Behind the Scenes 17. March 2015

Junge Menschen, SRG und Politik – Passt das zusammen?

Die SRG SSR lanciert für die nationalen Wahlen 2015 ein neues Projekt in Form einer App. Ein Experiment, das auch den angestrebten Imagewandel bei SRF begünstigen soll. Weg vom Ü50-Unternehmen, hin zum Service-public-Medienhaus für alle Altersklassen.

Das Tram 11 Richtung Auzelg bringt mich kurz vor neun Uhr zum SRF-Gebäude. Konrad Weber, Multimedia-Redaktor im Bereich Interaktion, ist an diesem Tag mein Interviewpartner. Im Eingangsbereich des SRF-Hauptgebäudes angekommen, werde ich freundlich von zwei Damen begrüsst und gebeten, meinen Namen in ein Tablet einzugeben. «Modern», denke ich mir und merke unwillkürlich, dass es nicht so ganz zu meiner eher verstaubten SRF-Schublade passen will. Idiotisch, schliesslich nehme ich nicht an, dass die moderne Technik vor SRF Halt gemacht hat. Gedanklich ist das öffentliche Radio und Fernsehen aber einfach eher «Sender meiner Eltern und Grosseltern» – und somit weit weg von der Modernität – obschon ich selbst einige SRF-Sendungen schaue, beispielsweise «Giacobbo / Müller» und je nach Thema auch den «Club».

«politbox» – Teste dein Wissen und rede mit!

Dieses verstaubte SRF-Image kennt Konrad Weber, 26 Jahre alt, nur zu gut: «Viele Junge haben falsche Vorstellungen von SRF und sind überrascht, wenn ich ihnen erzähle, dass man sich bei vielen Sendungen beteiligen kann und dass die Moderatorinnen und Moderatoren ihnen auch zuhören, beispielsweise via Social Media.» Ein Imagewandel ist also mehr als überfällig. Einen Schritt in diese Richtung soll mit «politbox» gemacht werden: ein neues landesweites SRG-Projekt zu den nationalen Wahlen 2015. Zielgruppe: 16- bis 34-Jährige. Ab Mai steht die App zum Download bereit. Neben diversen Tests zum Schweizer Allgemeinwissen gibt es für die Nutzer auch die Möglichkeit digital ihre Meinung abzugeben. Die App wird darüber hinaus interaktiv sein und den Jungen die Möglichkeit zur Beteiligung am politischen Diskurs geben  - wenn sie denn möchten. «Der grössere Teil der User wird vor allem konsumieren wollen. «politbox» soll jedoch die Hürde zur Beteiligung für jene abbauen, die mitreden möchten», so Weber, der Teil der «politbox»-Arbeitsgruppe ist.

Service public ohne Junge?

Klingt alles ganz logisch, aber woher dieser Wandel bei der SRG? Warum setzt man auf junge Menschen und das auch noch beim Thema Politik? «Wir sehen ja seit Jahren, dass wir zwar die Leute ab 50 Jahren sehr gut erreichen, die Jungen dafür immer weniger. Doch auch denen sind wir programmmässig etwas schuldig. Sich zu legitimieren mit dem Service public, die Jüngeren dabei aber kaum zu erreichen, ist schwierig», so Weber. Die Zielgruppe der 16- bis 34-Jährigen stellt jedoch eine Knacknuss dar, nicht nur für SRF sondern auch für diverse andere Medien. Wahlen und Abstimmungen seien allerdings ein guter Zeitpunkt für ein solches Projekt, da den öffentlichen Sendern grosse Aufmerksamkeit zukomme, meint Weber: «Bei Wahlen ist die Ausgewogenheit und Neutralität umso wichtiger und für viele Leute ist SRF unabhängiger als andere Medien. Ausserdem sind wir die einzige Medieninstitution, die landesweite Vergleiche anstellen kann. Dieser gesamtheitliche Blick ist ein riesiges Plus für uns.»

Die «politbox» ein Projekt, das Erfolg haben kann - oder eben nicht. Weber findet es deshalb mutig, dass die ganze SRG für dieses Experiment zusammenspannt: «Es ist auch ein Zeichen gegen Aussen, dass wir eben nicht so verschlafen sind, wie immer alle denken. Die Leute sollen merken, dass wir vielleicht nicht die Patentlösung haben, um die junge Zielgruppe zu erreichen, wir aber Neues ausprobieren.» Denn SRF gehöre als Service-public-Unternehmen auch den Jungen, was vielen nicht bewusst sei, schliesst Weber: «Uns ist es sehr wichtig, dass sich gerade Junge beteiligen, mitdenken, mitreden und wenn nötig, auch Dinge einfordern.»


Selina Berner Autorin Selina Berner (24) studiert Journalismus & Organisationskommunikation an der ZHAW und arbeitet als freie Journalistin für verschiedene Medien. Für SRG Insider geht sie regelmässig Themen nach, welche die jüngere Generation beschäftigen.

 


Text: Selina Berner
Bild: colourbox.de

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