Meinungen 10. November 2017

Wie Medien zur Integration beitragen können

Integration und Medien – eine Beziehung, die viele Chancen, aber auch viele Risiken birgt. Wie können Medien etwas zur Integration von Ausländerinnen und Ausländern beitragen? Wo sind die Schwierigkeiten? Und wie engagiert sich die SRG?


Das Wichtigste in Kürze:

  • Beiträge in Medien sollten in einfacher Sprache verfasst sein, damit sie jede und jeder versteht
  • Kulturell diverse Redaktion wissen mehr über die Bedürfnisse ihrer Nutzerinnen und Nutzer
  • 25% der Schweizer Bevölkerung kommt aus dem Ausland – das soll auch in den Medien repräsentiert werden (z.B. bei den Moderatorinnen und Moderatoren)
  • In der Schweiz gibt es wenig Medien, die für Migrantinnen und Migranten konzipiert sind

Andreas Räss ist Integrationsdelegierter in Basel-Stadt und nimmt Integration vor allem als Gelegenheit für gegenseitiges Wachsen wahr, für Bildung und Begegnung. «Wir müssen der Integration auf Augenhöhe begegnen, denn sie ist das Normalste auf der Welt», erklärt er. Dabei ist die Sprache die Basis einer jeder gelungenen Integration: Wer die Sprache beherrscht, dem fällt das Leben in allen Bereichen leichter. Da können Medien beispielsweise helfen, indem sie Beiträge in einfach verständlicher Sprache produzieren.

Was Schweizer Journalisten fehlt? 

Eine andere Möglichkeit ist die Information in der eigenen Sprache, so, wie es bei swissinfo.ch der Fall ist. Peter Schibli ist Direktor dieser Online-Plattform der SRG, die auf internationaler Ebene über die Schweiz informiert. «Internationale, Auslandsschweizer und Expats bilden unsere Zielgruppe», erklärt Schibli. Auch die Redaktion selbst ist sehr international: Die Mitarbeiter stammen aus 15 verschiedenen Ländern, geschrieben wird in zehn Sprachen. Was kann eine solch kulturell diverse Redaktion bieten, was Schweizer Journalisten fehlt? «So einiges», betont Schibli. «Die Redaktorinnen und Redaktoren sind gut eingebunden in die eigene Community, haben ein starkes Netzwerk und wissen über Bedürfnisse der User, die ein Schweizer Journalist so nie erfahren würde.» Als Beispiel nennt er das Ballett, das für die Japaner eine sehr grosse Bedeutung habe. «Berichte über Aufführungen und Wettbewerbe in der Schweiz werden in ganz Japan gelesen.»

Als Ergänzung dazu hat die SRG die App «together» entwickelt, die Integration spielerisch ermöglichen soll: In 7 Sprachen können Nachrichten gelesen und Quizfragen zum Leben in der Schweiz beantwortet werden. Die 20'000 Downloads sprechen für sich.

Keine systematische Diskriminierung

Neben dem für ist auch das über von grosser Bedeutung. Medien haben eine wichtige Rolle, wenn es um das Bild der Migrantinnen und Migranten in der Öffentlichkeit geht. «Gerade im Asylbereich und bei Muslimen ist es nicht einfach», so Räss. Eine systematische Diskriminierung könne er aber nicht erkennen. Das sei jedoch auch schwierig zu messen, da diese immer sehr subjektiv und mit Gefühlen verbunden sei. Wir Schweizer seien zudem ein eher distanziertes Volk, da kann die «normale Skepsis» auch mal persönlich genommen werden. Räss fehlen seitens der Berichterstattung sachliche Dispute, andere Blickwinkel, Relativierungen von Situationen. Zudem fällt ihm auf, dass es im Fernsehen kaum Moderatoren gibt, die offensichtlich einen Migrationshintergrund haben. «Wenn 25% der Schweizer Bevölkerung aus dem Ausland kommt, soll das auch repräsentiert werden», findet er. Schibli sieht das ähnlich: «Eine Migranten-Quote auf Zeit fände ich nicht schlecht.»

Ein Magazin für Ausländerinnen und Ausländer

Schibli und Räss weisen beiden darauf hin, dass es wenig Medien gibt, die direkt für Migranten konzipiert sind – und daher für diese interessant sind. «Es muss gelingen, dass Schweizer Medien auch von Nichtschweizerinnen und -schweizern konsumiert werden», so Räss. Denn erst dann gelinge die Integration. Schibli ist da ähnlicher Meinung: «Es braucht ein Magazin für die ausländische Bevölkerung.» Zudem würde er mehr ausländische Angestellte begrüssen.

  • Sonja Gambon

    Sonja Gambon (24) bewegt sich dank ihrem Masterstudium in Weltgesellschaft und Weltpolitik und ihrer Arbeit als freischaffende Journalistin zwischen Wissenschaft und Medien. Gegenwärtig absolviert sie ein Praktikum beim deutschen Online-Magazin «Krautreporter».

Text: Sonja Gambon
Bild: Pexels

Kommentare (1)

  1. erika müller-bär: Nov 15, 2017 at 07:37 AM

    Die 1. Wohnorten wohnte ich in Dietikon. Nach Heirat in Männedorf ZH, dann in Adliswil, von dort Arni AG. Nachher Renens VD, Lully VD. Von dort einen grossen Sprung nach Sao Paulo, Brasilien. Retour in die Schweiz nach 10 Jahren nach Tolochenaz. Von dort nach Servion VD. Jetzt wohnen wir seit 14 Jahren in Fällenden. An keinem Ort haben die Leute auf uns gewartet. Aber überall, auch an Orten mit anderen Sprachen, haben wir noch heute Freunde. Wie haben wir das geschaffen? An jeden neuen Ort haben wir nach kurzer Zeit die Nachbarn zu einem Drink eingeladen. Als Christen suchten wir eine Kirche, wo wir sehr schnell Freunde gefunden haben und haben dort mitgearbeitet, einmal habe ich sogar WC geputzt. Hier in Fällanden habe ich Mahlzeiten verteilt und wir haben auch an den Ortsfesten mitgemacht. An Orten, wo die Leute französisch oder brasilianisch sprachen, haben wir selbstverständlich die Sprache gelernt. Was ich sagen will: In 1. Linie müssen unsere Zuzüger in die Schweiz auf uns zukommen. Es braucht etwas Mut und Fantasie. Es gibt auch viele andere Möglichkeiten (Vereine etc. etc.). Dies wird von vielen Schweizern oder Eingebürgerten anerkannt und oft öffnet sich so Türen. Priorität ist selbstverständlich. In fremdsprachlichen Orten haben wir natürlich auch mit Deutschen und Schweizern Kontakt gepflegt.
    Meine Meinung: zuerst sollen unsere Zuzüger selbst etwas tun und nicht erwarten, was wir ihnen bieten sollen.


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