Service public 30. October 2013

Weshalb ist SRF kein «Staatssender»?

In den Medien wird Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) regelmässig als «Staatssender» oder als «öffentlich-rechtlicher Sender» bezeichnet. Beides ist falsch. Weshalb, erklären wir dir gerne.

Die SRG ist ein Verein

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) ist ein Verein, der ein öffentliches Medienhaus betreibt. Mit 17 Radio- und 7 Fernsehsendern sowie ergänzenden Online-Angeboten und Teletextdiensten ist die SRG das grösste Medienhaus der Schweiz. Sie schafft Identität und stellt sich in den Dienst von Gesellschaft und Demokratie.

Entstanden ist die SRG 1931 als nationaler Zusammenschluss der lokalen Radiogesellschaften, die in der Schweiz das Radio einführten. Die Ursprünge der SRG gehen dabei auf Bastler und Hobbyfunker zurück. Erst als die Technologie Radio an Schwung dazugewonnen hat, wurde der Bund aktiv. Vor allem das Militär drängte auf alleiniges Recht, Radios zu betreiben. Man einigte sich schliesslich auf einen Kompromiss: Die Gründung eines Vereins zur Bündelung der verschiedenen Radioanbieter.

Das hat folgende Vorteile: «Die privatrechtliche Organisationsform ermöglicht unternehmerische Selbständigkeit und Unabhängigkeit», verdeutlicht Dominic Witschi von der Unternehmenskommunikation der SRG. So könne die SRG nicht nur publizistisch, sondern auch organisatorisch ihre Eigenständigkeit bewahren. Anders als etwa bei der Swisscom, der Post oder der SBB ist der Bund zudem in keiner Weise finanziell an der SRG beteiligt.

Kein «Staatssender»

Die SRG und ein Teil der privaten Sender erhalten für die Umsetzung ihres Programms Gebühren. Im Gegenzug sind sie verpflichtet, die Grundversorgung an Radio- und Fernsehprogrammen für die Gesellschaft (medialer Service public) zu erbringen. Trotzdem ist die SRG innerhalb der Rahmenbedingungen durch Verfassung, Gesetz und Konzession unabhängig: Niemand darf sich in die redaktionelle Arbeit der SRG einmischen, auch nicht die Politik.

Deshalb sind die Bezeichnungen «Staatssender» oder «öffentlich-rechtlicher Sender» juristisch falsch. «Die SRG war nie ein Staatsradio oder -fernsehen. Sie hat ihre Eigenständigkeit stets bewahrt. Von Anfang an war sie als privatrechtlicher Verein organisiert und nie als öffentlich-rechtliche Anstalt wie zum Beispiel die BBC», betont Witschi. Dieses föderalistische Konstrukt ist international einzigartig in der Medienwelt. Übrigens: Es gibt tatsächlich Länder mit Staatssendern, zum Beispiel Nordkorea.

Was ist nun die korrekte Bezeichnung?

Um auf Nummer sicher zu gehen, verwendet man am besten den – juristisch unverbindlichen – Ausdruck «öffentliches Medienhaus».


Falls du es noch etwas genauer wissen willst:

SRG Metro


Quelle: SRG
Text: SRG Insider
Bild: SRF/Oscar Alessio

Kommentare (2)

  1. Rüdiger Klein: Jul 16, 2016 at 12:46 PM

    Warum spricht man von Sendern, wenn der Inhalt der Sendung gemeint ist. Das Wort Programm passt m.E. besser. Ein Sender war auch früher die technische Einrichtung, die eine Nachricht abstrahlt. Frz.: Le Program et L'Emetteur, letzteres bedeutet Sender.

  2. Peter Eberhard: Dec 14, 2016 at 03:02 PM

    "Öffentliches Medienhaus"? Da muss ich schmunzeln, denn es drängen sich automatisch gewisse Assoziationen auf. Mein Vorschlag: Steuerfinanzierte Sendeanstalt. Denn die frühere Billag-Gebühr muss nun (nach höchst knappem Ausgang der Volksabstimmung) voraussetzungslos von jedem Privaten und jedem Unternehmen (!) bezahlt werden, ganz egal ob man SRG-Leistungen konsumiert oder nicht. Dem sagt man Steuer.


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