und wird in der Sendung «Cover Me» von Dodo gecovert. Die Folge wird am 16. August 2012, um 22.20 Uhr auf SF 1 ausgestrahlt).

Georg Schlunegger : Das kann ich nicht sagen. Jeder Song ist ein Highlight, weil jeder eine einzigartige Herausforderung war. Einen speziellen gibt es da nicht. Das ganze Projekt war einzigartig.

Zum Schluss: Angenommen, Ihr covert Euch gegenseitig. Welchen Song wählt Ihr? Wie würdet Ihr den Song des anderen jeweils umsetzen?

Fred Herrmann: Das mache ich ja ständig: Georg ist ein grossartiger Songwriter, dessen Songs ich immer wieder für verschiedene Künstler einsetze. In einer solchen Situation muss ich jeweils Georgs Komposition an den jeweiligen Künstler anpassen, fast so wie bei «Cover Me»!

Georg Schlunegger: Ich möchte gerne den allerersten Song covern, den Fred je geschrieben hat. Mich würde schon nur interessieren wie der klingt!

*Der Basler Fred Herrmann (35) ist seit 2007 Musikproduzent und Komponist bei «HitMill», seit 2010 auch Miteigentümer, zusammen mit «HitMill»-Gründer und Musikproduzent Roman Camenzind. Bei «Cover Me» komponiert und produziert er die Rap-Versionen der Schlagersongs.

** Georg Schlunegger (32), der Berner Komponist, Songwriter und Produzent, gehört seit 2010 zum Team von «HitMill». Für «Cover Me» komponierte und produzierte er die Schlager-Versionen der Rap-Tracks.

Mehr über das HitMill-Duo erfährst du hier.

Haben dich die produzierten Covers überzeugt? Hier kannst du dir die Lieder herunterladen!

Interview: SRG.D/og
Bilder: Fred Herrmann (oben) und Georg Schlunegger (unten; SRF)

Tags: coverme interview themenwoche

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