Behind the Scenes

«Bei ‹Cover Me› begegnen sich Rapper und Musiklegenden auf Augenhöhe»

Wie entsteht eine neue Sendung wie «Cover Me»? Wer entscheidet, ob sie ins Programm aufgenommen wird und welche Stars mitmachen? Programmentwicklerin und Projektleiterin Susanne Läng* (Bild) gibt einen Einblick in ihre spannende Tätigkeit.

SRG.D: Mit «Cover Me» hat die Kulturabteilung eine innovative Sendeidee ins SRF-Sommerprogramm gebracht. Welche Kriterien muss ein Format erfüllen, damit es produziert wird?
Susanne Läng: Einige, formale wie publizistische. Über die gemeinsame Leidenschaft zur Musik begegnen sich bei «Cover Me» unterschiedliche Vertreter einer sehr lebendigen, vielfältigen Schweizer Musikszene - genre- und generationenübergreifend. Das hat uns konkret an diesem Konzept überzeugt. Allgemein ist es natürlich auch immer wichtig zu wissen, für wen man eine Sendung produziert. Für welchen Sendeplatz, für welches Publikum, sonst sendet man unter Umständen mit der tollsten Idee am Publikum vorbei. Es freut uns deshalb besonders zu sehen, dass wir mit «Cover Me» ein jüngeres Publikum ansprechen und begeistern können.

Wie viel Zeit verstreicht zwischen der Idee für eine neue Sendung bis hin zur Ausstrahlung der pfannenfertigen Sendung?
Zwischen dem verbindlichen Entscheid und dem ersten Drehtag lagen bei «Cover Me» knapp 5 Monate. Das tönt jetzt vielleicht nach viel Zeit, aber zuerst gilt es ja die ganzen vertraglichen und rechtlichen Aspekte eines solchen Projekts zu klären. Allein die Klärung der Urheberrechte bei 14 Songs ist eine Mammutaufgabe. Und dann kommt noch hinzu: all unsere Künstler, ebenso die beiden Musikproduzenten, hatten Anfang Jahr bereits proppenvolle Terminkalender. Der Produktionsplan sah deshalb am Ende komplizierter aus als ein Schnittmuster für ein Gala-Kleid. Ohne den Goodwill und das Vertrauen der beteiligten Künstler, wäre das in diesem kurzen Zeitraum gar nicht möglich gewesen.

Worin liegt der entscheidende Unterschied zwischen der ausländischen Vorlage und der Schweizer Adaption von «Cover Me»? Inwiefern wurde die Sendung «eingeschweizert»?
Der markanteste Unterschied liegt in der gleichwertig hohen musikalischen Umsetzung der Cover-Versionen bei beiden Stilrichtungen. Es war uns sehr wichtig, dass sich Rapper und Musiklegenden in der Sendung auf Augenhöhe begegnen. Im Originalformat ist das so nicht vorgesehen – dort werden jeweils nur die Rap-Tracks professionell produziert. Mit Fred Herrmann und Georg Schlunegger von «HitMill» haben wir zwei Musikproduzenten für unser Projekt gewinnen können, die unsere Protagonisten optimal unterstützen konnten und dabei immer noch eine Schippe drauf legten. Das musikalische Ergebnis spricht für sich. Und darüber können sich alle freuen: die Macher, die Künstler, das Publikum. Mehr geht nicht.

Aus welchem Grund haben Sie sich ausgerechnet für diese sieben Rapper und sieben Musiklegenden entschieden? Und nach welchen Kriterien wurden die «Cover-Pärchen» gebildet?
Grundsätzlich haben wir sehr darauf geachtet, dass es, neben allen Unterschieden und Kontrasten, auch immer ein verbindendes Element gibt. Entweder auf der musikalischen oder persönlichen Ebene. Erst dann kann eine Entwicklung stattfinden. Es ist spannend zu sehen, wie sich unterschiedliche Standpunkte annähern, über die Musik. Zwischen Baba Uslender und Toni Vescoli etwa, da lagen Welten und doch war Baba sofort fasziniert, von seinem Gegenüber, von seiner Erfolgsgeschichte, von seinem Können als Musiker. Es ist im Gegensatz dazu total langweilig, wenn man zwei Personen dabei zusehen muss, wie sie sich nichts zu sagen haben. Nach 5 Minuten hat man das gesehen. Die Auswahl selbst erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma Sony Pictures Television. Da hat jeder sein Knowhow eingebracht. Und ich gebe zu: manchmal wollten wir auch einfach wissen, was ein bestimmter Rapper mit einem Lied anfängt. Das sind dann auch die persönlichen Highlights.

Was ist denn aus Sicht der Macher ein solches Highlight?
Da gibt es einige. Ein besonderes Erlebnis war für mich aber sicher die Folge mit Maja Brunner und den Mundartisten, die wir diese Woche zeigen. Denn bei dieser Folge wurden ja nicht nur die Rapper und Musiklegenden überrascht, sondern auch unser Moderator Knackeboul. Mit einem Lied, das für die Rapper eine grosse emotionale Bedeutung hat. «Mir näh di mit» erzählt von Chrigu, einem engen Freund der Mundartisten, der 2005 an Krebs starb. Es ist ein ergreifendes Lied, das jeden Schlagerstar ans Limit führen könnte. Damit sind wir ein gewisses Risiko eingegangen. Ein solches Lied zu covern, dazu muss man wirklich bereit sein. Wie Maja Brunner diese Aufgabe angenommen hat und wie die Mundartisten mit dieser ganzen Situation umgegangen sind, das war einfach großartig. Ein Klotz, wer sich davon nicht berühren lässt.

Vielen Dank!

* Susanne Läng ist Programmentwicklerin der Abteilung SRF Kultur. In dieser Tätigkeit begleitet sie neue Sendungen im Entstehungsprozess und unterstützt die Redaktionsleitenden bei der Weiterentwicklung bestehender Sendungen. Sie vertritt die Abteilung zudem in verschiedenen Gremien (Programmplanung/ Programmentwickler-Runde) und unterstützt die Abteilungsleitung bei programmstrategischen Fragen. Dazu gehört auch das ‹Scannen› des internationalen Fernsehmarktes im Hinblick auf neue Kultur-Formate, Trends und Tendenzen. Zudem ist Susanne Läng Ausbildungsverantwortliche der Abteilungen Kultur und Unterhaltung.

Weitere Informationen zur Sendung findest du unter: www.coverme.srf.ch

Interview: SRG.D/Jasmin Rippstein
Bild: SRF/Oscar Alessio

Tags: coverme interview themenwoche

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